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Fragmentierte Öffentlichkeit: Vom Lagerfeuer zur Filterblase? PROGRAMM und Anmeldung zur Jahrestagung am 1.+2. Oktober 2026 in Erfurt

„Vom Lagerfeuer zur Filterblase“, KI-generiert auf Basis von GPT-5.5, 2026

Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V.
53. Jahrestagung

1. und 2. Oktober 2026, Erfurt, Landesfunkhaus des MDR

Programm (Stand: 7.8.2026)

Donnerstag, 1. Oktober

12:00 Ankunft & Imbiss

13:00 Begrüßung

Kai Knörr (Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V.): Begrüßung

Astrid Plenk (MDR): Begrüßung und Intro

13:30-14:30 Keynote

Moderation: Kai Knörr

  • Jörg Requate (Universität Kassel): Sehnsucht nach dem Lagerfeuer. Historische Perspektiven auf die Entwicklung von (Teil-)Öffentlichkeiten in der medialen Moderne

14:30-14:50 Kaffeepause

14:50-16:10 Panel 1: Historische Öffentlichkeiten im Wandel

Moderation: Christoph Classen

  • Wolfgang Mühl-Benninghaus (Humboldt-Universität zu Berlin): Öffentlichkeit und öffentliche Meinung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
  • Sahar Daryab (Otto-Friedrich-Universität Bamberg): Tyrannei der Kürze: Zum Aufstieg der bildlichen Öffentlichkeit und zur Ikonisierung des sprach- und schriftbasierten öffentlichen Diskurses
  • Leonie Wolters (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam): From alternative journalism to development PR: international news agencies during decolonisation era

16:10-16:40 Kaffeepause

16:40-18:00 Panel 2: Konzeptionen und Regulierung von Öffentlichkeiten

Moderation: Christoph Rosenthal

  • Saskia Prinzler (Universität Leipzig): Vom Gatekeeper zur „Governance-Matrix“? Community Management und die Regulierung digitaler Teilöffentlichkeiten
  • Gerlinde Frey-Vor (Leipzig): Public Value Ansätze in Medienpolitik und Medienmanagement und ihre Beziehung zu Öffentlichkeitskonzepten
  • Christoph Classen (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam): Neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und Demokratie. Überlegungen zu Habermas und anderen

18:00-18:30 Pause

18:30-19:45 Kamingespräch

20:00 Uhr Gemeinsames Abendessen (Selbstzahler)

Freitag, 2. Oktober

9:00-10:15 Führung durch das MDR Funkhaus Erfurt

10:15 -10:45 Special

Moderation: Gerlinde Frey-Vor

  • Jan Schönfelder (MDR): Historische Dokus des MDR am Beispiel von „Willy Brandt ans Fenster!“ (2010)

10:45 -11:05 Kaffeepause

11:05 -12:40 Panel 3: Gegenöffentlichkeiten

Moderation: Golo Föllmer

  • Ahmet Köken/Stefan Rindlisbacher (Universität Fribourg): Von der Gegenöffentlichkeit zur Filterblase? Alternativzeitschriften der „Neuen Linken“ und „Neuen Rechten“ (1970-2000)
  • Lisa-Frederike Seidler (FU Berlin): Streikende Studis auf Sendung. Die West-Berliner Videozeitung im Offenen Kanal Berlin
  • Marlene Hempel (Universität Mainz): „VerUnEinigung!“ statt „Wiedervereinigung“? Eine Vorgeschichte der Filterblase am Beispiel postmigrantischer Gegenöffentlichkeiten
  • András Keskeny (Universität Szeged, Ungarn): Mikro und Netzwerköffentlichkeiten – Das Videokassettemagazin INFERMENTAL (1982-1991) als Experiment alternativer audiovisueller Öffentlichkeitsbildung

12:40-13:40 Mittagspause

13:40-15:00 Panel 4: Digitale Öffentlichkeiten

Moderation: N.N.

  • Kim Hebben/Raphaela Tkotzyk (TU Dortmund): Digitale Fragmentierung und demokratische Teilhabe: Die politische Urteilskraft marginalisierter Jugendlicher im Zeitalter plattformspezifischer Medienaneignung
  • Daniela Wentz (Universität Siegen): Epistemologien des Publikums. Zur Genealogie algorithmischer Empfehlung
  • Annika Hübner (HTW Berlin): Plattformpatente als Quellen fragmentierter Öffentlichkeit

15:00 Schlussdiskussion

Ca. 15:15 Ende der Tagung, Abreise

Anmeldung bitte bis zum 27. September 2026 über das Buchungsformular:

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    (*) Pflichtfeld

    Anmeldung als:

    Eine Bestätigung erfolgt nach Eingang der Tagungsgebühr auf unser Konto (IBAN: DE20500502010000392049, Frankfurter Sparkasse).

    Ich nehme am 1. Oktober am Abendessen teil (Selbstzahler):

    Ich nehme am 2. Oktober an der Führung durch das MDR Funkhaus teil:

    Ich stimme der Verarbeitung meiner Daten zu. Wir verarbeiten Ihre Daten zum Zwecke der Veranstaltungsvorbereitung und -durchführung:

    Ich erteile die Genehmigung zur Veröffentlichung und unentgeltlichen Nutzung von Fotos, die während der Veranstaltung aufgenommen werden.

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    Medienhistorisches Forum für Forschungsnachwuchs und Absolvent:innen am 19./20. Oktober 2026 in Lutherstadt Wittenberg – Call for Participation – Einreichungsfrist: 20. August 2026

    Studienkreis Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft DGPuK und [na]KOGE

    Medienhistorisches Forum
    für Forschungsnachwuchs und Absolvent:innen

    19./20. Oktober 2026 in Lutherstadt Wittenberg
    Call for Participation – Einreichungsfrist: 20. August 2026

    Das Medienhistorische Forum des Studienkreises Rundfunk und Geschichte ist eine Plattform für Absolvent:innen und Forschungsnachwuchs mit Bezug zu Kommunikation und Medien in historischer Perspektive. Doktorand:innen, Habilitant:innen und Masterstudierende in ihrer Abschlussphase erhalten die Möglichkeit, ihre Forschungsthemen vorzustellen und mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis über Probleme und Methoden kommunikations- und medienhistorischer Arbeiten zu diskutieren. Das Format hat sich seit 1973 bewährt und dient auch zur Vernetzung untereinander sowie mit Ansprechpersonen aus Rundfunk-anstalten und Medienarchiven. Mittlerweile findet das Forum in Kooperation mit der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK sowie [na]KOGE statt.
    Nachwuchswissenschaftler:innen laden wir ein, sich mit ihren aktuellen Forschungsprojek-ten für eine Teilnahme zu bewerben. Eine Übernahme von Fahrt- und Übernachtungskosten der Referent:innen durch den Studienkreis kann angefragt werden. Die vorgestellten Projekte müssen und sollen keine abgeschlossenen Arbeiten abbilden. Konkrete Projektskizzen sollten aber dennoch vorhanden sein, so dass wir auf hohem Niveau über die Themen, Gegenstände, Quellen, Methoden oder theoretischen Ansätze der Vorhaben diskutieren können. Einreichungen in englischer Sprache sind möglich. Einreichungen aus Kommunikations- und Medien- und Geschichtswissenschaften und anderen Disziplinen sind willkommen.

