News

›Happy Birthday, Auntie!‹ – 100 Jahre BBC und der europäische Rundfunk

Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte

Tagungsort: Universität Potsdam und Online, 25. + 26.11.2022

Marconi Type A Mikrofon (Quelle: BBC100)

Der ›Studienkreis Rundfunk und Geschichte‹ ruft zum 100jährigen Bestehen der British Broadcasting Corporation zu einer Tagung auf, die die Bedeutung der BBC im europäischen Kontext untersucht.

Wir suchen Beiträge, die beleuchten, welche Rolle die erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Welt, vom Publikum einst liebevoll ›Auntie‹ genannt, für die Entwicklung des Public Service-Gedankens, für medienstrukturelle Weichenstellungen sowie für Vielfalt und Offenheit elektronischer Medienangebote in Großbritannien und in anderen Ländern spielte und bis heute spielt.

Die stolze Tradition der BBC seit 1922 bedeutet auch eine gesunde Beharrlichkeit gegenüber Volten des politischen Kräftespiels. Und doch scheint die BBC heute existenziell bedroht zu sein. Im Umfeld digitaler Medienwelten wird—nicht nur in Großbritannien—das ›Rundfunk‹-Modell immer öfter als veraltet beurteilt und sieht sich mit vielfältigen medialen, infrastrukturellen und kulturpolitischen Herausforderungen konfrontiert.

In unserer Tagung blicken wir aus der Außenperspektive auf die Geschichte und Bedeutung der BBC, die nicht allein die nüchternen Fakten, sondern auch jenes szenische und anekdotische Material beinhalten soll, aus dem der ›Mythos BBC‹ entstanden ist.

Folgende Themengebiete stehen im Fokus:

  • Inwiefern prägte ›Public Service Broadcasting Made in Great Britain‹ journalistische, kulturelle und medienpolitische Standards in Europa, und inwiefern gingen Konzepte anderer Länder in das britische Modell ein?
  • Wie bezogen Rundfunkanstalten anderer Länder Stellung auf die durch die BBC begründete Tradition des ›Public Service‹?
  • Inwiefern gleichen und unterscheiden sich die wechselvollen Rollen der BBC als (medien-)politisches Vorbild und Feindbild in kulturellen und politischen Debatten von Rollenbildern der Rundfunkanstalten anderer Länder?
  • Welche Spannungsfelder gab es im Verhältnis Politik und BBC? Gibt es Unterschiede zu anderen Ländern?
  • Welche Rolle hatte die BBC in medialen Umbruchsituationen, etwa in der Auseinandersetzung mit Offshore-Sendern wie ›Radio Northsea International‹ und der folgenden Einrichtung von Pop-Wellen in ganz Europa?
  • Wie reagierte die BBC und Rundfunkeinrichtungen anderer Länder auf die Öffnung der Rundfunklandschaft für kommerziellen Rundfunk und nichtkommerzielle ›Gegenöffentlichkeiten‹?
  • Welche Strahlkraft besaß und besitzt der Auftrag, „Information, Bildung, Unterhaltung“ für alle gleichermaßen zugänglich zu machen, international?
  • Wie läuft der britische ›Charter Renewal Process‹ ab. Lässt er sich mit medienpolitischen Prozessen in Deutschland, z.B. die Novellierungen des bundesdeutschen ›Medienstaatsvertrags, oder ähnlichen Prozessen in anderen Ländern vergleichen?‹
  • Welche Rolle spielten und spielen Auslandssender wie der ›BBC World Service‹ oder die ›Deutsche Welle‹ in der Ausübung des Public Service-Gedankens, aber auch im Kontext kolonialer und postkolonialer Bestrebungen und der Vorstellung europäischer Superiorität?
  • Wie wurde die Geschichte und der Mythos BBC in deutschen Medien verarbeitet?

Wir freuen uns auf Beiträge zu diesen und weiteren Themen im skizzierten Feld.

Beiträge können in deutscher und englischer Sprache eingereicht und vorgetragen werden.

