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Jahrestagung 2019: Translation – Übertragung – Transmission. Call for Papers

Übersetzungsleistungen des Rundfunks in historischer und aktueller Perspektive

Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit SWR und ARTE | Baden-Baden, 13.-15. Juni 2019

Seit seiner Gründung vor knapp 100 Jahren ist mit dem Rundfunk die Hoffnung einer universellen Verständigung verbunden. Die Stimmen im Äther sollten Vorstellungen und Informationen über sprachliche, geographische und soziale Grenzen hinweg übertragen und die Entwicklung einer neuen Weltgesellschaft befördern. Auch wenn sich diese Erwartungen nur bedingt erfüllten, waren und sind bis heute daran zahlreiche Fragen geknüpft: Welche Bedeutungen können übertragen werden und welche neuen Bedeutungen werden erzeugt?

Welche sprachlichen, akustischen oder visuellen Inhalte des Rundfunks sprechen für sich, welche müssen angepasst, verlagert oder umgearbeitet werden? Wer spricht für wen, wer wird bevormundet und inwiefern können Übersetzungen zur Verstärkung von Stimmen oder zu deren Verstummen beitragen? Welche Sprachen und kommunikativen Formen dienen den Übertragungen? Letztlich erfordert jeder Medienwandel neue Übersetzungsleistungen über sprachliche, kulturelle, soziale, technische und Wissensgrenzen hinweg. Die Betrachtung von ‚Übersetzungen’ ermöglicht analytische Zugänge zu Kernbereichen der uns umgebenden Medien. Im 50. Jahr seines Bestehens möchte sich der Studienkreis für Rundfunk und Geschichte diesem Themenfeld zuwenden.

Um das Thema ‚Übersetzungen’ in den Medien angemessen aufzugreifen, genügt es nicht, nur nach der transkulturellen Dimension zu fragen. Vielmehr ist damit stets auch die Frage nach den impliziten Machtverhältnissen verbunden. In den Praxisfeldern von Übersetzungen, in den ‚translation zones’ (Emily Apter) werden kulturelle und politische Differenzen verhandelt und reproduziert. Hier sei auch auf die Actor-Network-Theory des französischen Soziologen Bruno Latour verwiesen, der die Betrachtung sozialer Interaktion um die Dimension nicht- menschlicher Akteure erweitert – was zugleich ein Schlaglicht auf die durch Technik und Medien erzeugten Machtverhältnisse wirft. Mit Blick auf die genannten Probleme von medialen Übersetzungen ist zudem die digitale Transformation der Rundfunkanstalten bzw. ‚sendenden‘ Massenmedien und die damit einhergehende Transformation der Öffentlichkeit und Gesellschaft in den Fokus zu rücken.

Die Beiträge sollten eine historische Dimension haben und können zu folgenden Aspekten eingereicht werden:

  • Standardisierte Praktiken zur Übersetzung ‚fremder‘ Inhalte (Simultanübersetzung, Untertitelung usw.) und die damit verbundenen Machtverhältnisse (z.B. in Interviews, Nachrichtenbeiträgen, Gerichtsverfahren)
  • Medienvermittelte Übersetzungsleistungen, code-switching und transkulturelle Aspekte
  • Sprachliche Übersetzungen, Adaptionen und internationaler Programmaustausch
  • Probleme des internationalen Formattransfers, Probleme der ‚Unübersetzbarkeit’.
  • Crossmediale (Format-)Übersetzung
  • transnationaler vs. nationaler Rundfunk
  • ‚Übersetzung‘ von Archivmaterial: Metadaten, Thesaurus und andere archivarische Transfers.

Deadline für die Einreichung: 14.4.2019

Einreichungen zu den genannten Fragestellungen richten Sie bitte an Dr. Veit Scheller, den Schatzmeister des Studienkreises Rundfunk und Geschichte: Scheller.V@zdf.de.

Eingereichte Abstracts sollten maximal 3.000 Zeichen umfassen (exklusive etwaiges Literatur- oder Quellenverzeichnis). Dem Abstract selbst ist ein Deckblatt mit den Daten zur Autorin bzw. zum Autor mitsamt Titel des Vortrages voranzustellen (bitte als zwei separate Dateien einsenden). Im Abstract selbst sollen die Autorinnen und Autoren nicht erkenntlich sein, um ein unabhängiges Review-Verfahren zu ermöglichen.

Die Veranstalter entscheiden ü̈ ber die Annahme in einem Review-Verfahren. Rückmeldungen sind bis zum 30.4.2019 zu erwarten. Die Vorträge können auf Deutsch und Englisch gehalten werden; Konferenzsprache ist Deutsch.

Call for Papers

Translation – Übertragung – Transmission.

Annual Conference of the Studienkreis Rundfunk und Geschichte

in cooperation with SWR and ARTE | Baden-Baden, June 13-15th, 2019

From its earliest origins, broadcast media have raised hopes of universal understanding. Voices, ideas and information would cross linguistic, geographical, and social barriers and allow new world communities to develop. These hopes instantly raised many questions: Which meanings or actions are carried over into a new realm and what new meanings are generated? What linguistic, acoustic or visual content is deemed to speak for itself, and what needs to be adapted, re-framed or reworked into a new language? Who is speaking for whom and how do these practices extend and/or silence the voices they act on? Which languages or communication forms supports acts of translations/transmissions? Throughout every transformation of broadcast media, their role in carrying messages and programmes across borders of linguistic, cultural, social and knowledge realms has persistently raised new issues of translation. The study of translation opens up analytical pathways into some of the core issues surrounding media.

To take up the question of translation in media raises not only questions of understanding but also questions of power. These ‘translation zones’ (Emily Apter) are places where differences of culture and power are negotiated and reproduced. Actor-Network Theory has further broadened the notion to include a wider range of human and non-human interactions, where any actor or force contrives to intervene on behalf of another, and as such opens up new inquiries into how power works through media in a number of ways.