    Einreichungen können zum Beispiel die folgenden Themen behandeln:

    • Geschichte und Entwicklung von Hörfunk, Fernsehen, Publizistik und Journalismus, Fotografie, Online-, Musikmedien oder anderen Einzelmedien und Gattungen
    • Geschichte der Kommunikations- und Medienpolitik
    • Mediatisierung und Medialisierung von Gesellschaft und ges. Teilbereichen
    • Medienöffentliche Diskurse und Medienöffentlichkeiten im  Wandel
    • Vergangene, tradierte und neue Praktiken der Medienproduktion und -rezeption
    • Geschichte der Kommunikations- und Medienforschung
    • Forschung zur Technikgeschichte und Materialität der Medien
    • Einzelanalysen und Fallstudien zu Formaten, Sendungen, Personen
    • Innovative Ansätze der Methoden- und Theoriebildung von Kommunikationsgeschichte und Medienkulturwissenschaft
    • Erinnerungskultur und Medien

    Einreichung und Begutachtung

    Die Auswahl der Vorträge findet in einem anonymisierten Begutachtungsverfahren durch die Veranstalter:innen statt. Zur Bewerbung reichen Sie bitte ein Exposé ein, das die Grundlinien des geplanten Vorhabens und Vortrages umreißt und ungefähr zwei Seiten Text (max. 6.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, plus Literaturangaben) umfassen soll. Bitte formulieren Sie dabei den ersten Absatz als knappe Zusammenfassung, den wir vorab an die Teilnehmenden verteilen könnten. Geben Sie in Ihrem Exposé im Sinne der Anonymität des Verfahrens bitte keine Angaben zu Ihrer Person an, sondern reichen Sie ein zusätzliches Deckblatt mit Ihren Kontaktdaten und dem Titel des Vorhabens als einzelne Datei ein.

    Senden Sie Ihr Exposé und das Deckblatt bis zum 20. August 2026 an christoph.rosenthal@erg-fu-berlin.de

    Veranstalter:innen und Ansprechpartner:innen für Rückfragen

    • Studienkreis Rundfunk und Geschichte

    Dr. Christoph Rosenthal christoph.rosenthal@erg-fu-berlin.de

    Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK

    Dr. Erik Koenen ekoenen@uni-bremen.de

    Dr. Christina Haritos christina.haritos@fu-berlin.de

    Fragmentierte Öffentlichkeit: Vom Lagerfeuer zur Filterblase?
    53. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte

    1. und 2. Oktober 2026, Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), Landesfunkhaus Thüringen, Erfurt

    Call for Papers

    Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte ruft zur Einreichung von Beiträgen für seine kommende wissenschaftliche Tagung zum Thema „Fragmentierte Öffentlichkeit: Vom Lagerfeuer zur Filterblase“ auf. Forscher:innen aus den Bereichen Geschichts-, Medien- und Sozialwissenschaften, Medienschaffende und Interessierte sind eingeladen, sich in historischer Perspektive mit der Evolution von medialer Öffentlichkeit und deren Fragmentierung zu beschäftigen.

    Seit Jürgen Habermasʼ historischer Studie „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962) wird das Verhältnis von Massenmedien, Gesellschaftswandel und politischer Kommunikation diskutiert. Während Habermas seinerzeit den Verfall einer (idealisierten) bürgerlichen Öffentlichkeit der Aufklärung im Zuge von Industrialisierung und Kommerzialisierung beschrieb, richtet sich das heutige Interesse meist auf den „Zweiten Strukturwandel der Öffentlichkeit“. Gemeint ist damit die Vervielfältigung, Ausdifferenzierung und strukturelle Veränderung elektronischer Medien im digitalen Zeitalter seit Ende der 1980er Jahre. 

    Die Pluralisierung von medialen Angeboten und damit verbundene Tendenzen gesellschaftlicher Individualisierung lassen sich kaum bestreiten: Während populäre Formate wie z.B. die „Samstagabendshow“ oder Hauptnachrichtensendungen in der Prime Time in der Hochphase des Fernsehens noch generationsübergreifende Mehrheiten vor dem Bildschirm versammeln konnten, ist diese Form gemeinsamer Teilhabe heute offenkundig passé. Aber rechtfertigt dies bereits die Annahme eines Zerfalls der Öffentlichkeit und damit verbundener Gefahren für das demokratische System? Denkbar ist ja auch, dass diese Integrationsleistung historisch eine Ausnahmesituation war, die allein das Fernsehen von den 1960er Jahren bis in die frühen 1980er Jahre geschaffen hat. Notwendig ist demnach ein präziser und historisch informierter Blick: Durch welche Merkmale zeichnen sich Medien im Zeitalter der Plattformen, Algorithmen und LLMs aus, und welche Konsequenzen hat dies für die öffentliche Kommunikation? Wie unterscheiden sich diese von früheren historischen Konstellationen? Und rechtfertigt dies tatsächlich die Rede von „Filterblasen“ und einem „Zweiten Strukturwandel der Öffentlichkeit“?

    Wir suchen Beiträge, die sich mit den historischen, sozialen und technologischen Dimensionen dieses Wandels befassen. Denkbar sind sowohl konkrete empirische Fallstudien als auch übergreifend oder theoretisch orientierte Vorträge. Mögliche Themenbereiche könnten z. B. sein:

    • Historische Perspektiven: Die Rolle von Medien im vordigitalen Zeitalter beim Aufbau von (gemeinsamen) Öffentlichkeit(en)
    • Technologie und Medienwandel: Wie Infrastrukturen und neue Formate die individuelle Informationsaufnahme verändern
    • Soziale, politische und kulturelle Auswirkungen fragmentierter Öffentlichkeiten
    • Politik und Macht – Wer kontrolliert den Zugang zu Informationen in der modernen Medienlandschaft?
    • Wie wirken sich wirtschaftliche Konzentrationsentwicklungen auf dem Mediensektor, die u.a. zu multinationalen Plattformen führen, auf die Formierung von nationalen oder regionalen Öffentlichkeiten aus?
    • Welche Rolle spielt das Leitbild von der Teilhabe aller an politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Diskursen?
    • Welchen Einfluss haben gemeinsame oder aber auch voneinander getrennte mediale Diskurse für die gesellschaftspolitische Verständigung in Deutschland, z.B. im Hinblick auf Ost- und Westdeutsche, Menschen aus anderen nationalen Herkunftsländern oder anderer gesellschaftlicher Teilgruppen?
    • Recht: Historische und aktuelle Beispiele erfolgreicher und gescheiterter Medienregulation
    • Fallstudien zur Rolle von sozialen Medien und Algorithmen in der Bildung von Filterblasen / Ist die Blase ein neues Phänomen?
    • Historisierung des Diskurses zu Öffentlichkeit(en)
    • Theoretische Konzepte von Öffentlichkeit(en)
    • Gegenöffentlichkeit und Alternative Medien

    Die Tagung wird eine Plattform für den interdisziplinären Austausch bieten und die Möglichkeit eröffnen, neue Forschungsansätze zu diskutieren. Forscher:innen aus verschiedenen Disziplinen sind eingeladen, ihre Arbeiten bis zum 30. Juni 2026 einzureichen. Abstracts (max. 300 Wörter) können an susanne.hennings@dra.de gesendet werden. Die Tagung findet am 1. und 2. Oktober im MDR-Funkhaus in Erfurt statt.