Einreichungen senden Sie bitte bis zum 30.9.2022 an
Veit Scheller <Scheller.V@zdf.de>

Call for Papers: Medienhistorisches Forum am 11. und 12. November 2022

  • Medienhistorisches Forum für Nachwuchswissenschaftler*innen
  • Termin: 11. und 12. November 2022, online
  • Einreichungsfrist: 15. September 2022

Das Medienhistorische Forum des Studienkreises Rundfunk und Geschichte existiert seit 1973 und versteht sich als Plattform, um Nachwuchswissenschaftler*innen mit Forscher*innen verschiedener Disziplinen und insbesondere mit Vertreter*innen aus der Kommunikations- und Mediengeschichte, Rundfunkanstalten und Medienarchiven zu vernetzen. In freundlicher und produktiver Atmosphäre werden Themen der Medien- und Kommunikationsgeschichte aus der gesamten Breite des Forschungsfeldes diskutiert. Nachwuchswissenschaftler*innen laden wir ein, sich mit ihren aktuellen Forschungsprojekten zu bewerben.

Beispielhafte Themenfelder sind:

  • Geschichte und Entwicklung von Hörfunk, Fernsehen, Publizistik und Journalistik, Fotografie, Onlinemedien, Musikmedien oder anderen Einzelmedien und Mediengattungen
  • Geschichte der Kommunikations- und Medienpolitik: Institutionen, Prozesse, Personen
  • Mediatisierung und Medialisierung von Gesellschaft und gesellschaftlichen Teilbereichen
  • Medienöffentliche Diskurse und Medienöffentlichkeiten im Wandel
  • Vergangene, tradierte und neue Praktiken der Medienproduktion und Medienrezeption
  • Geschichte der Rezeptionsforschung, Zuschauerforschung, Sozialforschung der Medienkommunikation
  • Forschung zur Technikgeschichte und Materialität der analogen und digitalen Medien
  • Einzelanalysen und Fallstudien zu Formaten, Sendungen, Personen
  • Innovative Ansätze der Methoden- und Theoriebildung von Kommunikationsgeschichte und Medienkulturwissenschaft (z.B. digitale Methoden, Nostalgie-Konzepte)
  • Erinnerungskultur und Medien

Die vorgestellten Papers müssen und sollen keine abgeschlossenen Projekte abbilden. Konkrete Projektskizzen sollten aber dennoch vorhanden sein, so dass wir auf hohem Niveau über die Themen, Gegenstände, Quellen, Methoden oder theoretischen Ansätze der Vorhaben diskutieren können. Einreichungen in englischer Sprache sind möglich. Das Forum richtet sich neben Promovierenden und Habilitierende auch an MA-Absolvent*innen, die bspw. auf Grundlage ihrer Abschlussarbeit ein Dissertationsthema entwickeln wollen.

Einreichung und Review-Verfahren

Zur Bewerbung reichen Sie bitte ein Exposé ein, das die Grundlinien des geplanten Vorhabens und Vortrages umreißt und ungefähr zwei Seiten Text (max. 6.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, plus Literaturangaben) umfassen soll.

Geben Sie in Ihrem Exposé bitte keine Angaben zu Ihrer Person an, sondern reichen Sie ein zusätzliches Deckblatt mit Ihren Kontaktdaten und Titel als einzelne Datei ein. Senden Sie Ihr Exposé und das Deckblatt bis zum 15. September 2022 an Susanne Hennings (DRA), susanne.hennings@dra.de.

Die Auswahl der Vorträge findet in einem anonymisierten Review-Verfahren durch die Veranstalter*innen statt. Deshalb sollten alle Angaben zur Person nur auf dem Deckblatt des Exposés platziert sein und die Dateien frei von identifizierenden Metadaten.

Die Veranstaltung wird 2022 aufgrund der Pandemiesituation online stattfinden.

Ansprechpartner*innen für Rückfragen sind

Veranstalter*innen

Das Medienhistorische Forum wird veranstaltet vom Studienkreis Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK und dem Forum [na]KOGE: New Age der Kommunikationsgeschichte.

Logo Studienkreis Rundfunk und Geschichte

Studienkreis Rundfunk und Geschichte
Vorsitzende: Dr. Kai Knörr, Prof. Dr. Golo Föllmer

Logo DGPuK

Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK
Sprecher: Dr. Erik Koenen, Dr. Christian Schwarzenegger

Logo naKOGE

[na]KOGE: New Age Kommunikationsgeschichte
Sprecher*innen: Simon Sax, Annika Keute, Jo Marie Dominiak

Bericht vom Medienhistorischen Forum 2021

Das Medienhistorische Forum 2021 musste pandemiebedingt erneut als Videoschalte mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen stattfinden. Teilnehmer*innen und Veranstalter*innen von Studienkreis Rundfunk und Geschichte sowie der Fach- und Nachwuchsgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK können aber auf eine vielfältige und inspirierende Veranstaltung zurückblicken. Mit sechs Vorträgen kehrte das Medienhistorische Forum nach dem enormen Zulauf im ‚Coronajahr‘ 2020 erst einmal wieder auf das Normalmaß einer kleineren Konferenz zurück, was allerdings auch den Vorteil intensiverer Präsentationen und Gespräche über die Forschungsthemen und Konzepte mit sich brachte.