Attention to these issues is rendered all the more urgent by both the continuing technological transformation of broadcast media into digital platforms that host a broad range of content, as well as the intensifying multicultural transformations of global society.

The Studienkreis Rundfunk und Geschichte would like to address these questions in the 50th year of its existence and has identified the following topics for the conference, for which contributions can be submitted:

  • Standardized practices for translating ‘foreign’ content (simultaneous translation, subtitles, etc.) and their power relations in interviews, news reporting, court trials, etc.
  • Mediated performances of translation, code-switching, and multi-culturalism
  • Translations, adaptations and circulations of original works (features, drama etc.)
  • The circulation and use of formats and other ‘pre-translation’ content
  • Mistranslation as media power: as resistant or satirical practice
  • Questions of untranslatable and/or untranslated content
  • Cross-media adaptations/translations (radio to TV, radio to podcast, etc)
  • Technologies of translation and transcription in the digital realm: google translate, voice/speech recognition, visualization
  • Translations of archive material for circulation and aggregation: metadata, thesaurus and other archival transfers.
  • Transnational storytelling on radio and public television.

Submissions to the above questions should be addressed to Dr. Veit Scheller, the treasurer of the Studienkreis Rundfunk und Geschichte: Scheller.V@zdf.de.

Submitted abstracts should not exceed 3,000 characters (excluding any literature or bibliography). The abstract itself should be preceded by a separate cover sheet with the author’s details, including the title of the talk (please send as two separate files). The abstract file itself should be anonymous in order to enable an independent review process.

Deadline for submission: 14.4.2019

The organizers decide on the acceptance in a review process. Feedback is expected by 30.4.2019. The lectures can be held in German and English; Conference language is German.


Margarete Keilacker gestorben

Wir haben die traurige Pflicht, Sie über den Tod unserer Kollegin und Chefredakteurin Dr. Margarete Keilacker zu informieren. Wie ihr Sohn Frank Keilacker mitteilt, starb Margarete nach kurzer schwerer Krankheit am 3. Februar 2019 im Alter von 71 Jahren. Sie war Mitglied im Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. seit 2009. Als Mitarbeiterin im Medienarchiv des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig zeichnete sie von 1999 bis 2008 für die Redaktion des Fachdienstes „Fernseh-Informationen“ verantwortlich. Mit Eintritt in den Ruhestand übernahm sie ab Heft 1-2/2012 die Redaktionsleitung der Zeitschrift „Rundfunk und Geschichte“. Der Studienkreis verliert mit Margarete nicht nur die Expertise der erfahrenen Journalistin und Vorstandskollegin, sondern auch eine charismatische Persönlichkeit, die es schaffte, die verschiedenen „Generationen“ unserer Mitglieder immer wieder zu verbinden und ins Gespräch zu bringen. Sie wird uns sehr fehlen. Ihre Beisetzung findet am 21. März um 10:30 Uhr im Friedwald Planitzwald nahe der Stadt Wurzen statt. Aufgrund der Natur des Begräbnisortes ist maximal das Mitbringen einer Blume gestattet. Eine ausführliche Würdigung ihrer Tätigkeit erfolgt im kommenden Heft der Zeitschrift „Rundfunk und Geschichte“.

Neues Buch ›Radio und Identitätspolitiken‹

Als Resultat der Tagung des Forschungsprojekts «Broadcasting Swissness», die 2016 in Kooperation mit dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte an der Universität Zürich stattfand, ist nun ein Sammelband erschienen: ›Radio und Identitätspolitiken. Kulturwissenschaftliche Perspektiven‹, hg. von Johannes Müske, Golo Föllmer, Thomas Hengartner und Walter Leimgruber.

Nähere Infos beim Verlag.

Wittenberg 2018 – Bericht vom Medienhistorischen Forum

Am 9. Und 10. November 2018 haben sich erneut NachwuchswissenschaftlerInnen in der Lutherstadt Wittenberg getroffen, um dort mit VertreterInnen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte und der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft über ihre Forschungsprojekte zu diskutieren. In seinem Expertenvortrag schlug Prof. Dietz Schwiesau, Wortchef Hörfunk und Trimedialer Nachrichtenchef beim MDR Sachsen-Anhalt, angesichts des historischen Datums einen Bogen von den „wilden“ Anfängen seines Senders im Jahr 1992 bis in die Gegenwart komplett digitaler Redaktionsumgebungen. Dabei ließ er hier und da ein Quäntchen Ironie durchblitzen, denn nur so schien sich der hart wirkende Kontrast zwischen den technischen und architektonischen Bedingungen eines öffentlich-rechtlichen Landesfunkhauses in den frühen 1990er Jahren mit denjenigen des 2014 eröffneten Hightech-Halbrunds des MDR in Magdeburg überbrücken, das sich gegenüber dem ersten Standort wie eine wahrgewordene Science-Fiction-Utopie ausnimmt. Kaum weniger radikal hat sich der journalistische Alltag in den letzten Jahrzehnten gewandelt – wobei die Zukunft im Jahr 2019 ähnlich offen zu sein scheint wie im Jahr 1992. Mit Schwiesau ist ein erfahrener Journalist für die digitale Transformation beim MDR-Sachsen Anhalt zuständig, der sich – wie er erzählt – bei den inzwischen auch auf Social-Media-Kanäle ausgeweiteten Aufgaben gleichermaßen auf die Kompetenz seiner RedaktionskollegInnen stützt wie auf junge IT-Talente, für die der Rundfunk allerdings nicht selten vor allem ein Karrieresprungbrett darstellt.

Die Projektvorträge eröffnete Simon Sax von der Universität Bremen mit seinem Dissertationsvorhaben über den Journalisten Walter Gyssling (1903–1980). Sax interessieren dabei nicht nur die Bezüge eines deutsch-jüdischen Journalistenlebens zur Pressegeschichte der Weimarer Republik, sondern auch grundsätzlich der methodische Umgang mit Biografien und ihr struktureller Stellenwert in der heutigen Kommunikationswissenschaft.

