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E.L. wird 75

Edgar Lersch

Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte gratuliert seinem Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Edgar Lersch zum Geburtstag! | Foto: Uta Tintemann


E.L. – dahinter „verbirgt“ sich in Rundfunk und Geschichte natürlich Edgar Lersch. Man könnte aber auch nach all den Jahren sagen, dass sich Rundfunk und Geschichte in Edgar Lersch „verbirgt“, denn niemand anders als Edgar Lersch hat wohl in den letzten 40 Jahren so intensiv, so beständig, so kenntnisreich und kritisch, so umfassend und – ja auch – fleißig das Schicksal, den Charakter und die Bedeutung dieser einzigen rundfunkgeschichtlichen Zeitschrift im deutschsprachigen Raum bestimmt und mitbestimmt wie eben Edgar Lersch. Und wenn ich schon einmal dabei bin, dann kann ich diese Einschätzung auch ohne Mühen von der Zeitschrift auf die „Organisation“ dahinter ausweiten, auf den Studienkreis Rundfunk und Geschichte. Dazu später mehr.

Jetzt wird Edgar Lersch in diesem Jahr im Oktober 75 Jahre alt, und das ist dann gerade auch rundfunkgeschichtlich interessant, weil vor 75 Jahren mit der ‚Stunde Null‘ die Geschichte des demokratischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks wieder begonnen hat. Wenn sich Edgars Eltern etwas mehr Mühe gemacht hätten, dann könnte der Jubilar eben schon am 3. Juni 1945 um 17.45 Uhr, gleichzeitig mit der Durchsage: „Hier ist Radio Stuttgart, ein Sender der amerikanischen Militärregierung. Wir senden täglich von 11.30 bis 14.00 Uhr und von 18.30 bis 22.00 Uhr auf der Wellenlänge 523 m“, in Ahrweiler das Licht der Welt erblickt haben. So musste er sich aber mit dem 10. Oktober 1945 zufriedengeben, was auch nicht schlecht war, denn da konnte er im Alter von gerade einmal 4 Tagen miterleben, wie am 14. Oktober 1945 das ehemalige Radio Koblenz für die französische Besatzungszone erste Hörfunksendungen ausstrahlte. Edgar Lersch hat im Übrigen – etwas später dann, nämlich 1990 – recherchiert, dass schon am 12. Oktober 1945, also knapp nach seiner Geburt, Radio Stuttgart das erste Hörspiel wieder sendet – „Die Entdeckung Amerikas – Christoph Columbus“. Ob damals in dem beschaulichen Ahrweiler, mitten in den Weinbergen des auslaufenden Ahrtales, jemand wirklich dieses Hörspiel an der Wiege des kleinen Edgar gehört hat – man weiß es nicht. Wahrscheinlich war die Entdeckung der amerikanischen Besatzung und ihrer administrativen Verlautbarungen lebenswichtiger.

Wenn man dem Gedanken von der frühkindlichen Prägung durch Umwelteinflüsse anhängt, dann wäre diese Koinzidenz der Programmereignisse mit dem langsamen Bewusstwerden des Neugeborenen gleichwohl eine Erklärung dafür, dass der Rundfunk und seine Geschichte Edgar Lerschs – wissenschaftliches – Leben dann nicht mehr losgelassen haben.

Trotz solcher rundfunkhistorischen und familiären ‚Umwelteinflüsse‘ war eine solche Karriere als Rundfunkhistoriker allerdings familien- und lebensgeschichtlich nicht von vorne herein programmiert, denn diese medialen Interessen und Kenntnisse haben sich erst auf Umwegen entwickelt. Dazu beigetragen hat vermutlich weniger, dass er nach dem Abitur mit dem Studium der katholischen Theologie begonnen hat, wodurch er – seiner systematischen Neugier folgend – im späteren Leben womöglich in den Archiven das Vatikans verschollen wäre. Zum Glück hat ihn Irmgard von einem solchen ‚geistlichen’ (Irr-)Weg abgehalten, mit der er seitdem – und also schon seit langer Zeit – verheiratet ist und mit der er vier Kinder erfolgreich erzogen hat, 1976 Johannes, 1979 Gregor, 1987 Helena und Barbara – vier Kinder! Mein erster akademischer Lehrer, Helmut Kreuzer, selbst ohne Kinder, hat mir – als Vater von drei Kindern – einmal beiläufig, aber respektvoll – in den Kategorien seines Denkens – gesagt: jedes Kind ist wie eine Promotion. Vier Kinder wäre dann, bei Edgar Lersch, Dr. hc. mult., was nicht zu unterschätzen ist!

Nach einigen Semestern Theologie liegt es – pragmatisch – dann für Edgar nahe, in der profanen Laienwelt Studienfächer zu wählen, in denen er Einiges von dem in theologischen Seminaren Gelernten verwerten kann: Philosophie natürlich, Pädagogik sowieso, das gehörte damals zum sogenannten Philosophicum, als Studienfächer aber Geschichte und Religion. Nach dem Abschluss des ersten Staatsexamens absolviert Edgar in Speyer, also in Rheinland-Pfalz und nicht in Baden-Württemberg, sein Referendariat als angehender Studienrat. Eine sehr pragmatische Entscheidung, weil in Rheinland-Pfalz das Referendariat kürzer war. Gleichzeitig und gewiss auch, um nicht auf eine Karriere als Gymnasiallehrer festgelegt zu sein, findet Edgar in dem Osteuropahistoriker Dietrich Geyer, dem damaligen Direktor des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde an der Universität Tübingen, einen Betreuer, der ihm ein interessantes historisches und politisches Thema zur Dissertation anbietet. Mit der anschließenden Promotion über die auswärtige Kulturpolitik der Sowjetunion in den 1920er Jahren und den intensiven Recherchen in den zugänglichen staatlichen Archiven in Moskau (seit dem Archivaufenthalt in Moskau mit umfassenden Russland- und Russisch-Kenntnissen) entdeckt Edgar dann aber auch sein Faible für das Studium der historischen Quellen und deren sorgfältige, systematische Aufbewahrung und Auswertung. Da die damalige Situation an der Universität in Tübingen keine direkten Perspektiven bietet, entschließt er sich zusätzlich zu einer Ausbildung zum höheren Archivdienst.