Screenshot des Medienhistorischen Forums vom 13.11.2021 in Zoom

Den ersten Impuls gab Maximilian Brockhaus, der seit 2021 am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien zum deutschsprachigen Schulfernsehen zwischen 1960 und 1990 forscht und sich hier insbesondere auch für den Einsatz des Fernsehens im Unterricht interessiert. Eingebettet ist sein Dissertationsprojekt in public history-Konzepte, die sich auf Methoden multimedialer Geschichtsvermittlung beziehen, aber auch die Rolle und den Einsatz von Massenmedien bei der Konstituierung nationaler Identität sowie als Instrument nationaler und europäischer Geschichts- und Bildungspolitik untersuchen. Brockhaus will die bildungs- und ordnungspolitischen Strategien Österreichs, der Bundesrepublik und der DDR über deren Schulfernsehen vergleichen. Das Projekt erscheint nicht allein aus medienhistorischer Perspektive interessant, erwartet werden auch neue Details über Gründungsmythen und zum Selbstverständnis der Nachkriegsstaaten und zu transnationaler Programmkoordinierung. Unterschiede der Nachkriegsstaaten im Umgang mit NS-Vergangenheit und Holocaust dürften sich schlaglichtartig zeigen (s. auch Dissertationsprojekte).

Am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg verfolgt Jannik Kretschmer das faszinierende Vorhaben, die Geschichte der Digitalisierung über Theorien zur Mode zu entschlüsseln, wie sie etwa von der Soziologin Elena Esposito vertreten werden. Nicht die blanke Technikgeschichte steht für Kretschmer im Vordergrund, sondern die Konjunkturen des Digitalisierungs-Begriffs im 20 und frühen 21. Jahrhundert. Die exponentielle Ausbreitung von Computern und den damit verbundenen Wandel begleiteten modische Zyklen, in denen vor allem gesellschaftliche Erwartungen, wie digitale Technologien das Leben verändern, thematisiert wurden. Dies konnte gelingen, indem die modischen Wellen mit wechselnden Digitalisierungs-Begriffen und -erzählungen zusammengebracht wurden, die man gerade für zugkräftig hielt. So konnte die Entwicklung mal mit Vernetzung, Kybernetik, Gemeinschaft, Transhumanismus oder Disruption verbunden werden, wobei sich die Konzepte nicht selten von Versprechungen in dystopische Vorstellungen verwandelten.

Malte Fischer berichtete über seine PhD Thesis, die er an der Radboud University Nijmegen vorbereitet und dies derzeit durch einen Forschungsaufenthalt am Lehrstuhl für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an der HU Berlin ergänzt. Sein Thema sind populäre Formen der Interaktion zwischen Bürger*innen und Politiker*innen im Rundfunk der 1950er bis 1980er Jahre. In Sendereihen wie „Wo uns der Schuh drückt“ (NWDR/SFB 1951-1969), Bürger fragen – Politiker antworten (ZDF, ab 1976), den berühmten RIAS-Schulklassengesprächen („Prominente zu Gast“, RIAS 1951-1991) oder „Jetzt red I“ vom Bayerischen Rundfunk (ab 1971) stellten die öffentlich-rechtlichen Sender eine Verbindung zwischen den politisch Verantwortlichen und „gewöhnlichen“ Bürger*innen her. Welche Effekte dabei den Institutionen zukam, was hier die Praxis des (Live-) Sendens bedeutete und welche Auswirkungen ein solches empowerment – lange vor der Verfügbarkeit Sozialer Medien – auf das demokratische Selbstverständnis in den westeuropäischen Nachkriegsgesellschaften hatte, sind für Malte Fischer von Interesse.