Ebenfalls am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen arbeitet Arne L. Gellrich über die Frühgeschichte internationaler Entwicklungspolitik. Die Dissertation entsteht im Rahmen eines DFG-Projekts zur Transnationalen Kommunikationsgeschichte des Völkerbunds in der Zwischenkriegszeit (1920–1938). Der Völkerbund sollte nach der traumatischen Erfahrung des Ersten Weltkriegs als ständige Einrichtung das Funktionieren internationaler Diplomatie, mithin die zwischenstaatliche Kommunikation gewährleisten. Mit Fokus auf das Mandatssystem zur Verwaltung der ehemaligen deutschen Kolonien untersucht Gellrich den Völkerbund als eine transnationale Kommunikationsschnittstelle, deren komplexe Informationsflüsse und Akteurskonstellationen in einer Kombination aus „Biografie und Bürografieerschlossen werden sollen.

Den Kreis der Bremer KollegInnen schloss Christina Sanko, die als ausgebildete Journalistin mit Auslandserfahrung über mediale Praktiken kollektiver Erinnerung in Vietnam forscht. Ihre Studien eröffnen ein Spannungsfeld, in dem die kolonialen Kriege, unter denen das Land jahrzehntelang zu leiden hatte, bis heute ihre Schatten werfen. Anhand von Befragungen zeigt Christina Sanko, dass sich zwischen historischen Gegensätzen und sehr unterschiedlichen Generationenerfahrungen bis heute kaum so etwas wie eine Nationalidentität mit entsprechender Medienkultur und Erinnerungspraxis in Vietnam entwickelt hat.

Wie soll man nach dem Ende des Krieges aus der ideologischen Umklammerung „aussteigen“, die ihn begleitet oder gar provoziert hat? Dieser Frage widmet sich auch Valentin Bardet (ENS Paris-Saclay) mit Blick auf die französische Entnazifizierungspolitik nach 1945. Bardet interessieren die Zusammenhänge zwischen der Kulturpolitik in der französischen Besatzungszone und der Arbeit des Südwestfunk-Orchesters von 1945–1955. Was wurde gesendet, was nicht, welche Kontinuitäten in der Orchesterbesetzung ergaben sich beim „Neuanfang“ in Baden-Baden? Inwieweit sich der Prozess des „sortir de guerre“ – also die in der neueren französischen Geschichtsforschung vertretene Perspektive eines nicht punktuellen, sondern transformativen Kriegsendes – an der ‚Musikpolitik‘ des frühen SWF ablesen lässt, bleibt eine Frage, auf deren Bearbeitung man gespannt sein darf.

Mit Medientechnikgeschichte beschäftigen sich Tobias Held und Christoph Borbach in ihren Arbeiten. Tobias Held beforscht an der Bauhaus-Universität Weimar die Geschichte der Videotelefonie. In seinem Vortrag zeigt er, wie sich die Videotelefonie seit den 1970er und 1980er Jahren von einem exklusiven Unternehmertraum in ein massenhaftes Individualmedium verwandelt hat, dessen Technologie und Ästhetik längst auf massenmediale Formate zurückwirkt. Als studierter Designer schaut Held mit einem besonderen Blick auf die Bildtelefonie, deren früheste (Tele-) Visionen (wie die Karikaturen Albert Robidas) in eins fallen mit den Anfängen der Fernsehentwicklung. Einen Seitenarm der Radiogeschichte bearbeitet Christoph Borbach am DFG-Graduiertenkolleg Locating Media an der Universität Siegen unter dem Titel Zeitkanäle/Kanalzeiten – Eine Mediengeschichte des Δt. Gleichzeitig mit der Utopie des frühen Rundfunks als Kommunikationsform, in der Raum und Zeit eliminiert und der Völkerverständigung damit nichts mehr im Wege zu stehen schien, wurden mit Hilfe der Radiotechnik verfeinerte Messverfahren entwickelt, aus der Technologien wie Echolot, Radar und Sonar hervorgingen, die zunächst weniger völkerverständigenden Zwecken dienten. Mit Christoph Borbachs Fokus einer Mediengeschichte der Verzögerung wird klar, dass sich aus dem ‚Kanal‘, der Laufzeit eines elektromagnetischen Signals auf einer bestimmten Frequenz eine eigene Kultur des Messens, Ortens und Speicherns entwickelt hat, deren Ausleuchtung sich sowohl technikhistorisch als auch medientheoretisch zu lohnen scheint.

Zum Schluss präsentierte Kathrin Meißner vom Berliner Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner bei Berlin ihr Projekt über das Verhältnis von Medien, Stadtplanung und städtischer Öffentlichkeit im 20. Jahrhundert. Konkret geht es um die visuellen Strategien etwa mit Dias, Karten, Luftbildern oder Modellen, mit deren Hilfe stadtplanerische Eingriffe im 20. Jahrhundert kommuniziert wurden. Welche Wechselbeziehungen bestanden mit Anwohnern und der Öffentlichkeit? Kathrin Meißner will belastbare Daten zur Geschichte der Planungskommunikation erhalten, mit denen die aktuellen und zukünftigen Stadtplaner ihre Modelle der Bürgerbeteiligung verbessern können.

 

Kai Knörr

Medienhistorisches Forum – Bewerbung bis 14. Oktober 2018 möglich

AbsolventInnen und NachwuchswissenschaftlerInnen können sich mit verlängerter Frist noch bis 14. Oktober bewerben, um ihre Arbeiten und Projekte im Medienhistorischen Forum am 09. und 10. November 2018 in Lutherstadt Wittenberg zu präsentieren. Die Veranstalter sind Kai Knörr (Studienkreis Rundfunk und Geschichte), Dr. Erik Koenen und Christina Sanko (Sprecher des Nachwuchsforums Kommunikationsgeschichte der DGPuK – NAKOGE) sowie Dr. Thomas Birkner und Dr. Christian Schwarzenegger (Sprecher der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK). Es können bis zu 20 NachwuchswissenschaftlerInnen teilnehmen. Näheres zu den Teilnahmebedingungen entnehmen Sie bitte unserem untenstehenden Call. Senden Sie Ihr Paper bitte innerhalb der verlängerten Frist an unser Vorstandsmitglied Dr. Judith Kretzschmar: jkretz@uni-leipzig.de.