Das sind dann unbedingt hinreichende Bedingungen, die Edgar Lersch für die Leitung des historischen Archivs des SDR in Stuttgart – ab 1979 – qualifizieren. In dieser Funktion leitet er, auch noch nach dem 1. Oktober 1998, als der Süddeutsche Rundfunk (SDR) in Stuttgart und der Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden im neuen Südwestrundfunk (SWR) aufgingen, das historische Archiv (des SDR) und dokumentiert systematisch und ordnet historisch-kritisch in überaus zahlreichen Publikationen die Geschichte der Stuttgarter Institution ein, ihrer Intendanten, Redaktionen und auch die Entwicklung des Programms. Vor und nach seiner Pensionierung 2010 mischt sich Edgar weit über solche Archivarbeiten hinaus immer in die Diskussionen der historischen Wissenschaft ein, er publiziert zur Rundfunkgeschichte, schreibt wissensgesättigte Handbuchartikel und organisiert Forschungsprojekte mit, wobei er sowohl bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Fiktionale Geschichtssendungen im DDR-Fernsehen) als auch bei Landesmedienanstalten (Geschichte im Fernsehen) erfolgreich Projekte beantragt und mit umfangreichen Publikationen abschließt. Eine solche wissenschaftliche Karriere als Historiker muss beinahe natürlich in die Übernahme einer Honorarprofessur für Mediengeschichte und Archivkunde der Medien an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale münden, die Edgar 2001 zusätzlich antritt. Ruh- und rastlos übernimmt er nach Erreichen der Altersgrenze sogar noch Lehraufträge am historischen Institut der Universität Stuttgart, um die vielfältigen Erfahrungen mit den didaktisch aufbereiteten rundfunkhistorischen Materialien, die er in seiner Zeit in Halle hat machen können, an die Studierenden in Stuttgart weiterzugeben.

Man könnte sich jetzt zurecht fragen, ob das nicht schon für ein ausgefülltes Familien- und Berufsleben ausreicht, aber da gibt es ja noch den Studienkreis Rundfunk und Geschichte!

Wenn man eine Volltextsuche in den digital vorliegenden Heften von Rundfunk und Geschichte nach Edgar Lersch vornimmt, dann stellt man fest, dass in 88 dieser 126 Hefte Edgar Lersch genannt wird als Autor, als Moderator von Fachgruppen und Organisator von Tagungen, als Mitglied der Redaktion bzw. des Redaktionsbeirates von RuG, als Vorstandsmitglied und als Vorstand, als Schriftführer des Vereins, als fachlicher Betreuer beim Doktorandenkolloquium, als Vortragender auf Jahrestagungen, als Abgesandter des Studienkreises beim Deutschen Historikertag, als Organisator und Herausgeber der Buchreihe „Buch, Buchhandel und Rundfunk“, als Initiator des Wilhelm-Treue-Stipendiums, als Herausgeber von Jahrbüchern des Studienkreises, als Vorbereiter eines Projektes für den Aufbau des Deutschen Rundfunkarchivs – Ost, als Beisitzer des Vorstands, schließlich – 2013 – als Ehrenvorsitzender. Diese Aufzählung beansprucht nicht, vollständig zu sein!

Edgar Lerschs aktive Mitarbeit im Studienkreis Rundfunk und Geschichte lässt sich – quellenkritisch – dadurch rekonstruieren, dass er zum ersten Mal als Autor im Heft 4/1980 erscheint, mit einem Artikel, der ganz aus dem Leben des jungen Archivars gegriffen ist: „Probleme der Programmarchivierung. Dargestellt an Fragen, die sich beim Aufbau des Aktenarchivs beim Süddeutschen Rundfunk ergeben“ (RuG 4/1980, 214–220). Es lohnt sich sogar, diese frühen Überlegungen genau zu lesen, denn Edgar Lersch argumentiert angesichts einer eher unübersichtlichen Vorlage im vorhandenen Archiv des SDR für die Vorzüge einer Provenienzordnung, und zwar ausdrücklich mit dem Hinweis, dass nur so „unter dem Gesichtspunkt der Benutzung zu historisch-wissenschaftlichen Zwecken“ das Archiv bedeutsam werden könne. Er greift also schon in seiner ersten Stellungnahme in den „Mitteilungen“ einen zentralen Gedanken der bis heute andauernden Diskussion um die wissenschaftliche Nutzung der öffentlich-rechtlichen Medienarchive auf.