Den zweiten Konferenztag eröffnete Jo Marie Dominiak, die an der Universität Münster der interessanten Frage nachgeht, inwieweit die Musikrezeption im Laufe der vergangenen dreißig Jahre als Prozess individueller Aneignung zu verstehen ist: „Musikrezeption im Wandel – Medienaneignung und Mediennutzung im Zuge musikmedialer Mediatisierungsdynamiken“ wurden beleuchtet. Wobei Jo Marie Dominiak nicht außer Acht gelassen hat, dass die Aneignung historisch über den Besitz von technischen Gadgets wie dem Walkman oder Tonträgern wie Cassetten und CDs passierte, während heute die Suggestion scheinbar unbegrenzter Verfügbarkeit in digitalen Online-Datenbanken und algorithmische Verkoppelung den Musikgebrauch prägt. Inwieweit medientechnologische Übergangsphasen durch Veränderungen in Verhältnissen von Eigentum und Nutzung, Macht und Autonomie gekennzeichnet waren und sind, interessiert die Forscherin.

Einen Blick in seine Dissertation kurz vor deren Verteidigung gewährte Janosik Herder von der Universität Osnabrück. Die Arbeit vermittelt thematisch zwischen Kommunikationsgeschichte und Medientheorie, indem er mit dem Siegeszug der Telegrafie und damit codierter Kommunikation zugleich als Anfang einer digitalen Kultur identifiziert. Die moderne Idee von Kommunikation setzt für ihn bereits mit Etablierung der optischen Telegrafie Claude Chappes unter Napoleon ein, und damit in einem dezidiert modernen militär-administrativem Rahmen zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wie sich durch den Gebrauch der Telegrafie zugleich der Begriff der Kommunikation festigte und der Diskurs der Telegrafie die kybernetischen Kommunikationstheorien der 1940erJahre (Norbert Wiener, Claude Shannon/Warren Weaver) beeinflusste, wurde erörtert.

Sabine H. Thöle referierte zum Abschluss der Konferenz über ihr Promotionsprojekt am ZeMKI der Universität Bremen über die Journalistin Martha Maria Gehrke (1894-1985).  Vor allem über die Artikel der Weltbühne re- und dekonstruiert Sabine H. Thöle Gehrkes Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Im Fokus stehen Gehrkes Entwicklung geschlechtlich differenter Pseudonyme speziell in der Weltbühne, um darüber mit einem ganz bewussten Habitus Diskurse der Weimarer Republik, wie den §218, in ihrem Kommunikationsprozess auszuhandeln. In ihrem Vortrag konnte Sabine H. Thöle auch den bisherigen androzentrischen Forschungsblick auf die Weltbühne aufzeigen. In der Ausbildung ihrer Pseudonyme orientierte sich Gehrke performativ an den konstruierten bürgerlichen „Geschlechtercharaktere“ des 19. Jahrhunderts.

Programm

Freitag, 12. November 2021

14:30Anmeldung der Teilnehmenden
 
14:45Begrüßung und Vorstellungsrunde
 
15:00 – 15:50Janosik Herder (Uni Osnabrück)
Die optische Telegrafie und die Geburt der Kommunikation – Überlegungen zur Vorgeschichte der digitalen Gesellschaft
Moderation: Kai Knörr
 
15:50 – 16:40Jannik Kretschmer (Uni Salzburg)
Narrative der Digitalisierung – Historische Genese und modische Pluralisierung
Moderation: Christian Schwarzenegger
 
16:40Pause
 
17:00 – 17:50Malte Fischer (Uni Nijmegen / HU Berlin)
Democracy on Air? The Interaction between Citizens and Politicians in West German Public Broadcasting 1950s–1980s [Vortrag wurde in dt. Sprache gehalten]
Moderation: Christoph Classen
 
17:50Zwischenfazit, Abmoderation
 

Samstag, 13. November 2021

10:00Technik-Einrichtung im Zoom-Raum, kurze Begrüßung
 
10:10 – 11:00Jo Marie Dominiak (Universität Münster)
Musikrezeption im Wandel – Medienaneignung und Mediennutzung im Zuge musikmedialer Mediatisierungsdynamiken
Moderation: Alexander Badenoch
 
11:00 – 11:50Maximilian Brockhaus (Universität Wien)
Fernsehen im Unterricht – Das Schulfernsehen als Instrument nationaler und europäischer Geschichts- und Bildungspolitik
Moderation: Elisa Pollack
 