Medienhistorisches Forum am 09./10. November 2018 in Wittenberg

Auch in diesem Jahr erhalten NachwuchswissenschaftlerInnen wieder die Möglichkeit, Forschungsthemen aus der Kommunikations- und Mediengeschichte vorzustellen und mit ExpertInnen aus Wissenschaft und Praxis über Fragestellungen, Probleme und Methoden ihrer Projekte zu diskutieren. Das Medienhistorische Forum für AbsolventInnen und Forschungsnachwuchs versteht sich als Plattform, die eine Vernetzung mit anderen ForscherInnen, aber auch mit VertreterInnen von Rundfunkanstalten und Medienarchiven in einer freundlichen und produktiven Atmosphäre ermöglichen soll. Willkommen sind Papers zur Kommunikations- und Mediengeschichte in ihrer ganzen Breite.
Die Veranstalter sind Kai Knörr (Studienkreis Rundfunk und Geschichte), Dr. Erik Koenen und Christina Sanko (Sprecher des Nachwuchsforums Kommunikationsgeschichte der DGPuK – NAKOGE) sowie Dr. Thomas Birkner und Dr. Christian Schwarzenegger (Sprecher der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK).

Am Medienhistorischen Forum für AbsolventInnen und Forschungsnachwuchs können bis zu
20 NachwuchswissenschaftlerInnen teilnehmen. Dies kann in zweierlei Weise erfolgen:

1.    Vortragende Teilnahme: Der/ die Teilnehmende bewirbt sich mit einem Exposé und stellt bei angenommenem Exposé sein/ ihr Thema vor, das anschließend ausführlich diskutiert wird.

2.    Diskutierende Teilnahme: Der/ die Teilnehmende bewirbt sich mit einem Exposé und nimmt bei nicht angenommenem Exposé durch Diskussion aktiv am Forum teil.

Voraussetzung für die Teilnahme am Medienhistorischen Forum ist die Einreichung eines Exposés, das die Grundlinien des geplanten Vortrages (Fragestellung, Methode/theoretische Perspektive, Quellen) umreißt und zwei Seiten Text (6.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, plus Literaturangaben) umfassen soll. Die Exposés sind bis zum 01. September 2018 an folgende Adresse zu mailen:

Dr. Judith Kretzschmar, Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V., jkretz@uni-leipzig.de

Die Auswahl der Vorträge erfolgt in einem anonymen Reviewverfahren durch die Veranstalter. Deshalb sollten alle Angaben zur Person nur auf dem Deckblatt des Exposés platziert sein. Die neun besten Einreichungen werden als Vorträge angenommen, die Nächstplatzierten werden zur diskutierenden Teilnahme eingeladen.

Vortragende TeilnehmerInnen erhalten eine Reisekostenunterstützung von bis zu 100 Euro.
Eröffnet wird die zweitägige Veranstaltung traditionell mit einem Expertenvortrag, der Einblicke in Praxisfelder von Medien und Forschung gibt. Es besteht die Möglichkeit einer preiswerten Übernachtung im Einzelzimmer (Du, WC) direkt am Tagungsort für 35 Euro.

Rückblick zur Tagung in Mannheim

Materialitäten – An den Schnittstellen von Rundfunk- und Technikgeschichte
Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte im TECHNOSEUM Mannheim

von Uwe Breitenborn

Materialitäten der Mediengeschichte standen im Fokus der diesjährigen Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte, die am 28. und 29. Juni 2018 in Kooperation mit dem TECHNOSEUM Mannheim stattfand. Der Tagungsort war für dieses Vorhaben ein Glücksfall und wurde zugleich mit Bedacht gewählt, da das Museum justament am 28. Juni feierlich einen neuen Ausstellungsteil zur Mediengeschichte eröffnete. Das passte also hervorragend. Abzutasten, welche Wege in der aktuellen und künftigen Rundfunkforschung zur Technikgeschichte führen und wie diese zum Verständnis der Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts, aber auch der medialen Gegenwart im 21. Jahrhundert nutzbar gemacht werden kann, das war die Intention der Tagung. Wie gehen wir in neuen handwerklichen und künstlerischen Kontexten mit analogem Material und Gerät um? Welche Rolle spielen technische Umgebungen für die Mediengestaltung? Wie kann das technische und handwerkliche Wissen des Magnetbands und der Elektronenröhre zum medienhistorischen Verständnis des 20. Jahrhunderts aufbereitet werden? Braucht es, ähnlich zur Musikgeschichte, eine „historische Aufführungspraxis“ analoger Medien? Welche Berührungspunkte gibt es zwischen Archiv und Technikmuseum?

Die Tagungsteilnehmer wurden zunächst von Alexander Badenoch (Vorsitzender des Studienkreises) und Stefanie Roth begrüßt. Die Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im TECHNOSEUM verwies auf die Philosophie des Hauses, sozialgeschichtliche Aspekte der Technikgeschichte zu fokussieren. Naturwissenschaftliche Kenntnisse sind dabei als Voraussetzung für die Technikentwicklung von höchstem Stellenwert. Anschließend überraschte die Leiterin des SWR-Studios Mannheim-Ludwigshafen, Dagmar Schmidt, in ihrer Begrüßung mit einem Exemplar ihrer Magisterarbeit, die sie unter Betreuung der Studienkreis-Urgesteine Friedrich P. Kahlenberg und dem anwesenden Wolfgang Hempel an der Mannheimer Universität geschrieben hat. Ganz nebenbei betonte Dagmar Schmidt damit auch, dass wesentliche Wurzeln der deutschen Mediengeschichtsforschung in dieser lebhaften Region Baden-Württembergs liegen. Im Mittelpunkt ihrer Rede stand jedoch die Frage, wie die Regionalprogramme des Südwestfunks auf die technischen Herausforderungen der Gegenwart reagieren. Das sprachliche Bild vom „Reporter-Rucksack“, der den klassischen Ü-Wagen abzulösen beginnt, stand hier stellvertretend für Miniaturisierungs- und Digitalisierungstrends.