Aktenkundig wird Edgar Lersch dann zum zweiten Mal als beratender Teilnehmer am 9. Grünberger Doktoranden-Kolloquium am 2. und 3. Mai 1981 (RuG 3/1981, 143 ff.) – wobei er natürlich längst vorher schon an den später „berühmten“ Grünberger Kolloquien teilgenommen hatte, die 1973 mit einer Anschubfinanzierung durch Friedrich Bender (AEG Telefunken) zum ersten Mal in dieser Sporthochschule in Hessen stattfinden konnte.

Als Fachgruppenleiter „Archive und Dokumentation“ seit 1981 nimmt er früh auch an den Sitzungen des Gründungsvorstandes teil. Das war die Zeit der ersten Generation: Walter Först, Winfried B. Lerg, Friedrich P. Kahlenberg, Wilhelm Treue, Walter Bruch, Harald Heckmann, Wolfgang Hempel … und das war auch die Zeit, in der bei den Vorstandssitzungen selbstverständlich geraucht wurde, was Tabak und Pfeife hergaben, und im Übrigen waren sich die Herren meistens einig. Nicht nur unter dem Qualm hat Edgar gelitten, wenn er an solchen Sitzungen teilnahm – „Außerdem gab es mir zu wenig Kontakt und Austausch mit gleichgerichteten Fachgesellschaften und Wissenschaftseinrichtungen. Doch gegen den vorherrschenden Konsens konnte ich keine Punkte machen“ (RuG 1–2/2019, 43).

Als langjähriger Leiter der Fachgruppe „Archive und Dokumentation“ – von 1981 bis 1996 – berichtet Edgar Lersch dann regelmäßig in RuG über deren Aktivitäten, die er – umtriebig und fruchtbar für alle Seiten – später mit seiner Arbeit (als Geschäftsführer) in der „Historischen Kommission“ von ARD und ZDF (von 1986 – 2010 ) verbinden kann und so einige der „Punkte“ seiner Mängelliste en passant in persona verwirklicht.

Edgar Lersch hat in seiner Notiz zu den „Erinnerungen an 50 Jahre Studienkreis“ (RuG 1–2/2019, 42–44) unter dem Titel „Die denkwürdigen Vorstandswahlen 1991“ geschildert, wie er – eben 1991 – dann plötzlich und unverhofft zum Schriftführer des Studienkreises avanciert ist. Mit dieser „denkwürdigen“ Wahl war für den Studienkreis auch ein Generationenwechsel verbunden. Dieser Generationswechsel hat sich in den folgenden Jahren nach 1991 stabilisiert durch Edgars Mitarbeit im Vorstand – bis 2003, da wurde er nämlich auch für zwei Jahre Vorsitzender des Studienkreises. Die Jahrestagung 2003 im „Haus des Rundfunks“ in Berlin, von diesem Vorsitzenden initiiert, widmete sich höchst innovativ der Frage, welche „Idee“ in unterschiedlichen Nationen in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eigentlich mit der Gründung und Etablierung des öffentlichen Rundfunks verbunden war. In den Beiträgen auf der Tagung und in den anschließend von Edgar Lersch und Helmut Schanze herausgegebenen Jahrbuch Medien und Geschichte des Studienkreises 2004 (Konstanz 2004) rekonstruieren renommierte Rundfunk- und Medienhistoriker, welche „Gründungsmythen“ jeweils wirkmächtig geworden sind, und wie sich diese nationalen Mythen voneinander auch unterscheiden. Diese Publikation des Studienkreises markiert einen wichtigen Anstoß für die komparative Rundfunkforschung und -geschichte.

In Heft 3–4/2010 von RuG kann man die Vorträge nachlesen, die zur Verabschiedung von E.L. in den Ruhestand (als Leiter des historischen Archivs beim SWR) am 18. Oktober 2010 in Stuttgart gehalten worden sind. Unter den Vortragenden waren dann auch solche, die Edgar Lersch in seinem „Studienkreisleben“ als Kollegen und Freunde begleitet haben und begleiten: Reinhold Viehoff, Konrad Dussel, Michael Crone …, man müsste gewiss auch andere hinzufügen – Ansgar Diller, Heiner Schmitt, Walter Klingler, Rüdiger Steinmetz, Wolfgang Hempel. Alle Nichtgenannten sollten sich auch genannt fühlen, denn so ein Leben im Studienkreis geht auch besonders gut oder überhaupt nur mit – manchmal lebenslangen – Freundschaften einher.

Diese Verabschiedung ist nun schon wieder 10 Jahre her. Inzwischen gehört Edgar jetzt selbst irgendwie zu den „Altvorderen“ als Ehrenvorsitzender des Vereins.

Soviel zur „Institutionengeschichte“ des Studienkreises und meiner Anfangsbemerkung, dass es kaum ein anderes aktives Mitglied gibt, das so ausdauernd, engagiert und mit Geduld Schicksal, Charakter und Bedeutung des Studienkreises beeinflusst hat und beeinflusst wie eben Edgar Lersch. Allerdings: auch weiterhin beeinflusst. Denn eine Würdigung dieser so erfolgreichen Verbindung von E.L. und dem Studienkreis wäre ganz unvollständig, wenn nicht seine beständige kritische Rezensionstätigkeit in den Mitteilungen und dem späteren RuG hier mit in den Blick genommen würde. Einen Band mit den gesammelten Rezensionen zusammenzustellen und herauszugeben, das wäre doch noch ein Projekt. Vielleicht würden das sogar zwei Bände. Warten wir einmal, was wir da noch von E.L. bekommen!