11:40Mittagspause
 
12:30 – 13:20Sabine H. Thöle (Universität Bremen)
Eine kommunikationsbiographische Studie – Weiblichkeits- und Männlichkeitskonstruktionen in Veröffentlichungen der Journalistin Martha Maria Gehrke (1894-1985)
Moderation: Erik Koenen
 
13:20Schlussrunde, Gruppen-Screenshot und Abfrage Einwilligung zum Mailverteiler zwecks Vernetzung
 
13:45Ausklang Medienhistorisches Forum 2021
 

RuG 3–4/2021 ist erschienen

Das neue Heft wurde noch vor Weihnachten ausgeliefert und sollte mittlerweile bei allen Mitgliedern und Abonnent*innen eingetroffen sein. Mit dem großen Hauptbeitrag von Friedrich Dethlefs und Carolyn Birdsall zum Schallarchiv der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft setzen wir die seit Jahrzehnten bestehende Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv fort. Der Beitrag hat auch das Titelbild inspiriert, das das Archiv im „Haus des Rundfunks“ in der Berliner Masurenallee darstellt (Dank an Friedrich Dethlefs!). Freuen Sie sich auf eine Reihe weiterer Beiträge und Rezensionen und informieren Sie sich über aktuelle rundfunkhistorische Dissertationsprojekte!

Foto: DRA/Paul Mai.

Neuer Vorstand des Studienkreises gewählt

Mitgliederversammlung und Wahl des Vorstandes des Studienkreises Rundfunk und Geschichte am 13. November 2021

Die ordentliche Mitgliederversammlung, die aufgrund der Corona-Pandemie vorsorglich als Videokonferenz angesetzt wurde, wählte am 13. November 2021 den neuen Vorstand des Studienkreises. Insgesamt waren zur Wahl 20 stimmberechtigte Mitglieder online anwesend. Als Vorsitzender wurde Dr. Kai Knörr (Potsdam) wiedergewählt, als Stellvertreter fungieren Dr. Judith Kretzschmar (Leipzig) und Prof. Dr. Golo Föllmer (Halle). Schatzmeister bleibt Dr. Veit Scheller (ZDF Mainz), als Schriftführer wurde Dr. Uwe Breitenborn (Berlin) bestätigt. Der Vorstand dankte Christian Schurig (Stuttgart), der aus dem Gremium ausscheidet, für seine langjährige Arbeit. Für ihn wurde Dr. Christoph Rosenthal (Berlin) als neues Vorstandsmitglied gewählt. Dem neu gewählten Vorstand gehören weiterhin Dr. Kiron Patka (Tübingen), PD Dr. Gerlinde Frey-Vor (MDR Leipzig) und Dr. Christoph Classen (ZZF Potsdam) sowie als Vertreterin des DRA Susanne Hennings an.

Kassenprüfer sind erneut Prof. Dr. Michael Crone (Frankfurt) und Dr. Heiner Schmitt (Ingelheim).

Als kooptierte Mitglieder des Vorstandes sind Dr. Hans Ulrich Wagner (Hamburg) und Prof. Dr. Alexander Badenoch (Utrecht) benannt.

Noch freie Plätze im Medienhistorischen Forum (12./13.11.2021, online), jetzt bewerben!

Die Frist für Einreichungen zum diesjährigen Medienhistorischen Forum des Studienkreises am 12. und 13. November 2021 ist bis zum 06. Oktober 18:00 Uhr verlängert! Bewerben Sie sich mit Ihrem medienhistorischen Forschungsprojekt und diskutieren Sie es mit Kolleg*innen aus den Bereichen Rundfunk, Archive, Medien- und Kommunikationsgeschichte. Alle weiteren Infos finden Sie unter https://rundfunkundgeschichte.de/cfp-zum-medienhistorischen-forum-2021-12-13-november-online/

Viel Erfolg!

DRA Spezial Mauerbau 1961: Multimediales Webangebot geht an den Start

Am 13. August 2021 jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 60. Mal. Anlässlich dieses historischen Jahrestages präsentiert das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) ein komplett überarbeitetes Webangebot zu den Programmänderungen in Hörfunk und Fernsehen der DDR nach der Grenzschließung. 

»DRA Spezial Mauerbau 1961« ist unter 1961.dra.de abrufbar.