    Aktuelle Infos zur Tagung auf www.rundfunkundgeschichte.de

    Neuer Vorstand des Studienkreises gewählt

    Die ordentliche Mitgliederversammlung wählte in Mainz am 23. September 2025 den neuen Vorstand des Studienkreises. Der Vorstand bleibt unverändert. Als Vorsitzender wurde Dr. Kai Knörr (Potsdam) wiedergewählt, als Stellvertreter fungieren Prof. Dr. Golo Föllmer (Halle) und Dr. Yulia Yurtaeva-Martens (Potsdam). Schatzmeister bleibt Dr. Veit Scheller (ZDF Mainz), als Schriftführer wurde Dr. Uwe Breitenborn (Berlin) bestätigt. Dem neu gewählten Vorstand gehören als Beisitzer weiterhin Dr. Christoph Rosenthal (Berlin), PD Dr. Gerlinde Frey-Vor (MDR Leipzig) und Dr. Christoph Classen (ZZF Potsdam) sowie als Vertreterin des DRA Susanne Hennings an. Als Kassenprüfer wurden Dr. Heiner Schmitt (Ingelheim) sowie neu Prof. Dr. Edgar Lersch gewonnen. Die kooptierten Mitglieder des Vorstandes werden zu einem späteren Zeitpunkt benannt.

    Tagungsbericht: Vom Leitmedium zum Medium light? Fernsehen und Politik in historischer Perspektive

    52. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit dem ZDF am 22. und 23. September 2025 in Mainz

    Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte war mit seiner Jahrestagung diesmal beim ZDF zu Gast. Das Thema „Fernsehen und Politik“ lag nicht nur angesichts des Ortes auf der Hand. Mit Blick darauf, dass der Studienkreis vor 40 Jahren – 1985 – zuletzt in Mainz tagte, verwies die Leiterin des ZDF-Archivs Beate Scherer in ihrer Begrüßung auf den Public Value des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Für ihre Abteilung bedeutet das konkret: Das ZDF-Archiv beantwortet jährlich rund 300 Anfragen. Gut, mit diesem aktuellen Thema wieder hier präsent zu sein. Auch der Vorsitzende des Studienkreises, Kai Knörr, betonte den Wert echter Begegnungen. Das Zusammensein vor Ort sei ein nicht zu unterschätzender Gewinn.

    Rundfunk als Bollwerk der Demokratie

    Den Auftakt bildete die Keynote von Steffen Grimberg (Katholische Nachrichtenagentur). Er stellte die Frage: „Warum braucht eine wehrhafte Demokratie einen wehrhaften Rundfunk?“ Kann sich der Öffentlich-rechtliche Rundfunk gegen seine Feinde wehren? Seine Antwort: Ja – er muss es sogar. Die Verteidigung des ÖRR sei staatskonstituierend, betonte Grimberg. Der „Beitragspopulismus der Politik“ habe das Feld mittlerweile vermint, hausgemachte wie globale Entwicklungen setzten Journalismus und Medien massiv unter Druck. Sie folgen, so Grimberg, Viktor Orbans Playbook: Verleumde die Medien, überziehe sie mit Klagen, unterlaufe die Spielregeln. Manipuliere. Die hysterischen Debatten um Elmar Theveßen und Dunja Hayali sind aktuelle Beispiele hierfür. Doch Defensive sei die falsche Antwort. Der ÖRR solle offensiv auf seine Marktstärke und seinen Public Value hinweisen. Beispiele von Verständniszuwachs entstünden dort, wo Medienarbeit transparent gemacht werde. Ob allerdings rein voluntaristische Lösungen greifen, sei fraglich – so eine Stimme aus dem Publikum.

    Das Fernsehen als Ort des Politischen

    Alexander Moutchnik (Hochschule RheinMain, Wiesbaden) widmete sich dem Politikmagazin Was nun? Besonders war bei diesem Part die Anwesenheit des ehemaligen ZDF-Chefredakteurs Klaus Bresser, der das Format 1985 auf den Weg brachte. Was nun? zählt bis heute zu den wichtigsten Politiksendungen im deutschen Fernsehen. Grund genug für die amtierende Chefredakteurin Bettina Schausten, als „Überraschungsgast“ vorbeizuschauen und einige Worte an Klaus Bresser und die Tagungsgäste zu richten. Moutchnik präsentierte die Programmgeschichte des Formats als eine Art Seismograf für Politik- und Mediengeschichte der Bundesrepublik. Unterhaltsam waren die empirischen Befunde, die bild- und zahlenreich dargeboten wurden: 75 Sendungen, 8033 Minuten Livefernsehen, 346 Gäste – mehrheitlich Männer – darunter 61 Überraschungsgäste, zumeist Frauen. Die Top-3-Liste der Gäste führt Angela Merkel (19x) an, gefolgt von Gerhard Schröder (17x) und Joschka Fischer (14x).

    Anschließend sprach Steffen Grütjen (Katholische Universität Eichstädt-Ingolstadt) über die medienjournalistische Berichterstattung in Formaten wie betrifft: Fernsehen (ZDF) und Medienreport (NDR). Gemeinsam mit Hans-Ulrich Wagner (Hans-Bredow-Institut Hamburg) forscht er zu Veränderungen in diesem Segment.

    Marie Sophie Beckmann (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) überraschte mit einem Beitrag über audiovisuelle Protestkulturen, wie sie sich beispielsweise in der australischen Youtube-Compilation „A message to the mainstream media“ zeigt, die auf einer Kampagne des rechten Spiritus Rektor Fanos Panayides fußt. Mainstream Media: You are the virus! – so lautet ein Slogan in diesem wilden Clipmix, der vor allem die wütende Zerstörung von Bildschirmen zeigt (inkl. aufgebrachter Kommentierung). Diese Pandemie-Videos sind geprägt von Paranoia, Hyperpersuasion und affektgesteuerte Irrationalität, so Beckmann. Sie erinnerte an Noam Chomskys einflussreichen Essay „What makes Mainstream Media Mainstream?“ (1997). Die heutige Entwicklung sei Ausdruck von Fragmentierung, Multiplizierung und Konvergenz des Fernsehens mit digitalen Medien – paradoxerweise zugleich Beleg für seine fortbestehende Relevanz als kultureller Verhandlungsort.

    Den Abschluss des Tages bildete der Beitrag von Udo Michael Krüger (Institut für Empirische Medienforschung, Köln). In einer Zeitreise blickte er 40 Jahre zurück auf entscheidende Jahre der Programmforschung. In der Zeit der Einführung des Dualen Systems dominierten letztlich Fragen der Marktaufteilung. Wer bekommt die Werbung, wer bekommt die Gebühren? Dies spiegelte sich deutlich im Programmgeschehen wider. Möglich war dies durch neue Ansätze in der Programmforschung: „Wir zerlegten das Programm nach Sendungen, jede Sendung nach Beiträgen, Beiträge nach Akteuren und Themen.“ Im anschließenden Gespräch mit Gerlinde Frey-Vor (MDR) wurde der Wert dieser systematischen Methodik hervorgehoben.