Reinhold Viehoff

ON AIR. Neue Ausstellung zu 100 Jahren Radio im Museum für Kommunikation Berlin eröffnet

Am 1. Oktober ist die Ausstellung „ON AIR. 100 Jahre Radio“ im Berliner Museum für Kommunikation eröffnet worden, die ersten öffentlichen Führungen beginnen in dieser Woche. Moderiert vom Berliner Radiomoderator Jürgen Kuttner fand die Feierlichkeit im Lichthof des einstigen Reichspostmuseums statt – allerdings musste diese coronabedingt mit deutlich weniger Gästen stattfinden. Interessierte konnten sich via Audio-Livestream zuschalten, zudem wurde die Sendung vom Förderverein Sender Königs Wusterhausen auf der europaweit empfangbaren Kurzwellenfrequenz 5980 kHz ausgestrahlt. Tatsächlich bezieht sich die Ausstellung mit ihrem „frühen“ Termin auf jenes „inoffizielle Jubiläum“ des ersten Weihnachtskonzerts, das Postbeamte im Sender Königswusterhausen am 22.12.1920, noch lange vor dem offziellen Programmstart des deutschen Rundfunks, veranstaltet hatten. Die Vorbereitung zur Ausstellung, die in Berlin bis zum 29. August 2021 und anschließend ein Jahr lang im Museum für Kommunikation Frankfurt/Main zu sehen sein wird, begann vor zwei Jahren. Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte hat die beiden Kurator*innen Florian Schütz und Anne-Sophie Gutsche inhaltlich unterstützt. Die Zusammenarbeit zwischen Studienkreis und Museum begann kurz nach der Jahrestagung in Baden-Baden. Förderung erhielt das Museum von der Kulturstiftung der Länder, im Rahmen von Kooperationen wird die Ausstellung vom DRA, Deutschlandfunk Kultur und rbb Kultur unterstützt.

Kai Knörr

Medienhistorisches Forum 2020 in Potsdam und Online, Call for Papers

EINREICHUNGSFRIST: 15. SEPTEMBER
TERMIN: 6. / 7. November 2020

Das Medienhistorische Forum des Studienkreises Rundfunk und Geschichte existiert seit 1973 und versteht sich als Plattform, um Nachwuchswissenschaftler*innen mit Forscher*innen verschiedener Disziplinen und insbesondere mit Vertreter*innen aus der Kommunikations- und Mediengeschichte, Rundfunkanstalten und Medienarchiven zu vernetzen. In freundlicher und produktiver Atmosphäre werden Themen der Medien- und Kommunikations-geschichte aus der gesamten Breite des Forschungsfeldes diskutiert. Nachwuchswissenschaftlerinnen laden wir ein, sich mit ihren aktuellen Forschungsprojekten zu bewerben.

Beispielhafte Themenfelder sind…
• Geschichte und Entwicklung von Hörfunk, Fernsehen, Publizistik und Journalistik, Fotografie, Onlinemedien, Musikmedien oder anderen Einzelmedien und Mediengattungen
• Geschichte der Kommunikations- und Medienpolitik: Institutionen, Prozesse, Personen
• Mediatisierung und Medialisierung von Gesellschaft und gesellschaftlichen Teilbereichen
• Medienöffentliche Diskurse und Medienöffentlichkeiten im Wandel
• Vergangene, tradierte und neue Praktiken der Medienproduktion und Medienrezeption
• Geschichte der Rezeptionsforschung, Zuschauerforschung, Sozialforschung der Medienkommunikation
• Forschung zur Technikgeschichte und Materialität der analogen und digitalen Medien
• Einzelanalysen und Fallstudien zu Formaten, Sendungen, Personen
• Innovative Ansätze der Methoden- und Theoriebildung von Kommunikationsgeschichte und Medienkulturwissenschaft (z.B. digitale Methoden, Nostalgie-Konzepte)
• Erinnerungskultur und Medien

Die vorgestellten Papers müssen und sollen keine abgeschlossenen Projekte abbilden; konkrete Projektskizzen sollten aber dennoch vorhanden sein, so dass wir auf hohem Niveau über die Themen, Gegenstände, Quellen, Methoden oder theoretischen Ansätze diskutieren können. Einreichungen in englischer Sprache sind möglich. Das Forum richtet sich insbesondere an Promovierende, an Habilitierende, aber auch an MA-Absolvent*innen, die auf Grundlage ihrer Abschlussarbeit ein Dissertationsthema entwickeln. Der erste Veranstaltungstag wird traditionell mit einem Expert*innenvortrag beschlossen, der Einblicke in Praxisfelder von Medien und aktueller Forschung gibt.

Einreichung und Review-Verfahren
Zur Bewerbung reichen Sie bitte ein Exposé ein, das die Grundlinien des geplanten Vortrages umreißt und zwei Seiten Text (6.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, plus Literaturangaben) umfassen soll.

Geben Sie in Ihrem Exposé bitte keine Angaben zu Ihrer Person an, sondern reichen Sie ein zusätzliches Deckblatt mit Ihren Kontaktdaten und dem Titel des Vortrags als einzelne Datei ein.