Dass die Woche nach der Grenzschließung eine turbulente Woche für Hörfunk- und Fernsehmitarbeiter war, legen zumindest die im DRA überlieferten Sendepläne nahe. Diese Sendepläne des Deutschen Fernsehfunks und den Hörfunkwellen »Berliner Rundfunk« und »Berliner Welle« stehen im Zentrum des neu aufbereiteten Webangebotes. Sie ermöglichen es, sich selbst einen Eindruck vom Einfluss auf und die Rezeption der Ereignisse durch die DDR-Medien zu verschaffen.

Der neue Webauftritt ist um eine Vielzahl multimedialer Quellen ergänzt: Nachrichtenvideos, Produktionsfotos oder Hörfunkmitschnitte machen viele der Programmpunkte unmittelbar erfahrbar. Die Programmänderungen sind grafisch hervorgehoben. Themendossiers bieten Einordnungen und spannende Hintergründe zur Geschichte von Fernsehen und Hörfunk der DDR im Jahr 1961. Das Angebot ist für alle Endgeräte responsive optimiert und um neue Funktionalitäten erweitert.

Das Webangebot ermöglicht eine Auseinandersetzung mit der Programmgestaltung der staatlichen DDR-Medien im Kontext des Kalten Krieges, in der Systemkonkurrenz zwischen »West-« und »Ost-Medien«. Damit wird nicht nur eine besondere Perspektive auf die Ereignisse in dieser »Woche im August« 1961 geboten, sondern auch die kritische Auseinandersetzung mit Berichterstattung und Medien gefördert – und dies besonders im Kontext der heutigen »Informationsflut im Netz«.

CfP | Medienhistorisches Forum am 12./13 November 2021 (online)

neue EINREICHUNGSFRIST: 06. OKTOBER

Call for Papers: Medienhistorisches Forum 2021

Das Medienhistorische Forum des Studienkreises Rundfunk und Geschichte existiert seit 1973 und versteht sich als Plattform, um Nachwuchswissenschaftler*innen mit Forscher*innen verschiedener Disziplinen und insbesondere mit Vertreter*innen aus der Kommunikations- und Mediengeschichte, Rundfunkanstalten und Medienarchiven zu vernetzen. In freundlicher und produktiver Atmosphäre werden Themen der Medien- und Kommunikationsgeschichte aus der gesamten Breite des Forschungsfeldes diskutiert. Nachwuchswissenschaftler*innen laden wir ein, sich mit ihren aktuellen Forschungsprojekten zu bewerben.

Beispielhafte Themenfelder sind:

  • Geschichte und Entwicklung von Hörfunk, Fernsehen, Publizistik und Journalistik, Fotografie, Onlinemedien, Musikmedien oder anderen Einzelmedien und Mediengattungen
  • Geschichte der Kommunikations- und Medienpolitik: Institutionen, Prozesse, Personen
  • Mediatisierung und Medialisierung von Gesellschaft und gesellschaftlichen Teilbereichen
  • Medienöffentliche Diskurse und Medienöffentlichkeiten im Wandel
  • Vergangene, tradierte und neue Praktiken der Medienproduktion und Medienrezeption
  • Geschichte der Rezeptionsforschung, Zuschauerforschung, Sozialforschung der Medienkommunikation
  • Forschung zur Technikgeschichte und Materialität der analogen und digitalen Medien
  • Einzelanalysen und Fallstudien zu Formaten, Sendungen, Personen
  • Innovative Ansätze der Methoden- und Theoriebildung von Kommunikationsgeschichte und Medienkulturwissenschaft (z.B. digitale Methoden, Nostalgie-Konzepte)
  • Erinnerungskultur und Medien

Die vorgestellten Papers müssen und sollen keine abgeschlossenen Projekte abbilden; konkrete Projektskizzen sollten aber dennoch vorhanden sein, so dass wir auf hohem Niveau über die Themen, Gegenstände, Quellen, Methoden oder theoretischen Ansätze diskutieren können. Einreichungen in englischer Sprache sind möglich. Das Forum richtet sich insbesondere an Promovierende, an Habilitierende, aber auch an MA-Absolvent*innen, die auf Grundlage ihrer Abschlussarbeit ein Dissertationsthema entwickeln. Der erste Veranstaltungstag wird traditionell mit einem Expert*innenvortrag beschlossen, der Einblicke in Praxisfelder von Medien und aktueller Forschung gibt.

Einreichung und Review-Verfahren

Zur Bewerbung reichen Sie bitte ein Exposé ein, das die Grundlinien des geplanten Vortrages umreißt und zwei Seiten Text (6.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, plus Literaturangaben) umfassen soll.