Jürgen Grimm von der Universität Wien setzte in seiner Keynote über Geschichtskommunikation ganz eigene Akzente zum Tagungsthema. Er stellte ein Forschungsdesign vor, bei dem die Wirkung sogenannter Geschichtskommunikate (Filme) länderübergreifend analysiert wurde. Mit teils recht überraschenden Ergebnissen. Er fragt, ob beispielsweise Holocaust-Filme bei der Humanitätsvermittlung (Aggressionskontrolle, Communitas-Fähigkeiten u.a.) funktionieren. So wurde Alain Renais Film „Nacht und Nebel“ (1956) Probanden in acht Ländern vorgespielt und danach Einstellungsänderungen registriert. Interessant war der Misanthropie-Effekt, der vor allem in Deutschland und Österreich festgestellt werden konnte. In der Diskussion wurde berechtigter Weise kritisch nachgefragt, inwieweit diese Effekte nicht zu kurzfristig angelegt sind, da sich Einstellungsänderungen eher längerfristig vollziehen.
Im ersten Panel „Arbeitsumgebungen“ näherte sich Kiron Patka (Tübingen) in seinem „Werkstattbericht“ dem „Sehnsuchtsort Pult“, womit er auf geschlechtsspezifische Rollenmuster in technischen Berufen in der Radioproduktion nach 1945 aufmerksam machte. Es ist durchaus beklemmend zu registrieren, dass Frauen noch in den siebziger Jahren aus wichtigen Berufs- und Ausbildungsfeldern systematisch ausgegrenzt waren. Frauen und Männer arbeiteten als Tontechniker/innen; von Tätigkeiten technischer Kontrolle am Mischpult waren Frauen aber kategorisch ausgeschlossen. Frauen standen „am Band“. Der unbedarfte Schlager „Wir sind die Mädchen vom Band“ von Helmut Enz verlieh dieser Erkenntnis eine durchaus bizarre Note. Die anschließende rege Diskussion offenbarte die Notwendigkeit, Genderaspekte in der Technikbetrachtung stärker in den Blick zu nehmen und dabei vergleichend die Entwicklung in der DDR zu betrachten.
Im zweiten Panel ging es um Medienarchäologien. Archäologie ist die Wissenschaft von den sichtbaren Überresten alter Kulturen, von der schichtweisen Freilegung verdeckter Befunde. Einen experimentellen Zugang zur Medienarchäologie beschrieb Stefan Krebs (Luxemburg) am Beispiel der Geschichte der Kunstkopf-Stereophonie. Gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk wurde 2016 ein Hörspiel mit historischer Kunstkopf-Technik umgesetzt, das gleichzeitig auch als künstlerische Performance daherkam. Sein Vortrag stellte diesen Ansatz einer experimentellen Medienarchäologie als heuristisches Mittel vor, das helfen kann, ein historisch-kritisches Verständnis für die sozio-technische Konstruktion von Medieninhalten und zugleich einen quellenkritischen Blick zu entwickeln, indem man die handwerklichen Abläufe praktisch nachvollzieht Im zweiten Vortrag des Panels widmete sich Andre Dechert von der Uni Augsburg der Frage, wie der Programmaustausch hinsichtlich amerikanischer Serien bis in die sechziger Jahre organisiert war. Entsprechend der damaligen Bildstandards wurden 16mm-Kopien zu den Sendern transportiert, die diese nach Ausstrahlung weiter- oder zurückgeben mussten. Dieses ans Material gebundene und damit aufwendige Distributionsverfahren und die darin involvierten Akteure waren in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten Vorboten transnationaler Fernsehmärkte, die sich bis heute immer mehr verdichteten und ausdifferenzierten.

Der zweite Tagungstag begann mit den Arbeitstreffen der Fachgruppen des Studienkreises: Rezeptionsgeschichte, Radiofeature, Speicherkulturen und Rundfunkhistorische Gespräche. Zudem wurde eine neue Gruppe zur Technikgeschichte ins Leben gerufen, die thematisch eng mit der Speicherkulturen-Gruppe korrespondieren soll. Anke Keller, die Kuratorin der neuen Ausstellung „Mediengeschichte“ im TECHNOSEUM, führte im Anschluss die Tagungsteilnehmer durch die Ausstellung und konnte dabei nochmal exklusiv das museumsdidaktische Konzept erläutern.

Den Start ins finale Panel der Tagung übernahmen Britta Herrmann und Vera Mütherig (Münster), die in ihrer Präsentation die Materialität und Ästhetik audiomedialer Texte am Beispiel einiger Hörspiele unter die Lupe nahmen. Aus einem eher literaturwissenschaftlichen Kontext heraus fragten sie nach der ästhetischen Funktion von Materialität im akustischen Erzählen. Hört man eine Materialität des Digitalen? Die „Hyperbrillianz des Digitalen“ scheint Materialitäten zu verdecken, aber die Forscherinnen konnten zeigen, welche historisch neuen Spuren hörbar werden. Auch der oft beschriebene „Bruch mit dem Analogen“ sei so nicht klar zu konstatieren.
Um „Verschaltungen“ ging es bei Christina Dörfling aus Berlin, die bereits eine Masterarbeit zur Geschichte des Schwingkreises verfasst hat und nun im Bereich Musikwissenschaft an der Universität der Künste (UdK) promoviert Auf der Tagung stellte sie Ihr Thema vor und referierte über das Eindringen des Rundfunks in die Ausbildung von Musikern, wie sie ab 1930 in der Berliner Rundfunkversuchsstelle institutionalisiert wurde. Am selben Ort befindet noch heute ein Tonstudio der UdK. Der Vortrag offenbarte die engen Abhängigkeiten, die zwischen Musikkultur und technischer Akustik seit dem Erscheinen des Rundfunks in der Übertragungs-, Aufzeichnungs- und Herstellungspraxis bestehen – auch in digitalen Zeiten.
Mit der einstigen gesellschaftlichen Funktion von Radio Free Europe beschäftigt sich Anna Grutza, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Germanistik/Medienwissenschaft der Europa-Universität Flensburg arbeitet. Neue Erkenntnisse zu diesem spannenden medienhistorischen Kapitel des Kalten Kriegs hat sie in ihrem Vortrag zur Macht der „unveränderlichen mobilen Elemente“ in Aussicht gestellt, die sie vor allem mit Hilfe der Akteur-Netzwerk-Theorie des französischen Soziologen und Philosophen Bruno Latour gewinnen will. Latour denkt sich soziale, technische und natürliche Objekte als gleichberechtigte Punkte einer Netzwerkstruktur, deren Betrachtung ein neues Bild von historischen Orten und Institutionen ergeben soll. Die Diskussion zeigte, dass ein vergleichender Blick auf andere, historisch besser erschlossene Felder der Rundfunkpropaganda auch für die Einordnung des Materials von Radio Free Europe nützlich sein kann.

Auch Digitalisierung funktioniert nicht ohne Materialitäten, wie Kai Knörr, stellv. Vorsitzender des Studienkreises, gleich zu Beginn der Tagung feststellte. Die Tagung hat dieser Erkenntnis einige Facetten hinzugefügt. Auch die frische Mediengeschichtsausstellung im TECHNOSEUM lieferte hierfür zahlreiche Belege. Festzuhalten bleibt, dass die Reihe der Jahrestagungen, vor allem mit denen in Wien (2015) und Potsdam (2016) eine beachtliche thematische Konsistenz aufweist. Das wird im kommenden Jahr fortgesetzt, wenn der Studienkreis sein 50-jähriges Jubiläum in Baden-Baden beim SWR begeht. Das Thema der international zugeschnittenen Tagung 2019 wird dann „Media-Translations/Übersetzungen“ lauten.

Programm und Anmeldung Jahrestagung „Materialitäten“ 28.-29. Juni 2018 in Mannheim

Materialitäten – An den Schnittstellen von Rundfunk- und Technikgeschichte

Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte lädt herzlich zu seinem Jahrestagung 2018 ein.  Diese findet am 28. und 29. Juni 2018 in Kooperation mit dem TECHNOSEUM – Landesmuseum für Technik und Arbeit in eben diesem Museum in Mannheim statt. Sie fällt zusammen mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung Mediengeschichte, in der bedeutende Bestände rundfunkhistorischer Produktions-, Übertragungs- und Empfangstechnik, inklusive Sammlungen des ehemaligen Deutschen Rundfunk Museum Berlin (DRM) und des Südwestrundfunks, aus dem Depot neu ans Licht kommen. Wir nutzen die Gelegenheit, um im Tagungsthema »Materialitäten« das Thema der Technikgeschichte erneut aufzugreifen und mit aktuellen Ansätzen neu zu beleuchten.

Tagungsgebühr:

Die Teilnahme an der Tagung kostet 40.- € für Studienkreismitglieder (50.- € für Nicht-Mitglieder) und beinhaltet Tagungsverpflegung. Studierende zahlen 25.- €. 

Bitte überweisen Sie die Tagungsgebühr bis 27.6.2018 unter Angabe Ihres Namens und des Verwendungszwecks ›Tagung 2018‹ auf das Konto des Studienkreises Rundfunk und Geschichte
Frankfurter Sparkasse von 1822
IBAN: DE20 5005 0201 0000 3920 49
BIC: HELADEF1822

Anmeldung:

Zur diesjährigen Jahrestagung melden Sie sich bitte bis zum 27. Juni 2018 via Anmeldeformular an.

Bis zum 25.5. ist es auch möglich, mit Tagungsrabatt Zimmer im Hotel im Mercure Hotel Mannheim zu reservieren.  Details entnehmen Sie dem Anmeldeformular.

Anreisedetails:

Sind hier als pdf abzurufen.

Weitere Informationen zur Anreise sind unten angefügt.

Programm

 

Donnerstag 28.6.2018

11.00  Empfang Tagungsgäste

12.00-12.40 Gelegenheit zum Mittagessen in der „Arbeiterkneipe“
im TECHNOSEUM

12.40 – 14.00 Eröffnung
Begrüßung:

  • Prof. Dr. Alexander Badenoch, Vorsitzender des Studienkreises
  • Dr. Stefanie Roth, Leiterin Abt.  Öffentlichkeitsarbeit im TECHNOSEUM
  • Dagmar Schmidt, Leiterin des SWR-Studios  Mannheim-Ludwigshafen

Keynote: Prof. Dr. Jürgen Grimm (Universität Wien) „Geschichtskommunikation im transnationalen Raum. Theorie – Modell -Befunde“

14.00 Kaffeepause

14.30 – 15.30 Panel 1  „Arbeitsumgebungen“
Moderation Prof. Dr. Alexander Badenoch

14.30 PD Dr. Christian Henrich-Franke / Laura Elsner, M.A. (Siegen)

Rundfunkunternehmen im Wandel der Kommunikationstechnik / Globale (Unternehmens-)Kommunikation im 20. Jahrhundert (Ausstellungskonzept)

15.00 Dr. Kiron Patka (Tübingen)
Sehnsuchtsort Pult. Gegenderte Berufs(selbst)bilder in der Radioproduktion nach 1945

15.30 Kaffeepause

16.00 – 17.30 Panel 2 „Medienarchäologien“
Moderation Dr. Uwe Breitenborn

16.00 Jens Crueger (Bremen)
Die „Archäologie“ in der Medienarchäologie – archäologietheoretische Betrachtung einer medienwissenschaftlichen Methode
16.30 Dr. Stefan Krebs (Luxemburg)
Überlegungen zur Experimentellen Medienarchäologie am Beispiel der Geschichte der Kunstkopf-Stereophonie
17.00 Dr. Andre Dechert (Augsburg)
Distribution im analogen Zeitalter: Vom 16mm-Film und US-amerikanischen TV-Serien in Deutschland, Österreich und die Schweiz, 1950er bis 1960er Jahre

17.30 Abendimbiss in der „Arbeiterkneipe“

19.00 Festveranstaltung zur Ausstellungseröffnung im „Auditorium“

20.00 Ausstellungseröffnung

Freitag 29.6.2018

09.00 – 10.30 Vorstandssitzung des Studienkreises RuG

10.30-11.30 Arbeitstreffen der fünf Fachgruppen des Studienkreises: Rezeptionsgeschichte, Radiofeature, Musik im Radio, Speicherkulturen, Rundfunkhistorische Gespräche.
Gäste sind sehr willkommen!

11.30-12.00 Rundführung Dr. Anke Keller, TECHNOSEUM

12.00-12.40 Mittagspause in der „Arbeiterkneipe“

12.40–14.10 Panel 3 „Funkmaterialitäten“
Moderation Kai Knörr, M.A.

12.40 Prof. Dr. Britta Herrmann / Vera Mütherig, M.A. (Münster)
Analog/digital. Materialität und Ästhetik audiomedialer Texte am Beispiel einiger Hörspiele

13.10 Christina Dörfling, M.A. (Berlin)
Verschaltungen – Rundfunktechnik und elektronische Musik um 1930

13.40 Anna Grutza, M.A. (Flensburg)
Radio Freies Europa und die Macht der ‚unveränderlichen mobilen
Elemente’: Eine transnationale Mediengeschichte systemkritischer
Akteur-Netzwerke im Kalten Krieg“

14.10 Abschlussrunde
14.30 Verabschiedung und Tagungsende

Zusätzliche Informationen zur Anreise:

Ab Hauptbahnhof mit der Straßenbahnlinie 1 zum „Tattersall“, von dort mit den Linien 6 oder 6a. Richtung Neuostheim oder Neuhermsheim,. Haltestelle „Luisenpark / TECHNOSEUM“ oder „TECHNOSEUM Süd“.

PKW:
Adresse: Museumsstr. 1, 68165 Mannheim
Nicht alle Navigationssysteme erkennen die Adresse des Museums. Bitte geben Sie „Theodor-Heuss-Anlage 2“ ein, um auf einen der Besucherparkplätze des Museums (Parkplätze „Friedensplatz 1-3“) geleitet zu werden.

Koordinaten Parkplatz Friedensplatz 1 für Ihr Navigationsgerät: 49.479131,8.493559
Rund um das TECHNOSEUM stehen verschiedene Parkplätze zur Verfügung. In Richtung Mannheim Mitte von der Wilhelm-Varnholt-Allee (L637) kommend, biegen Sie rechts in die Schubertstraße ein und folgen dem Straßenverlauf weiter auf der Theodor-Heuss-Anlage bis zur Ausschilderung „Parkplatz Friedensplatz“: Hier befinden sich kostenlose Parkplätze. Die Brücke über den See oder der Rundgang führt Sie dann zum Haupteingang des Museums.

Bericht vom Medienhistorischen Forum 2017

Am 10. Und 11. November 2017 fand in der Lutherstadt Wittenberg wieder das Medienhistorische Forum statt. Gemeinsam mit dem Nachwuchsforum Kommunikationsgeschichte der DGPuK bot der Studienkreis Rundfunk und Geschichte jüngeren Wissenschaftler/innen Gelegenheit, über ihre Forschungsthemen aus der Kommunikations- und Mediengeschichte zu sprechen und sich institutionell zu vernetzen.

Knapp 20 Teilnehmer/innen aus Wissenschaft und Praxis diskutierten über Fragestellungen, Probleme und Methoden geplanter oder laufender Forschungsprojekte. Veit Scheller, Leiter des ZDF-Unternehmensarchivs und Vorstandsmitglied im Studienkreis, lieferte in seinem Abendvortrag spannende Hintergrundinformationen zur Aufgabe und Ausrichtung eines der wichtigsten audiovisuellen Medienarchive in Deutschland. Themen waren digitale Produktion, Umgang mit Metadaten aus Archivdatenbanken und die heutige Handhabung von Datenströmen und Speicherkapazitäten. Mit Blick auf das noch immer recht enge Korsett, in das Wissenschaftler/innen bei der Nutzung öffentlich-rechtlicher Senderarchive aus Gründen des Urheberrechts, geltender Produktionsverträge und Persönlichkeitsrechte gepresst sind, sprach sich Scheller für die Formulierung eines neuen Nutzungsrechts aus, bei dem die heutigen exorbitant langen Schutzrechte so modifiziert und verkürzt werden, dass dadurch der Archivzugang für  die medienwissenschaftliche und zeithistorische Forschung deutlich erleichtert werden könnte. Ideen und Ansätze dazu gäbe es.

Den Auftakt der Projektvorträge machte Niklas Venema (Berlin), der seine Doktorarbeit an der Freien Universität Berlin über die „Geschichte des Volontariats in Deutschland von 1900 bis heute“ schreibt. Venema will herausfinden, wie sich die journalistische Ausbildung im Spannungsfeld beruflicher Traditionen, Autonomieansprüche und Akademisierung entwickelt hat. Dazu will er Autobiographien, Unterlagen aus Redaktions- und Verlagsarchiven, statistische Daten und Beiträge der Berufsverbände heranziehen.