Senden Sie Ihr Exposé und das Deckblatt bis zum 15. September 2020 an Susanne Hennings (DRA), susanne.hennings@dra.de.
Die Auswahl der Vorträge findet in einem anonymisierten Review-Verfahren durch die Veranstalterinnen statt. Deshalb sollten alle Angaben zur Person nur auf dem Deckblatt des Exposés platziert sein und die Dateien frei von identifizierenden Metadaten. Die Veranstaltung soll in hybrider Form stattfinden. Analoger Veranstaltungsort wird das Brandenburgische Zentrum für Medienwissenschaften (ZeM) in Potsdam sein, soweit das möglich sein wird. In jedem Fall ist aber auch eine digitale Teilnahme möglich.

Veranstalter*innen
Das Medienhistorische Forum wird veranstaltet vom Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. in Kooperation mit dem Nachwuchsforum Kommunikationsgeschichte der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK. Ansprechpartnerinnen für Rückfragen sind Kai Knörr (Studienkreis RuG/Universität Potsdam, knoerr@uni-potsdam.de) und Elisa Pollack (NAKOGE/FU Berlin), elisa.pollack@fu-berlin.de).

Dr. Kai Knörr (Studienkreis Rundfunk und Geschichte)
Dr. Kiron Patka (Studienkreis Rundfunk und Geschichte)
Elisa Pollack und Simon Sax (Sprecherinnen des Nachwuchsforums Kommunikationsgeschichte der DGPuK – NAKOGE)
Dr. Erik Koenen und Dr. Christian Schwarzenegger (Sprecher der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK)

Folgen der Disruption. Worauf wir uns einstellen

Aufruf für die RuG-Ausgabe 3–4/2020

Rundfunk und Geschichte möchte den Mitgliedern des Studienkreises ein Forum bieten für den wissenschaftlichen, aber auch für den berufspraktischen Austausch. Unsere Mitglieder setzen sich an unterschiedlichsten Stellen und in verschiedenen Institutionen mit dem Zusammenhang von Rundfunk und Geschichte auseinander. Wir arbeiten in den Rundfunkanstalten und anderen Medienhäusern, in historischen Archiven und Medienarchiven, in Museen und Stiftungen, an Hochschulen und in Forschungsinstituten. Wir forschen, kuratieren, verwalten, wir unterrichten, bilden aus – und noch vieles andere.

Die Bedingungen unseres Handelns wurden wie das gesamte gesellschaftliche Leben in diesem Frühjahr jäh herausgefordert. Wir alle haben die „Corona-Krise“, die Pandemie und die anschließenden Maßnahmen des social distancing in unterschiedlichem Maße als disruptiv erlebt. Unsere Institutionen mussten kurzfristig darauf reagieren – oftmals zu allererst durch die Verstärkung der Digitalisierungsbemühungen. Längst wird aber auch debattiert, wie es mittelfristig und langfristig weitergeht: Aus Reaktionen werden Anpassungen, aus Taktik wird Strategie. Der weitere Verlauf der Pandemie ist derzeit kaum abzusehen.

Dadurch verändern sich zwangsläufig auch die Bedingungen nachhaltig, unter denen rundfunkgeschichtliches Arbeiten vonstatten geht, wie auch die Themen, mit denen wir uns dabei befassen. Für tiefergehende Analysen dieses Prozesses ist es sicherlich zu früh. Aber im Geiste einer Chronistik des Vereins wollen wir in der kommenden Ausgabe von RuG eine erste Dokumentation anlegen und bitten Sie um Ihre Beteiligung. Wir würden gerne wissen, wie und worauf sich Ihre Institution, Ihr Arbeitsbereich, Ihr Tätigkeitsfeld angesichts der disruptiven Erlebnisse der „Corona-Krise“ nun einstellt.

  • Welche Maßnahmen werden getroffen, die Ihre Arbeit mittel- und langfristig verändern werden?
  • Welche Zukunft – welche Zukünfte – bilden die Grundlage für nun in Gang gesetzte Veränderungsprozesse?
  • Welche Konsequenzen für die rundfunkgeschichtliche Arbeit sind aus Ihrer Perspektive abzusehen?

Wir hoffen, dass eine solche erste Dokumentation uns jetzt gegenseitige Einblicke in die aktuellen Herausforderungen unserer Arbeits- und Forschungsfelder geben kann und später als Quelle wertvoll sein wird. Diese Dokumentation soll im „Forum“ der kommenden Ausgabe von RuG abgedruckt und auch auf der Webseite des Studienkreises nachzulesen sein.


Wir freuen uns über Beiträge im Umfang bis maximal 8.000 Zeichen.
Bitte senden Sie uns Ihre Vorschläge möglichst bis zum 20. Juli 2020 zu.
Die fertigen Beiträge sollten bis zum 6. September vorliegen.

Kontakt für Einreichungen und Rückfragen:
Kiron Patka: kiron.patka@uni-tuebingen.de

RuG 1–2/2020 ist erschienen

In diesen Tagen bekommen die Mitglieder des Studienkreises Post: Die neueste Ausgabe von Rundfunk und Geschichte wird derzeit druckfrisch ausgeliefert.

Vielleicht werden Sie überrascht sein. Wir haben es gewagt, eine deutliche visuelle Zäsur vorzunehmen. Ab dieser Ausgabe erscheinen die Hefte in einem anderen, kleineren Format, und sind dafür etwas dicker. Wir denken, dass das Heft so handlicher und dadurch einfacher zu lesen sein wird. Außerdem schließt die Gestaltung damit auch stärker an die heutigen Standards wissenschaftlicher Periodika an. Die Grafikerin Annkatrin Breitenborn hat das neue Layout entwickelt.

RuG 1–2/2020: Objektgeschichten des Rundfunks

Dass bereits auf der Titelseite ein Foto zu sehen ist, stellt ebenfalls ein Novum dar. Das Titelbild der aktuellen Ausgabe stammt von der Medienwissenschaftlerin Elfi Vomberg; es zeigt die Reste des legendären Studios für elektronische Musik in Köln, in dem einst Stockhausen, Pousseur, Ligeti, Krenek und Xenakis gearbeitet haben. Vombergs spannender und höchst aktueller Artikel im Heft geht den heutigen Spuren dieses Studios nach – von einem Keller in Köln-Ossendorf über die offiziellen Archive des WDR bis in die digitale Sphäre hinein.

Dieser Beitrag bettet sich ein in einen Themenschwerpunkt „Objektgeschichten des Rundfunks“, der die insgesamt sieben Hauptbeiträge dieser Ausgabe zusammenfasst. Die Idee zu diesem Themenheft stammt von der Musikwissenschaftlerin Karin Martensen, die als Mitherausgeberin und Autorin maßgeblich an der Ausgabe beteiligt war. Diese gewinnbringende und bereichernde Zusammenarbeit dokumentiert einmal mehr den interdisziplinären Charakter des Studienkreises.

Wir wünschen Ihnen allen eine anregende Lektüre mit der neuen Ausgabe von Rundfunk und Geschichte!

Zum Inhaltsverzeichnis von RuG 1–2/2020

Jahrestagung 2020 wird verschoben

Sehr geehrte Damen und Herren,
vor dem Hintergrund der unabsehbaren Entwicklung der Corona-Pandemie und den daraus bereits entstandenen Folgen für das kulturelle und öffentliche Leben hat der Vorstand des Studienkreises Rundfunk und Geschichte in Absprache mit dem Grimme-Institut entschieden, die geplante Jahrestagung am 04. und 05. Juni 2020 in Marl abzusagen.

Dementsprechend ziehen wir auch den Call for Papers für Fachbeiträge zurück (Ursprüngliche Deadline: 06.04.2020).

Die Entscheidung zur kompletten Absage in diesem Jahr (statt einer Verschiebung in den Herbst) ist uns nicht leicht gefallen, erscheint aber angesichts der Situation vernünftig. Zumal – wie man hoffen kann – größere Fachtagungen und Arbeitstreffen nach dem Ende der Krise in dichter Folge stattfinden werden.

Mit dem Grimme-Institut haben wir vereinbart, in engem Dialog zu bleiben und unsere 50. Jahrestagung im Frühjahr 2021 nachzuholen. Den genauen Termin geben wir Ihnen so bald wie möglich bekannt. Das Thema zur Geschichte und Zukunft von Bildungsmedien und Medienbildung bleibt bestehen und dürfte bis dahin an Brisanz nichts einbüßen. Im Gegenteil: Klassische Plattformen und insbesondere der Rundfunk mit linearen und nichtlinearen Bildungs- und Informationsangeboten werden derzeit besonders gebraucht.

Wir hoffen, dass es uns möglich sein wird, im nächsten Jahr auf die Thematik mit anderen Augen zu schauen und einen produktiven Mehrwert für alle Disziplinen und Professionen zu generieren, die sich unter dem Dach des Studienkreises Rundfunk und Geschichte zum Austausch versammeln. Von der Absage unberührt bleibt bis auf Weiteres unser Medienhistorisches Forum (November 2020).

Im Namen des Vorstands wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben alles Gute.

Dr. Kai Knörr

Call for Papers: RuG-Jahrestagung 2020 in Marl

Fernsehen und Bildung – ein Missverständnis?

Geschichte und Zukunft von Bildungsmedien und Medienbildung

50. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte
in Kooperation mit dem Grimme-Institut Marl, 4.–5. Juni 2020

Nach 26 Jahren freuen wir uns, wieder zu Gast im Grimme-Institut zu sein und mit unserer 50. Jahrestagung auf ein Thema zu schauen, das in der Luft liegt: auf das Verhältnis von Medien und Bildung. Der Titel „Fernsehen und Bildung“ ist eine Hommage an den Tagungsort und dessen Bedeutung, soll aber auch zu erweiterten Reflexionen über Bildungsdiskurse in der audiovisuellen Kultur, früher und heute, anregen. Wir fragen nach der Geschichte und Zukunft von Bildungsmedien, nach Formaten, Infrastrukturen und Angeboten, nach historischen Erfolgsmodellen und Irrwegen. Uns interessiert, wie digitale Plattformen in Produktion und Distribution die Konzepte von Bildung und Geschichte verändern. Kann die praktische und programmatische Erfahrung und das Selbstverständnis traditioneller Bildungsinstitutionen in neuen technischen Umgebungen bestehen?  Welche Funktion kommt Archiven und audiovisuellem Erbe in digitalen Zeiten zu? Der Rundfunkbegriff bleibt dabei ein Bezugspunkt, um institutionelle und organisatorische Ziele von Bildung und Medienbildung zu beleuchten.

Bezeichnenderweise wurde die technisch-institutionelle Einführung neuer (Programm-)Medien immer wieder mit Bildungsprogrammen begründet: Nach dem ersten Weltkrieg versprach Hans Bredow bei Einführung des Rundfunks die „geistige Not“ der Deutschen durch „drahtlose Belehrung und Unterhaltung“ zu lindern und die Kluft zwischen gesellschaftlichen Gruppen und den Völkern zu schließen. Nach 1945 entstanden öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen als demokratisches Gegengewicht zu den unter der Nazi-Herrschaft diskreditierten, staatlichen Bildungseinrichtungen. Nicht nur medienvermittelte Bildung, sondern Medienbildung rückte eine Generation später ins Blickfeld, als der Volkshochschulverband im Jahr 1973 das Grimme-Institut gründete und damit Medien und medienpolitische Fragen zum Gegenstand der Erwachsenenbildung machte. Qualitativ hochwertige (=bildende?) Programme, Sendungen und Formate werden in Marl schon seit 1964 mit Grimme-Preisen prämiert. Die Tagung soll auch hierzu Hintergrundwissen und Diskussionsstoff bieten. Die Debatten zu Medien und Bildung sind in vollem Gange. Daher sind wir an Zuspitzungen interessiert, aber auch an neuen Versuchen. Richtwert sind 20minütige Vorträge mit anschließender Diskussion. Wir laden Wissenschaftler*innen und Expert*innen aus Geisteswissenschaften, empirischer Forschung, Rundfunkanstalten, Archiven, Bereichen der Medienbildung usw. ein, sich zu beteiligen.

Die Beiträge sollten eine historische Dimension aufweisen und können zu folgenden Aspekten eingereicht werden (Beispiele):

  • Bildende Programme als Public Value im Fernsehen
  • Programm- und Institutionengeschichte des Schulfunks, der III. Programme, Telekolleg etc.
  • Vermittlung von Geschichtsbewusstsein
  • Potenziale des audiovisuellen Erbes in Bildung/Medienbildung
  • Gesellschaftlicher Nutzen des Wissens um (historische) Medienpraxis
  • Absichtliche und unabsichtliche Bildungserfahrungen / Bildungsprogramme vs. Mediengebrauch
  • Bisher unbeleuchtete/unbeachtete Bestände/Quellen zu bildungspolitischen Debatten in Ost und West
  • Medialität und Medienwandel und ihre Auswirkungen auf Bildung
  • Digitalisierung und Wissensvermittlung / Verhältnis zwischen Information, Wissen und Bildung
  • Bildungsauftrag des Rundfunks als Zukunftsperspektive
  • Subtile Formen der Wissensvermittlung in heutigen Fernsehangeboten
  • Kommerzielles Fernsehen und Bildung
  • Streamingdienste und andere audiovisuelle Netzangebote im Bildungskontext
  • Transformation von medialen Bildungsangeboten

Deadline für die Einreichung: 6.4.2020

Einreichungen zu den genannten Fragestellungen richten Sie bitte an Dr. Judith Kretzschmar, Studienkreis Rundfunk und Geschichte, jkretz@uni-leipzig.de.

Eingereichte Abstracts sollten maximal 3.000 Zeichen umfassen (exklusive etwaiges Literatur- oder Quellenverzeichnis). Die Veranstalter*innen entscheiden über die Annahme in einem Review-Verfahren. Rückmeldungen sind bis zum 30.4.2020 zu erwarten. Die Vorträge können auf Deutsch und Englisch gehalten werden; Konferenzsprache ist Deutsch.


Save the Date: 4.-5. Juni Studienkreis Jahrestagung/Annual Conference in Marl


04.-05. Juni 2020

Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte

Grimme-Institut in Marl

Thema: Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Bildungsmedien und Medienbildung

wir freuen uns Ihnen den Termin unserer Jahrestagung 2020 mitteilen zu können. Bitte reservieren Sie sich die beiden oben genannten Tage.

Nach 26 Jahren werden wir in diesem Jahr wieder zu Gast im Grimme-Institut in Marl sein und fragen in Fachvorträgen und Diskussionen nach der Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Bildungsmedien und Medienbildung.

Weitere Informationen zur Tagung inkl. der Anmeldemöglichkeit finden Sie in Kürze hier auf rundfunkundgeschichte.de.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und anregende Gespräche in Marl!

***

Annual Conference of the Studienkreis Rundfunk und Geschichte June 4-5 2020

Theme: Past, Present and Future of Educational Media and Media Education

We are pleased to announce the dates of our 2020 annual conference: please save both these dates in your calendar.

After 26 years, we will be hosted once more by the
Grimme Institute in Marl to explore the past present and future of educational media and media in education.

Watch this space for more information – we hope to see you there!

CfA: Themenheft „Objektgeschichten des Rundfunks“

Rundfunk und Geschichte
Themenheft „Objektgeschichten des Rundfunks“

Jahrgang 46, Nr. 1–2 (erscheint im Juni 2020) 

Call for Articles 

Im Anschluss an die in den letzten Jahren verstärkt sichtbar gewordene Hinwendung zum Materiellen möchte die Zeitschrift Rundfunk und Geschichte im Sommer 2020 ein Heft zur „Objektgeschichte des Rundfunks“ herausgeben. Bereits 2018 hat der Studienkreis Rundfunk und Geschichte eine Jahrestagung unter das Thema „Materialitäten“ gestellt. 2019 stand das Thema „Medien-Materialitäten“ im Mittelpunkt der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft in Köln. Beide Tagungen sowie verschiedene in letzter Zeit entstandene Publikationen¹ zeigen, dass materialitätsbezogene Ansätze Konjunktur haben. Man kann sogar sagen, dass durch diese Schwerpunktsetzungen wichtige und bislang vernachlässigte Aspekte der Mediengeschichtsschreibung in den Vordergrund gerückt wurden, die bisherige Narrative ergänzen oder gar in Frage stellen. 

Diese Überlegungen und Ansätze möchten wir mit einem Themenheft vertiefen. Für die im Juni 2020 erscheinende Ausgabe suchen wir daher nach Beiträgen, die eine Objektgeschichte des Rundfunks beleuchten. Dabei geht es keineswegs darum, Kulturgeschichte durch Technikgeschichte zu ersetzen. Schon gar nicht soll der Begriff „Objekt“ auf Technik oder Technologie beschränkt bleiben. Ganz im Gegenteil soll es der Ansatz ermöglichen, den bestehenden Erzählungen von technischen Erfindungen und ihren Erfindern (selten: Erfinderinnen) Alternativen entgegenzusetzen. Dieses Potenzial besitzen beispielsweise solche Ansätze, die Interaktionen und Netzwerke in den Blick nehmen und dabei die Analyse medialer Artefakte im Kontext produzierender, rezipierender und benutzender Menschen vornehmen. Weiterhin können Zusammenhänge zwischen dem Rundfunk und seinen medialen Ökologien bislang wenig beachtete Forschungsfelder freilegen; so ist beispielsweise bis heute wenig untersucht worden, inwieweit die Technologien und Architekturen der Radioproduktion sich in Abhängigkeit von und in Abgrenzung zu denen der (kommerziellen) Musikproduktion entwickelt haben. Für die im Rundfunk von Anfang an zentralen Medienarchive wiederum ist eine Verschränkung von archivierten und archivierenden Medien kennzeichnend. Dieser sonst nirgendwo anzutreffende, ganz eigene Materialismus macht diese Institutionen zu Reflektoren einer Objektgeschichte des Rundfunks par excellence

Wir freuen uns also über Einreichungen, die aus einer materialitätsgeschichtlichen Perspektive auf den Rundfunk blicken und somit auch Dokumente und Akten nicht als Informationsträger, sondern als materielle Objekte in den Blick nehmen. Ein Fokus kann beispielsweise auf folgende Aspekte gelegt werden: 

  • Ton- oder Fernsehstudios und Schnitträume
  • ihre Ausstattungen und Anordnungen
  • Funkhäuser und Architekturen
  • Speichermedien
  • Dokumente und Akten
  • Produktionsequipment, Mikrofone, Kameras, Computersysteme
  • Heimgeräte, häusliche Medienausstattung
  • Merchandising- und Fanartikel
  • u.v.m.

Wir hoffen, auf diese Weise alternative Rundfunkgeschichte(n) erzählen zu können. Hierfür interessieren wir uns für Forschungsberichte und -notizen, für Artefaktanalysen und Objektbeschreibungen, für Essays oder auch Interviews in unterschiedlichem Umfang (bis maximal 40.000 Zeichen). 

Bitte reichen Sie Abstracts im Umfang von max. einer Seite bis zum 1. Januar 2020 per Email ein. Der weitere Zeitplan: 

  • Rückmeldungen über die Annahme: bis 10. Januar 2020
  • Einreichung erste Fassung des Textes: spätestens 29. Februar 2020
  • Überarbeitungsphase: bis 31. März

Kontakt für Einreichungen und Rückfragen: kiron.patka@uni-tuebingen.de und karin.martensen@tu-berlin.de


1 Vgl. etwa die Themenausgabe von Zeithistorische Forschung 13 (2016), Nr. 3, „Der Wert der Dinge“, darin insbesondere das Editorial von Simone Derix, Benno Gammerl, Christiane Reinecke und Nina Verheyen: „Der Wert der Dinge: Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Materialitäten“ sowie den Essay von Stefanie Samida: „Materielle Kultur und dann? Kulturwissenschaftliche Anmerkungen zu einem aktuellen Trend in der Zeitgeschichtsforschung“; vgl. außerdem: Stefanie Samida u.a. (Hg.): Handbuch Materielle Kultur. Bedeutungen, Konzepte, Disziplinen, Stuttgart 2014; Gottfried Korff: „Dimensionen der Dingbetrachtung. Versuch einer museumskundlichen Sichtung“, in: Andreas Hartmann u.a. (Hg.): Die Macht der Dinge. Symbolische Kommunikation und kulturelles Handeln, Münster 2011, S. 11–26; Manfred Lueger und Ulrike Froschauer: „Artefaktanalyse“, in: Leila Akremi u.a. (Hg.): Handbuch Interpretativ forschen, Weinheim 2018, S. 775ff; Tarleton Gillespie u.a. (Hg.): Media Technologies. Essays on Communication, Materiality, and Society, Cambridge/ London 2013; Andreas Fickers: „Hands-on! Plädoyer für eine experimentelle Medienarchäologie“, in: Technikgeschichte 82 (2015), Nr. 1, S. 67–86. 


Noch freie Plätze im Medienhistorischen Forum! Frist verlängert bis 15.10.2019

Zur Teilnahme am diesjährigen Medienhistorischen Forum des Studienkreises RuG am 08./09. November in Lutherstadt Wittenberg sind noch Plätze zu vergeben! Interessierte können sich mit ihren Forschungsvorhaben und medienhistorischen Projektideen noch bis zum 15.10.2019 bewerben! Weitere Infos und Kontaktangaben entnehmen Sie bitte dem Call for Papers unter: http://rundfunkundgeschichte.de/call-for-papers-medienhistorisches-forum-2019-in-lutherstadt-wittenberg-08-09-11-2019/