Geben Sie in Ihrem Exposé bitte keine Angaben zu Ihrer Person an, sondern reichen Sie ein zusätzliches Deckblatt mit Ihren Kontaktdaten und dem Titel des Vortrags als einzelne Datei ein. Senden Sie Ihr Exposé und das Deckblatt bis zum 06. Oktober 2021 an Susanne Hennings (DRA), susanne.hennings@dra.de.

Die Auswahl der Vorträge findet in einem anonymisierten Review-Verfahren durch die Veranstalter*innen statt. Deshalb sollten alle Angaben zur Person nur auf dem Deckblatt des Exposés platziert sein und die Dateien frei von identifizierenden Metadaten.

Die Veranstaltung wird 2021 aufgrund der Pandemiesituation online stattfinden.

Veranstalter*innen

Das Medienhistorische Forum wird veranstaltet vom Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. in Kooperation mit dem Nachwuchsforum Kommunikationsgeschichte der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK. Ansprechpartner*innen für Rückfragen sind Kai Knörr (Studienkreis RuG/Universität Potsdam, knoerr@uni-potsdam.de) und Elisa Pollack (NAKOGE/FU Berlin, elisa.pollack@fu-berlin.de).

Dr. Kai Knörr (Studienkreis Rundfunk und Geschichte)
Dr. Kiron Patka (Studienkreis Rundfunk und Geschichte)
Elisa Pollack und Simon Sax (Sprecher*innen des Nachwuchsforums Kommunikationsgeschichte der DGPuK – NAKOGE)
Dr. Erik Koenen und Dr. Christian Schwarzenegger (Sprecher der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK)

CfP | Workshop: „Der Osten im Westen“

„Der Osten im Westen“
Deutschsprachige Autorinnen und Autoren aus dem östlichen Europa im Rundfunk nach 1945

Ort: Deutsches Rundfunkarchiv am Standort Frankfurt, Sitzungsraum: Hessischer Rundfunk, Konferenzraum 1, Bertramstraße 8, 60320 Frankfurt am Main

Datum: 22./23. März 2022

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges flohen viele deutschsprachige Autorinnen und Autoren aus dem östlichen Europa in die vier Besatzungszonen, aus denen 1949 die Bundesrepublik und die DDR entstanden. Mit ihrer literarischen und publizistischen Arbeit reagierten sie auf die Erfahrungen von Krieg und Flucht, von Verlust der Heimat und vom Start in einer neuen Umgebung. Der Arbeit für die Rundfunksender kam dabei eine besondere Bedeutung zu, bildeten diese doch sehr schnell zentrale Orte der Literaturproduktion und der Literaturvermittlung und übernahmen eine wichtige Rolle in den neu entstehenden Literaturbetrieben.

Diese rundfunkliterarische und rundfunkpublizistische Tätigkeit von Autorinnen und Autoren „aus dem Osten“ ist insgesamt bislang wenig erforscht, auch wenn es Ausnahmen gibt, wie etwa die des in Estland geborenen Hörspielautors Fred von Hoerschelmann (1901-1976) oder die des in Schlesien geborenen Friedrich Bischoff (1896-1976). Er war Schriftsteller und vor 1933 Intendant der Schlesischen Funkstunde in Breslau; nach dem Krieg startete er eine zweite Rundfunk-Karriere beim Südwestfunk. Bis 1965 war er Intendant der Rundfunkanstalt und prägte mit den Redakteuren in Baden-Baden das Programm nachhaltig. Ein weiteres Beispiel verdeutlicht die verschlungenen Wege, die mitunter gegangen wurden. So arbeitete der in Prag in einer deutschsprachigen jüdischen Familie aufgewachsene Dr. Vilém Fuchs (1933-1990) zunächst bis 1965 als Chefredakteur der deutschsprachigen Sendungen von Radio Prag, bevor er 1971 Leiter der Abteilung Kultur und Gesellschaft bei Radio Bremen wurde. Schließlich kamen viele Schriftsteller*innen der sogenannten „jungen Generation“ nach 1945 zum ersten Mal mit dem Rundfunk in Kontakt. Dies konnte wie im Fall des in Ostpreußen geborenen Siegfried Lenz zu einer lebenslangen Medienarbeit führen.

Diese Verbindungen von Literatur und Medien, von Autorinnen und Autoren aus dem östlichen Europa und der Rolle des Rundfunks nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in der Bundesrepublik und in der DDR sollen auf dem Workshop ausgelotet werden.