„Diskursive Konstruktionen von Emil Dovivat am Institut für Publizistik (- und Kommunikationswissenschaft) an der Freien Universität Berlin“ interessieren Juliane Pfeiffer (Leipzig). Mit einer Diskursanalyse möchte sich Pfeiffer dem historischen Bild des „Nestors der Zeitungswissenschaft“ und dessen Konjunkturen am Institut für Publizistik nähern, um den Umgang der Kommunikationswissenschaft mit deren „Vorgeschichte“ in der NS-Zeit zu konturieren. Der Höhepunkt der Auseinandersetzung um Dovivat und sein Verhalten im Nationalsozialismus liegt schon zwei Jahrzehnte zurück. Die Debatte um Kontinuitäten nach 1945 scheint sich seitdem beruhigt zu haben – allerdings zeigte sich in der nachfolgenden Diskussion, wie eng das Fach noch immer an die Arbeiten Dovivats und dessen „Nachfolger“ (B. Sösemann) anschließt.

Theo Müller (Paris) untersucht in seiner Arbeit den „Presseausweis als Distinktionsmerkmal im französischen und deutschen Journalismus“ und zeigte schon im Vortrag, wie verschieden die journalistischen Kulturen beider Nachbarländer bis heute sind. So entscheidet der in Frankreich ungleich komplizierter zu bekommende Pressausweis faktisch, wer sich als professioneller Journalist betätigen darf – und wer nicht. Indem Müller nach den historischen Umständen fragt, möchte er auch einen vergleichenden Blick auf die neuere journalistische Praxis werfen und herausfinden, ob dem Presseausweis als Distinktionsmerkmal in digitalen Zeiten vielleicht sogar eine Aufwertung bevorsteht.

Jeder, der sich im Hörfunk oder im Film mit Ortsaufnahmen beschäftigt, kennt sie, die „Atmo“. Fritz Schlüter (Potsdam) will unter diesem Titel in einer medienwissenschaftlichen Dissertation untersuchen, was diese Art der Raum- oder Außenaufnahmen in ihrer Mischung aus Zufälligkeit und Signifikanz auszeichnet und welche Funktionen Atmo in akustischen Medien spielt. Dabei will er einen Ansatz zur Geschichte, Ästhetik, Medialität und Funktion entwickeln, der die Affekt- und Bedeutungsebene solcher alltäglich gebrauchter Klänge gleichermaßen beleuchtet.

Stephan Summers (Mainz) wiederum interessiert sich für das Verhältnis „Musik – Programm – Politik“ bei den Sendern der amerikanischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1949. Wie wurden kulturpolitische Vorstellungen der Amerikaner in Musiksendungen umgesetzt? Wie sah der Neuanfang der Sender Frankfurt, Stuttgart, München, Berlin und Bremen gegenüber der alten NS-Programmpolitik aus und gab es unterschiedliche Strategien in den Funkhäusern? Seinen Untersuchungsschwerpunkt legt Summers dabei auf E-Musik.

Über „Soziales Engagement, Bewegungsnetzwerke und öffentliches ‚Frauenstreben‘“ forscht Désirée Dörner (Augsburg) und erarbeitet eine Art historisches „Bewegungsprofil“ der bayrischen Frauenbewegung um 1900. Ihre Vorrecherchen haben gezeigt, dass eine gute Quellenbasis um den Münchner Verein für Fraueninteressen besteht, die zeigt, wie die Akteurinnen ein publizistisches-institutionelles Netzwerk aufbauten, dessen Erfolg auch in der systematischen Dokumentation seiner eigenen Kommunikationen bestand.

Aus der Perspektive der Radiopraktikerin und Kulturwissenschaftlerin betrachtet Susanne Wegner (Eichstätt) „Narrative Strukturen und Deutungsmuster im Radio am Beispiel der aktuellen Holocaust-Berichterstattung“. Im Vortrag diskutierte sie unterschiedliche Hörzitate aus öffentlich-rechtlichen Tagesprogrammen und fragte nach der Rolle journalistischer Medien bei der Konstruktion kollektiver Erinnerung, vor allem im Hinblick auf akustische Macharten.

Um ein ganz anderes Thema kollektiver Erinnerung geht es Nils Theinert (Berlin), der sich in seiner Masterarbeit an der FU Berlin mit dem so genannten „Hippie Trail“, konkret: „Westliche[n] Alternativtouristen der ‚langen‘ 1960er Jahre im Blick von Fernsehberichten 1970-2008“, beschäftigt, und das Thema zu einer Dissertation auszubauen plant. Das Thema verspricht nicht nur einen Blick auf eine vergessene Ästhetik von Reiseberichten über die Post-68er, sondern auch auf (medien-)politische Formationen des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

Kai S. Knörr, Potsdam

Jahrestagung 2018 „Materialitäten“ – Einreichungsfrist bis zum 9.4.2018 verlängert

Die Einreichungsfrist für das Call for Papers für die Jahrestagung des Studienkreises ist bist zum 9.4.2018 verlängert!

Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte e.V. in Kooperation mit dem TECHNOSEUM – Landesmuseum für Technik und Arbeit, Mannheim

Termin: 28. + 29. Juni 2018 im TECHNOSEUM Mannheim

Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte geht 2018 ins Museum und wird sich auf seiner Jahrestagung der technischen Überlieferung des Rundfunks zuwenden. Anlass ist die Eröffnung der neuen Dauerausstellung Mediengeschichte im TECHNOSEUM – Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. In den Depots des TECHNOSEUM lagern bedeutende Bestände rundfunkhistorischer Produktions- Übertragungs- und Empfangstechnik, darunter die Sammlungen des ehemaligen Deutschen Rundfunk Museum Berlin (DRM) und des Südwestrundfunks.

Wir freuen uns, jetzt auch mitteilen zu können, dass die feierliche Eröffnung der Ausstellung mit der Tagungsprogramm zusammenfällt.

Das vollständige Call for Papers finden Sie hier.