    Politik in Unterhaltung und Geschichtsformaten

    Der zweite Tagungstag widmete sich in einem ersten Panel der Politik in Unterhaltungs- und Geschichtsformaten. Den Anfang machte Christoph Classen vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam. Ihn interessierte der professionelle Lokalpolitikbetrieb als Sujet in Fernsehserien der frühen 1970er Jahre. Zwei Vorabendserien stehen dafür exemplarisch: 6 unter Millionen (13 Folgen, ZDF 1973) und Gemeinderätin Schumann (13 Folgen, ARD/HR 1974). Beide Serien durchwehte ein sozialliberaler Zeitgeist mit emanzipatorischer Botschaft. Die Sichtbarkeit einer Frau im männerdominierten Politikbetrieb oder jugendlicher Idealismus, der am Establishment scheitert – beide Serien standen für Fortschrittsoptimismus, Pragmatismus und Kompromissfähigkeit und repräsentierten neue Zugänge zur Darstellung des politischen Betriebs.

    Sandra Nuy von der Universität Siegen veranschaulichte anhand einzelner Episoden der ZDF-Reihe Das Traumschiff, wie politische Diskurse inszenatorisch aufgegriffen werden. Seit November 1981 wurden bisher 105 Episoden der Reihe ausgestrahlt. Punktuell werden „tabuisierte“ Themen aufgegriffen, wie zum Beispiel in der Folge Ägypten: Die Dame Esmeralda (1993). Hier wurde offensiv das Thema Queerness verhandelt, obwohl die Abschaffung des Schwulenparagrafs §175 erst ein Jahr später erfolgte. Anhand solcher Beispiele lässt sich zeigen, wie der Raum des Sag- und Machbaren auch durch TV-Formate erweitert wird. Neuartige Anerkennungsverhältnisse, veränderte Macht- und Herrschaftsbeziehungen werden hier verhandelt.

    Monika Weiß von der Philipps-Universität Marburg widmete sich Frauenfiguren in fiktionalen Geschichtsproduktionen des ÖRR. Mit Bezug auf Judith Butler, die Malisa-Studie und andere Quellen untersuchte sie zwei Produktionen, um zu zeigen, wie weiblicher Heroismus in historischen Bezügen konstruiert wird. Dies lies sich zum Beispiel anhand der Krankenschwester Anna Mauth in dem ZDF-Zweiteiler Dresden (2006) zeigen. Noch prägnanter zeigt sich dies in der Reihe Ku’damm 56 bis Ku’damm 63, in der ein weiblicher Cast dominiert. Die Frauen der Familie Schöllack agieren zwischen Selbstbestimmung und Tradition in den patriachalen Strukturen der Wirtschaftswunderjahre, was konfliktreich ist. Die „selbstgezogene Agency“ dieser Frauen bricht damit auch den männlich dominierten Blick auf Geschichte auf.

    Tim Tolsdorff von der HAW Hamburg wartete mit einer spannenden Geschichte über die „drei Leben“ des STERN-Journalisten Michael Mansfeld auf: als Investigativ-Pionier, Autor und BND-Agent. Sein Name ist unter anderem verbunden mit den Eichberg-Reportagen (1950) und andere Recherchen über Naziverstrickungen westdeutscher Eliten. Als Drehbuchautor war er an dem Bernhard-Wicki-Film „Die Brücke“ beteiligt und produzierte darüber hinaus dokumentarische und fiktionale Produktionen im ÖRR. Er war aber auch als Informant (Deckname „Frauendorfer“) des BND tätig und zum Beispiel unrühmlich in die Causa Reinhard-M. Strecker verstrickt. Mansfeld Karriere weist daher gravierende Widersprüche auf. Tim Tolsdoff beleuchtet hier ein bisher wenig bekanntes Kapitel bundesdeutscher Politik- und Mediengeschichte.

    Über Loriot ist eigentlich schon alles gesagt – könnte man meinen. Überraschend war daher der Beitrag von Antonia Kunze von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Sie analysierte medienreflexive Repräsentationen des Fernsehens und Politikpersiflagen in den Fernsehwerken Loriots. Daraus entspann sich in der anschließenden Diskussion unter anderem auch eine interessante Diskussion, inwieweit die Art und Weise von Mansfeld und Loriot vergleichbar sind, denn beide verarbeiten mit ihren Werken auch persönliche Traumatisierungen aus der NS-Zeit. Vergleichbar ist es aber eigentlich nicht. Während Loriot darauf mit Humor reagiere, sind Mansfelds Arbeiten eher von Furor geprägt. 

    Blick nach Osten

    Im letzten Panel der Tagung richtete sich der Blick gen Osten. Will man gegenwärtige Nutzungsmuster verstehen, hilft der Blick auf vergangene (Medien-)Erfahrungen. So rief Nikolai Okunew vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam die Rechtsextremismus-Berichterstattung bei MDR und ORB in den 1990er Jahren in Erinnerung. Entgegen der verbreiteten Annahme sei sehr detailliert berichtet worden. Die Baseballschlägerjahre sind im ÖRR also gut dokumentiert. Problematisch war jedoch der Duktus: Rechtsextremismus wurde entpolitisiert, als Jugendkultur oder Ordnungsstörung gefasst, zivilgesellschaftliches Engagement blieb oft außen vor. Erst allmählich vollzog sich hier ein Wandel. 

    Gerlinde Frey-Vor vom MDR fragte in ihrem Beitrag schließlich, ob Ost- und Westdeutsche anders fernsehen. Ausgangspunkt waren Rezeptionsstudien der 1990er- und frühen 2000er-Jahre. 1991 erschien die erste gesamtdeutsche Massenkommunkationsstudie. 1994/95 folgte dann die erste Spezialstudie (Oststudie), beauftragt von der ARD/ZDF-Medienkommission, die nach Gründen für die abweichende Mediennutzung in Ost und West suchte. Auch andere Studien offenbarten ein von der westdeutschen Normalität abweichendes Informationsverhalten in Ostdeutschland, das unter anderem auch auf einer unkomplizierten Haltung zum Dualen System fußte. Das Thema ist so umfassend, das sich hieraus ein eigenes Tagungsthema generieren ließe. 

    Fazit: Public Value im Stresstest. Fernsehen in der Transformation

    Was bleibt von der Tagung? Medienmacher stehen unter großem Druck, sich in dem erregten politischen Diskurs zu behaupten. Das an sich ist nicht neu. So warnte beispielsweise 1979 der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt eindringlich vor dem Privatfernsehen, das die „Strukturen der demokratischen Gesellschaft“ gefährden könne. Schmidts Prognose mag rückblickend zu düster gewesen sein, doch zugleich wirkt sie angesichts der aktuellen Herausforderungen für die Demokratie im digitalen Zeitalter hoch aktuell. Der Studienkreis nahm dies zum Anlass, um die Rolle des Fernsehens als politischen Akteur und Projektionsfläche politischer Aushandlungen zu untersuchen: vom Aufstieg zum Leitmedium bis zur digitalen Transformation. Im Fokus standen medienpolitische Strukturen, politische Inhalte und gesellschaftliche Aneignung – damals wie heute. Dem ZDF sei nochmal herzlich gedankt, den spannenden Debatten der Tagung einen anregenden Raum gegeben zu haben.

    Dr. Uwe Breitenborn

    Neuer Vorstand des Studienkreises gewählt
    Die ordentliche Mitgliederversammlung wählte in Mainz am 23. September 2025 den neuen Vorstand des Studienkreises. Der Vorstand bleibt unverändert. Als Vorsitzender wurde Dr. Kai Knörr (Potsdam) wiedergewählt, als Stellvertreter fungieren Prof. Dr. Golo Föllmer (Halle) und Dr. Yulia Yurtaeva-Martens (Potsdam). Schatzmeister bleibt Dr. Veit Scheller (ZDF Mainz), als Schriftführer wurde Dr. Uwe Breitenborn (Berlin) bestätigt. Dem neu gewählten Vorstand gehören als Beisitzer weiterhin Dr. Christoph Rosenthal (Berlin), PD Dr. Gerlinde Frey-Vor (MDR Leipzig) und Dr. Christoph Classen (ZZF Potsdam) sowie als Vertreterin des DRA Susanne Hennings an. Als Kassenprüfer wurden Dr. Heiner Schmitt (Ingelheim) sowie neu Prof. Dr. Edgar Lersch gewonnen. Die kooptierten Mitglieder des Vorstandes werden zu einem späteren Zeitpunkt benannt.

    Fotos: Studienkreis RuG/Föllmer/Breitenborn/Kuhr

    Vom Leitmedium zum Medium light? Fernsehen und Politik in historischer Perspektive – PROGRAMM zur 52. Jahrestagung

    "Drei Tage vor der Wahl" - Diskussionsrunde vor der Bundestagswahl, 3.3.1983 mit Hans Dietrich Genscher (FDP), Franz Josef Strauß (CSU), Helmut Kohl (CDU), Hans-Jochen Vogel (SPD), Friedrich Nowottny (ARD). Screenshot
    „Drei Tage vor der Wahl“ – Diskussionsrunde vor der Bundestagswahl, 3.3.1983 mit Hans Dietrich Genscher (FDP), Franz Josef Strauß (CSU), Helmut Kohl (CDU), Hans-Jochen Vogel (SPD), Friedrich Nowottny (ARD). Screenshot
    52. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit dem ZDF

    22. + 23. September 2025 in Mainz, Anmeldung bitte per Mail

    Ort: ZDF Zweites Deutsches Fernsehen, Konferenzzone (Kasinogebäude), ZDF-Straße 1, 55127 Mainz

    Im Jahr 1979 warnte der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt vor dem Privatfernsehen, das die „Strukturen der demokratischen Gesellschaft“ gefährden könne. Schmidts Prognose mag rückblickend übertrieben wirken, doch zugleich wirkt sie angesichts der aktuellen Herausforderungen für die Demokratie im digitalen Zeitalter hoch aktuell. Wir nehmen dies zum Anlass, um die Rolle des Fernsehens als politischen Akteur und Projektionsfläche politischer Aushandlungen zu untersuchen: vom Aufstieg zum Leitmedium bis zur digitalen Transformation. Im Fokus stehen medienpolitische Strukturen, politische Inhalte und gesellschaftliche Aneignung – damals wie heute.

    PROGRAMM

      Montag 22. September 2025
    12:00 Check-in am RuG-Tagungscounter
    13:00 Begrüßung durch Karin Brieden (Verwaltungsdirektorin und stellv. Intendantin des ZDF) und Kai Knörr (Vorsitzender des Studienkreises Rundfunk und Geschichte)
    13:15 Keynote
    Leiden am Leitmedium? Warum wehrhafte Demokratie einen wehrhaften Rundfunk braucht
    Steffen Grimberg
    (Leiter KNA-Mediendienst, Katholische Nachrichten-Agentur, Bonn/Berlin)
    14:00 Kaffeepause
    14:30 Panel 1 Das Fernsehen als Ort des Politischen
    Moderation: Veit Scheller  
    Alexander Moutchnik (Hochschule RheinMain, Wiesbaden): Was nun, Politikjournalismus? Zwischen Schlagabtausch und Gesprächskultur: 40 Jahre Was nun, …? im ZDF (1985-2025)
    Steffen Grütjen (Katholische Universität Eichstädt-Ingolstadt), Hans-Ulrich Wagner (Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut, Hamburg): Die medienjournalistische Berichterstattung von betrifft: Fernsehen (ZDF) und Medienreport (NDR): Medienpolitik in historischer Perspektive am Beispiel der Einführung des dualen Rundfunksystems
    Marie Sophie Beckmann
    (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg): Bildfläche als Protestfläche: Der Fernsehbildschirm als Ort politischer Auseinandersetzung
    16:00 Kaffeepause
    16:30 Panel 2 Programmanalyse
    Udo Michael Krüger
    (IFEM – Institut für Empirische Medienforschung, Köln): 40 Jahre Programmanalyse. Vortrag und Gespräch mit Gerlinde Frey-Vor (MDR, Leipzig)
    17:30 Kaffeepause
    18:00 Kamingespräch
    Maria von Welser im Gespräch mit Yulia Yurtaeva-Martens und Christoph Classen
    20:00 Gemeinsames Abendessen (Selbstzahler)
       
      Dienstag 23. September 2025
    09:00 Panel 3 Politik in Unterhaltungs- und Geschichtsformaten
    Moderation: Yulia Yurtaeva-Martens  
    Christoph Classen (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam): Seiteneinsteiger. Lokalpolitik in Fernsehserien der frühen 1970er Jahre  
    Sandra Nuy (Universität Siegen): Das Politische im Unpolitischen. Anmerkungen zur ZDF-Reihe Das Traumschiff  
    Monika Weiß (Philipps-Universität Marburg):
    Frauenbild(er): Fiktion und Geschichte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
    10:30 Kaffeepause
    11:00 Panel 4 Fernsehautoren in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit
    Moderation: Kai Knörr  
    Tim Tolsdorff (HAW Hamburg): Michael Mansfeld: Autor und Agent. Ein Meister des Dokumentarspiels zwischen Idealismus und politischer Instrumentalisierung  
    Antonia Kunze (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg): Das Medium erliegt „gelegentlich dem Charme der Politik“. Medienreflexive Repräsentationen des Fernsehens und Politikpersiflagen in den Fernsehwerken Loriots
    12:00 Kaffeepause
    12:15 Panel 5: Politik im ostdeutschen Fernsehen in den 1990er Jahren
    Moderation: Uwe Breitenborn  
    Nikolai Okunew (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam): Politikfern: Die Rechtsextremismus-Berichterstattung bei MDR und ORB in den 1990er Jahren  
    Gerlinde Frey-Vor (MDR, Leipzig): Sehen Ost- und Westdeutsche anders fern? Rezeptionsmuster von Fernsehen in den 1990er und frühen 2000er Jahren  
    Schlussdiskussion
    13:30 Mittagspause
    14:00 Mitgliederversammlung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte e.V.

    Tagungsgebühr: 50 €

    Mitglieder des Studienkreises: 30 €

    Studierende: 15 € 

    Bitte überweisen Sie bis zum 18.09.25:
    Studienkreis Rundfunk und Geschichte
    IBAN: DE20 5005 0201 0000 3920 49
    BIC: HELADEF1822 Frankfurter Sparkasse

    Medienhistorisches Forum für Forschungsnachwuchs und Absolvent:innen am 12./13. November 2025 in Lutherstadt Wittenberg – Call for Participation

    Studienkreis Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft DGPuK und [na]KOGE

    Call for Participation – Einreichungsfrist: 1. September 2025

    Das Medienhistorische Forum des Studienkreises Rundfunk und Geschichte ist eine Plattform für Absolvent:innen und Forschungsnachwuchs mit Bezug zu Kommunikation und Medien in historischer Perspektive. Doktorand:innen, Habilitant:innen und Masterstudierende in ihrer Abschlussphase erhalten die Möglichkeit, ihre Forschungsthemen vorzustellen und mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis über Probleme und Methoden kommunikations- und medienhistorischer Arbeiten zu diskutieren. Das Format hat sich seit 1973 bewährt und dient auch zur Vernetzung untereinander sowie mit Ansprechpersonen aus Rundfunkanstalten und Medienarchiven. Mittlerweile findet das Forum in Kooperation mit der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK sowie [na]KOGE statt.

    Nachwuchswissenschaftler:innen laden wir ein, sich mit ihren aktuellen Forschungsprojekten für eine Teilnahme zu bewerben. Eine Übernahme von Fahrt- und Übernachtungskosten der Referent:innen durch den Studienkreis kann angefragt werden. Die vorgestellten Projekte müssen und sollen keine abgeschlossenen Arbeiten abbilden. Konkrete Projektskizzen sollten aber dennoch vorhanden sein, so dass wir auf hohem Niveau über die Themen, Gegenstände, Quellen, Methoden oder theoretischen Ansätze der Vorhaben diskutieren können. Einreichungen in englischer Sprache sind möglich. Einreichungen aus Kommunikations- und Medien- und Geschichtswissenschaften und anderen Disziplinen sind willkommen.

    Einreichungen können zum Beispiel die folgenden Themen behandeln:

    • Geschichte und Entwicklung von Hörfunk, Fernsehen, Publizistik und Journalismus, Fotografie, Online-, Musikmedien oder anderen Einzelmedien und Gattungen
    • Geschichte der Kommunikations- und Medienpolitik
    • Mediatisierung und Medialisierung von Gesellschaft und ges. Teilbereichen
    • Medienöffentliche Diskurse und Medienöffentlichkeiten im  Wandel
    • Vergangene, tradierte und neue Praktiken der Medienproduktion und -rezeption
    • Geschichte der Kommunikations- und Medienforschung
    • Forschung zur Technikgeschichte und Materialität der Medien
    • Einzelanalysen und Fallstudien zu Formaten, Sendungen, Personen
    • Innovative Ansätze der Methoden- und Theoriebildung von Kommunikationsgeschichte und Medienkulturwissenschaft
    • Erinnerungskultur und Medien

    Einreichung und Begutachtung

    Die Auswahl der Vorträge findet in einem anonymisierten Begutachtungsverfahren durch die Veranstalter:innen statt. Zur Bewerbung reichen Sie bitte ein Exposé ein, das die Grundlinien des geplanten Vorhabens und Vortrages umreißt und ungefähr zwei Seiten Text (max. 6.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, plus Literaturangaben) umfassen soll. Geben Sie in Ihrem Exposé im Sinne der Anonymität des Verfahrens bitte keine Angaben zu Ihrer Person an, sondern reichen Sie ein zusätzliches Deckblatt mit Ihren Kontaktdaten und dem Titel des Vorhabens als einzelne Datei ein.

    Senden Sie Ihr Exposé und das Deckblatt bis zum 1. September 2025 an christoph.rosenthal@fu-berlin.de

    Veranstalter:innen und Ansprechpartner:innen für Rückfragen

    • Studienkreis Rundfunk und Geschichte

    Dr. Christoph Rosenthal  (christoph.rosenthal@fu-berlin.de)

    ·  Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK

    Dr. Erik Koenen (ekoenen@uni-bremen.de)

    Jun.-Prof. Dr. Niklas Venema (venema@uni-leipzig.de)

    ·       [na]KOGE

    Annika Keute (annika.keute@plus.ac.at)

    Jo Marie Dominiak (j.dominiak@uni-muenster.de)

    Vom Leitmedium zum Medium light? Call for Papers zur 52. Jahrestagung am 22.+23. September 2025 in Mainz – Call verlängert bis Ende Juni!

    Fernsehen und Politik in historischer Perspektive

    52. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte, 22./23. September 2025 beim Zweiten Deutschen Fernsehen in Mainz

    Privatrechtlich organisiertes Fernsehen sei, so Bundeskanzler Helmut Schmidt 1979 in einer Kabinettssitzung, „gefährlicher“ als die Kernenergie, da es die „Strukturen der demokratischen Gesellschaft verändern“ könne. Im Jahr der Bundestagswahl 2025 wirkt diese Diagnose antiquiert und aktuell zugleich. Einerseits scheint der alarmistische Ton unangemessen angesichts einer Medienöffentlichkeit im digitalen Zeitalter, in der die Existenz von einigen privat-rechtlichen Fernsehprogrammen beinahe nostalgisch anmutet. Anderseits kann sie aber durchaus auch als Beginn einer Entwicklung begriffen werden, die sehr wohl „Strukturen der demokratischen Gesellschaft“ angegriffen hat. Denn seitdem ist die gesellschaftsintegrierende Wirkung klassischer, non-profit-orientierter TV-Programme erodiert, und damit – folgt man Jürgen Habermas – auch die Grundlage liberaler Demokratien, für deren Meinungs- und Entscheidungsbildung es eines Diskurszusammenhangs auf der Grundlage gemeinsamer Begriffe bedarf. Eine linke Perspektive kritisierte seinerzeit dagegen diese Medienstruktur, da sie von einer herrschenden Klasse hegemonial missbraucht würde, u.a. indem sie Gegenöffentlichkeit strukturell ausschließen würde.

    Die Tagung zielt auf die These vom Strukturwandel der Öffentlichkeit durch das Fernsehen. Welche Bedeutung hatte das Aufkommen des Mediums und sein rascher Aufstieg zum Leitmedium nach dem II. Weltkrieg in demokratischen und autoritären politischen Systemen für den Wandel von Politik? Wie wirkten sich strukturelle Veränderungen, z.B. neue technische Verbreitungswege und die damit in vielen Ländern verbundene Liberalisierung bzw. Vermarktlichung der Rundfunkordnung in Westeuropa aus? Welche Bedeutung hatten transnationale Effekte des Fernsehens auf die jeweiligen politischen Systeme und Kulturen? Und welche Folgen hatte das sich verändernde Medienensemble seit dem Aufkommen digitaler Umgebungen in den 1990er Jahren für Politikdarstellungen im TV? Was bedeutete dies etwa für die Glaubwürdigkeit und den gesellschaftlichen Vertretungsanspruch der politischen Angebote?

    Die Tagung möchte das Fernsehen in seiner doppelten Rolle als politischer Akteur und als Objekt von Politik in den Blick nehmen. Sie adressiert daher erstens eine organisatorische Ebene, die medienpolitische sowie -rechtliche Prozesse und Entscheidungen, Akteursbeziehungen und dergleichen umfasst. Welche Wechselwirkungen zwischen der politischen und der medialen Sphäre lassen sich in medialen Strukturen erkennen? Zweitens geht es um politische Inhalte: Welche Bilder von Politik werden im Medium gezeichnet? In welchen Formaten wurden politische Fragen verhandelt, und wie haben sich diese im Laufe der Zeit verändert? Dies kann neben den bekannten Nachrichten- und Gesprächsformaten auch fiktionale und Unterhaltungssendungen miteinschließen, die ebenfalls politische Vorstellungen, Werte und Identitätsangebote transportiert haben. Schließlich wird drittens nach der Aneignung gefragt: Welche Reaktionen auf politische Sendungen gab es, und welche Vorstellungen von Medienwirkungen und -Realitäten wurden im Laufe der Zeit vertreten?

    Der Tagung liegt ein weiter Politikbegriff zugrunde, der sowohl die unterschiedlichen Dimensionen von Politik, also Inhalte (Policy), Prozesse (Politics) und Rahmenbedingungen (Polity) miteinschließt, als auch das weitere Feld der Politischen Kultur. Damit sind Darstellungen bzw. Aushandlungen von race, class und gender explizit Teil des hier skizzierten Feldes.

    Einreichungen mit Bezug zum Fernsehen und möglichst historischer Perspektive sind u. a. denkbar zu:

    • Medienpolitik
    • Politische Umbrüche
    • Integration/ Segregation von Öffentlichkeiten
    • Darstellungen von Politik
    • Entwicklung/Wandel politischer Formate
    • Politische Zensur und Diskussionen um „Ausgewogenheit“
    • Politik in Unterhaltungsformaten
    • Medialisierung von Politik
    • Politische Effekte/ Medienwirkungen
    • Glaubwürdigkeit/ Medienskepsis

    Deadline für die Einreichung: 30. Juni 2025

    Einreichungen bitte per Mail an Susanne Hennings (Deutsches Rundfunkarchiv): Susanne.Hennings@dra.de

    Eingereichte Abstracts sollten maximal 3.000 Zeichen umfassen (exklusive etwaiges Literatur- oder Quellenverzeichnis). Die Veranstalter*innen entscheiden über die Annahme in einem Review- Verfahren. Rückmeldungen sind im Juni 2025 zu erwarten. Die Vorträge können auf Deutsch und Englisch gehalten werden; Konferenzsprache ist Deutsch. Wir freuen uns auf Ihre Beteiligung

    Weitere Informationen auch unter

    https://rundfunkundgeschichte.de/jahrestagung2025/

    PROGRAMM zum Medienhistorischen Forum am 8./9. November 2024 in Lutherstadt Wittenberg

    Ort: Stiftung Leucorea, Collegienstraße 62, 06886 Lutherstadt Wittenberg

    Am 8./9. November 2025 findet in Lutherstadt Wittenberg eine Neuauflage des Medienhistorischen Forums für Forschungsnachwuchs und Absolvent:innen statt. Hierzu lädt der Studienkreis Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft DGPuK und [na]KOGE ein. 

    Sechs Referent:innen geben Einblick in ihre laufenden Forschungsvorhaben. Das thematische Spektrum reicht von politischer Kommunikation über Filmwissenschaft bis zur deutschen Pressegeschichte. Teil des Programms ist auch ein Workshop zum Fachinformationsdienst Kommunikations- und Medienwissenschaft. Das detaillierte Programm finden Sie anbei. Das Format des Forums besteht seit 1973 und dient auch zur Vernetzung untereinander sowie mit Ansprechpersonen aus Rundfunkanstalten und Medienarchiven. 
    Es gibt ein begrenztes Kontingent an Einzelzimmern direkt im Tagungszentrum Leucorea (40 Euro/Nacht). Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, melden Sie sich bitte bis zum 11. Oktober 2024 an bei christoph.rosenthal@fu-berlin.de.

    Freitag, 8. November 2024

    14:00 – 14:30 Uhr    Anmeldung der Teilnehmenden und Empfangskaffee

    14:30 – 14:45 Uhr    Begrüßung und Vorstellungsrunde

    14:45 – 15:30 Uhr    Lukas Wierschowski (Leipzig): Die Berichterstattung der bürgerlichen Presse über die Arbeiterbewegung

    15:30 – 16:15 Uhr    Hilke Hammer (Leipzig): Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands und die Meinungsfreiheit; 1917-1923

    16:15 – 16:45 Uhr    Kaffeepause

    16:45 – 17:30 Uhr    Tonio Nitsche (Münster): Filme zwischen Politik und Dokument – ästhetische Strategien des französischen Bewegungsfilms

    17:30 – 18:30 Uhr    Dr. Patricia F. Blume (Leipzig): Workshop zum Fachinformationsdienst Kommunikations- und Medienwissenschaft

    19:00 Uhr                 offener Abend im Brauhaus Wittenberg,
    Markt 7, 06886 Lutherstadt Wittenberg

    Samstag, 9. November 2024

    Ab 8:30 Uhr             Gemeinsames Frühstück im Tagungszentrum

    09:30 – 10:15 Uhr    Martin Rutsch (Berlin): Der Hugenberg-Konzern im Übergang zwischen Krieg und Republik

    10:15 – 11:00 Uhr    Anna Gonchar (München): Architektonischer Ausdruck der Weimarer Presse auf der Internationalen Presseausstellung 1928 in Köln

    11:00 – 11:45 Uhr    Christoph Hanzig (Dresden): Die sächsische NS-Presse und ihre
    Redakteure 1930-1945

    11:45 – 12:15 Uhr    Abschlussdiskussion

    12:15 Uhr                 Tagungsende

    Veranstalter:innen und Ansprechpartner:innen für Rückfragen

    Tagungsbericht: «Fernsehen» und Bildung – ein Missverständnis? Jahrestagung am 27. und 28. Juni 2024 in Marl

    Einmal im Leben den Grimme-Preis entgegenzunehmen ist wohl der Traum aller Fernsehschaffenden in Deutschland: Er gilt als Auszeichnung für höchste Qualität. Die Teilnehmenden der Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte reagierten entsprechend fasziniert, als sie selbst kurz die begehrte Trophäe in den Händen halten durften: Eine gelungene Überraschung der Grimme-Preis-Leiterin Lucia Eskes zum Abschluss der Konferenz am 27. und 28. Juni 2024 beim Grimme-Institut in Marl.

    Im Kamingespräch mit Kai Knörr und Uwe Breitenborn hatte sie bereits am Vorabend davon berichtet, wie komplex die Aufgabe der Grimme-Gremien ist, die Preiswürdigkeit der Produktionen festzustellen. Es werde eine hohe Perspektivenvielfalt aus professionellen Kritikern und Publikumssicht hergestellt, sei es durch die Einbindung der „Marler Gruppe“ oder auch von Studierenden der Universität zu Köln, denen das Konzept des linearen Fernsehens zunehmend fremd werde. Gesprächspartner Friedrich Küppersbusch ergänzte aus seiner Sicht, in welcher Form die Auszeichnungen auf die Branche Einfluss nehmen: Die unabhängigen Jury-Urteile dienten in Zeiten abgespeckter Medienfeuilletons zur Orientierung jenseits von Quoten- und Reichweitenanalysen, doch manchmal sei das Idealbild der Grimme-Gremien schwierig zu deuten. Er hielt ein Plädoyer für einen gewissen Grundkanon handwerklich und journalistisch gelungener Produktionen, der für Fernseh- und Mediatheken-Produktionen gleichermaßen gelte.  Besonders hochwertig produzierte Dokumentationen könnten ein großes Publikum finden und seien auch bei Streamingplattformen als repertoirefähig angesehen. Zudem gab es Gelegenheit, einiges über Friedrich Küpperbuschs Sicht auf seine eigene Mediengeschichte und -gegenwart (ZAK, probono, Küpperbusch TV u. a.) zu erfahren, die er mit der ihm eigenen Lässigkeit präsentierte.

    Die Keynote von Jan-Hinrik Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut bot eine direkte Antwort auf die provokante Frage des Tagungstitels: «Fernsehen» und Bildung – ein Missverständnis? Eine aktuelle Repräsentativbefragung im Auftrag des ZDF ergab: Das Verständnis, welche Kernelemente von Bildung wichtig sind, variiert in der Bevölkerung. Es lassen sich vier Anspruchsgruppen unterscheiden. Über alle Anspruchsgruppen hinweg ist die die Mehrheit der Bevölkerung (53 %) der Meinung, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk zur Bildung in Deutschland beiträgt. Auch formulierten die Nutzenden hohe Erwartungen an den Rundfunk: Dazu zählte die Vermittlung eines respektvollen Miteinanders, die Unterscheidung von verlässlichen und gefälschten Informationen, der Beitrag zur Demokratiebildung, sowie die Erinnerung an deutsche und europäische Geschichte.

    Wie sich Erwartungen und Qualitätsmaßstäbe im Lauf der Mediengeschichte ändern, war das durchgängige Thema des Panels „Grimme in der Medienlandschaft“. Thomas Tekster stellte vor, wie das Grimme-Institut seine Akten systematisch erschließt und Dokumente der Institution und seines Gründers Bert Donnepp für Forschung zugänglich macht. Felix Dümcke vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen zählt zu den Nutzenden und gab Einblicke in seine laufende Forschung zur „Entpädagogisierung des Adolf-Grimme-Preises 1964 bis 1970“: Bereits in den Anfangsjahren hätten entscheidende Weichenstellungen stattgefunden, den Akzent von Volkserziehung zu einem umfassenden Qualitätsbegriff auszuweiten. Tanja Weber, Universität zu Köln, knüpfte an diese historische Betrachtung an und verlängerte ihre These bis in die Gegenwart: „Das gute Fernsehen gibt es nicht.“ Illustriert am Statut des Grimme-Instituts führte sie aus, dass es die eine, allgemeinverbindliche Operationalisierung von Qualität nicht geben könne, sondern es sich vielmehr um einen relationalen, dynamischen, historischen und diskursiven Prozess handle.

    Den Auftakt zum Panel „Fernsehgeschichte unter der Lupe“ machten Sara Tazbir (RBB) und Christine Abt(SWR) mit der Vorstellung von ARD Retro: Im Rahmen einer groß angelegten Archivöffnung stünden mittlerweile über 20.000 Videos und 3.500 Audiodateien zum Abruf bereit, die Zeitgeschichte „im Kleinen“ erzählen. Im Zeichen des Public Value steht auch das anschließend vorgestellte Projekt „rufus“, das Patrizia Blume von der Universitätsbibliothek Leipzig präsentierte: Das Fernseh-Produktionsarchiv des ZDF wird über dieses Portal recherchierbar. Die fließenden Grenzen zwischen Information, Bildung und Unterhaltung in der Perspektive von Rezipierenden stellte Gerlinde Frey-Vor in das Zentrum ihres Vortrags auf Basis einer aktuellen Repräsentativbefragung sowie Ergebnissen der historischen Rezipientenforschung. Die Ergebnisse zeigten, dass bei der Nutzung von Bewegbild das Entspannungsbedürfnis und der Spaß als Motive sehr wichtig sind, gefolgt vom Wunsch nach aktueller und vertiefender Information. Stammpublikum öffentlich-rechtlicher Angebote stellte letztere zusammen mit Motiven der sozialen Einbindung mehr in den Vordergrund als andere Gruppen.

    Die Geschichte des Bildungsfernsehens wurde in einem eigenen Panel vertieft. Kai Nowak von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg widmete sich der Modernisierung der Verkehrserziehung in Westdeutschland 1965 bis 1985, an der Fernsehsendungen wie der „siebte Sinn“ aber auch Schulfernsehsendungen und Shows einen entscheidenden Beitrag hatten. Thomas Wilke, PH Ludwigsburg, stellte eine überraschende Bandbreite der Darstellung vom HipHop im deutschen Fernsehen vor – von erklärenden Formaten der 1980er-Jahre mit starkem Einfluss auf Jugendliche auf beiden Seiten der Mauer bis zu aktuellen und preisgekrönten Musik- und Bildungsangeboten. 

    Im Fokus des letzten Panels stand die Beziehung von Bildungsformaten und Medienkritik. Christoph Classen analysierte die große Popularität von Neil Postmans Bestsellern „Das Verschwinden der Kindheit“ und „Wir amüsieren uns zu Tode“ in der Bundesrepublik der 1980er Jahre, deren Popularität in Deutschland größer als in den USA gewesen sei. Er erklärte dies damit, dass Postmans Kulturkritik sowohl zu verbreiteten Ängsten vor den „Neuen Medien“ gepasst habe als auch ideengeschichtlich auf fruchtbaren Boden gefallen sei. Uwe Breitenborn, Medienwerkstatt Potsdam, sensibilisierte im Anschluss für das Bildungspotenzial von Streamingangeboten: Mit Blick auf die zahlreichen Bildungseffekte fiktionaler Serienhits wie „Das Damengambit“ erschien der Titel des Vortrags „Telekolleg Netflix?“ nicht abwegig. Yulia Yurtaeva-Martens, Filmuniversität Babelsberg, gab einen Überblick über Virtual-Reality- und KI-basierte Bildungsangebote zum Thema Holocaust und NS-Zeitzeugenschaft und diskutierte mit dem Publikum die damit verbundenen Potenziale und Herausforderungen.

    Die Qualität und Wandlung von Bildungsmedien sorgt für Gesprächsstoff über Fernsehformate hinaus, wie uns auch der Direktor des Grimme-Instituts Peter Wenzel erläuterte. Mit ihm freuten sich die Teilnehmenden, dass es gelungen ist, den Grimme-Online-Award 2024 zu retten. Eine Nachricht, die zu den Ergebnissen der Tagung ausgezeichnet passt.

    Tagungsbericht: Christoph Rosenthal
    Fotos: Rosenthal/Hennings/Breitenborn