In den Archiven der ARD-Landesrundfunkanstalten und im Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) gibt es Hörfunkaufnahmen von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus dem östlichen Europa, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg „im Westen“ eine neue Existenz aufbauen mussten. Diese Stimmen im Rundfunk der ersten Nachkriegsjahrzehnte in der Bundesrepublik und in der DDR sollen wiederentdeckt und die Kontexte der Aufnahmen erforscht werden.

Dazu bringt der Workshop am Thema interessierte Nachwuchswissenschaftler*innen aus den Literatur- und Medienwissenschaften im Deutschen Rundfunkarchiv am Standort Frankfurt/Main mit Archivmitarbeiter*innen der Rundfunkanstalten und des DRA ins Gespräch. Die Teilnehmer*innen erhalten Gelegenheit, Skizzen mit Forschungsinteressen und geplanten Projekten vorzustellen und zu diskutieren sowie einen Einblick in vorhandene Archivbestände zu bekommen.

Ein damit verbundenes Ziel des Workshops ist es, Forschungen im Schnittfeld von Rundfunk- und Literaturgeschichte, von Programm- und Zeitgeschichte anzustoßen. Im Zusammenhang mit einem geplanten Forschungsprojekt der Veranstalter*innen besteht die Möglichkeit, eigene Fragestellungen aus diesem Themenfeld einzubringen und diese im Rahmen einer Dissertation und/oder eines Post-Doc-Projekts zu bearbeiten. Ein entsprechender Antrag kann gemeinsam mit den ausgewählten Nachwuchskräften entwickelt und eingereicht werden.

Der call for papers richtet sich an Masterabsolvent*innen mit Promotionswunsch, Doktorand*innen und Post-Docs. Sie sind eingeladen, laufende Arbeiten bzw. Projektideen zum oben genannten Themenfeld und den damit verknüpften Fragestellungen vorzustellen. Auf der Grundlage der eingegangenen Exposés werden die Archivar*innen gebeten, speziell zu den Themenvorschlägen eine kleine Auswahl von passenden Dokumentenbeispielen aus ihren jeweiligen Archiven zu präsentieren.

Fragestellungen

Im Fokus steht die Medienarbeit von Autor*innen aus dem östlichen Europa und speziell ihre Arbeit für die Radioprogramme in den ersten Nachkriegsjahrzehnten. Folgende Fragestellungen sollen angegangen werden:

  • Wie gingen Literat*innen und Journalist*innen aus dem östlichen Europa mit dem Ankommen in einer neuen Umgebung/Region um?
  • Wie gestalteten sie den beruflichen und literarischen Neubeginn in einer anders geprägten Kulturlandschaft?
  • Wie verhielten sie sich zu Traumata der Kriegs- und Nachkriegszeit?
  • Welche Themen wählten sie für ihr Schreiben?
  • Welche medialen Strategien der Bewältigung ihrer neuen Situation entwickelten sie, und welche Rolle spielte dabei das Medium Rundfunk?
  • Wie nahmen sie selbst und die neuen Zuhörer*innen ihre andere Sprachfärbung/ihren Dialekt wahr? Wie veränderte sich ihre Sprache?
  • Wieviel „Osten“ steckte in ihrer neuen Tätigkeit im „Westen“ (Kontinuitäten, Brüche)?
  • Gab es Unterschiede zwischen Westdeutschland und der DDR im medialen Umgang der Literaturschaffenden mit ihrer neuen Situation, bzw. in ihrer Rezeption durch die neue Umgebung?

Bitte senden Sie Ihr Exposé (ca. 2.500 Zeichen), einen kurzen Lebenslauf mit E-Mail- und Postanschrift (ca. 1.000 Zeichen) bis spätesten 15.12.2021 an die beiden Adressen:

Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut, Hamburg,
Dr. Hans-Ulrich Wagner: h.u.wagner@leibniz-hbi.de

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa,
Maria Luft: maria.luft@bkge.uni-oldenburg.de

Die Fahrt- und Unterkunftskosten für die wissenschaftlichen Workshop-Teilnehmer*innen werden vorbehaltlich vorhandener Haushaltsmittel erstattet.

Projektpartner

  • Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), Oldenburg
  • Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut, Hamburg
  • Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv
  • Historische Kommission der ARD
  • Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam