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Noch freie Plätze im Medienhistorischen Forum! Frist verlängert bis 15.10.2019

Zur Teilnahme am diesjährigen Medienhistorischen Forum des Studienkreises RuG am 08./09. November in Lutherstadt Wittenberg sind noch Plätze zu vergeben! Interessierte können sich mit ihren Forschungsvorhaben und medienhistorischen Projektideen noch bis zum 15.10.2019 bewerben! Weitere Infos und Kontaktangaben entnehmen Sie bitte dem Call for Papers unter: http://rundfunkundgeschichte.de/call-for-papers-medienhistorisches-forum-2019-in-lutherstadt-wittenberg-08-09-11-2019/

Call for Papers: Medienhistorisches Forum 2019 in Lutherstadt Wittenberg, 08.-09.11.2019

Das Medienhistorische Forum des Studienkreises Rundfunk und Geschichte existiert seit 1973 und versteht sich als Plattform, um Nachwuchswissenschaftler*innen mit Forscher*innen verschiedener Disziplinen und insbesondere mit Vertreter*innen aus der Kommunikations- und Mediengeschichte, Rundfunkanstalten und Medienarchiven zu vernetzen. In freundlicher und produktiver Atmosphäre werden Themen der Medien- und Kommunikationsgeschichte aus der gesamten Breite des Forschungsfeldes diskutiert. Nachwuchswissenschaftler*innen laden wir ein, sich mit ihren aktuellen Forschungsprojekten zu bewerben.

Beispielhafte Themenfelder

  • Geschichte und Entwicklung von Hörfunk, Fernsehen, Publizistik und Journalistik, Fotografie, Onlinemedien, Musikmedien oder anderen Einzelmedien und Mediengattungen
  • Geschichte der Kommunikations- und Medienpolitik: Institutionen, Prozesse, Personen
  • Mediatisierung und Medialisierung von Gesellschaft und gesellschaftlichen Teilbereichen
  • Medienöffentliche Diskurse und Medienöffentlichkeiten im Wandel
  • Vergangene, tradierte und neue Praktiken der Medienproduktion und Medienrezeption
  • Geschichte der Rezeptionsforschung, Zuschauerforschung, Sozialforschung der Medienkommunikation
  • Forschung zur Technikgeschichte und Materialität der analogen und digitalen Medien
  • Einzelanalysen und Fallstudien zu Formaten, Sendungen, Personen
  • Innovative Ansätze der Methoden- und Theoriebildung von Kommunikationsgeschichte und Medienkulturwissenschaft (z.B. digitale Methoden, Nostalgie-Konzepte)
  • Erinnerungskultur und Medien

Die vorgestellten Papers müssen und sollen keine abgeschlossenen Projekte abbilden; konkrete Projektskizzen sollten aber dennoch vorhanden sein, so dass wir auf hohem Niveau über die Themen, Gegenstände, Quellen, Methoden oder theoretischen Ansätze diskutieren können. Einreichungen in englischer Sprache sind möglich. Das Forum richtet sich insbesondere an Promovierende, an Habilitierende, aber auch an MA-Absolvent*innen, die auf Grundlage ihrer Abschlussarbeit ein Dissertationsthema entwickeln. Der erste Veranstaltungstag wird traditionell mit einem Expert*innenvortrag beschlossen, der Einblicke in Praxisfelder von Medien und aktueller Forschung gibt.

Die Auswahl der Vorträge findet in einem anonymisierten Review-Verfahren durch die Veranstalter*innen statt. Deshalb sollten alle Angaben zur Person nur auf dem Deckblatt des Exposés platziert sein und die Dateien frei von identifizierenden Metadaten. Teilnehmer*innen können nach Vorlage ihrer Tickets eine Reisekostenerstattung von bis zu 100 Euro beantragen. Es besteht die Möglichkeit einer preiswerten Übernachtung im Einzelzimmer (Du, WC) direkt am Tagungsort Leucorea Wittenberg für 35 Euro.

Einreichung und Review-Verfahren

Zur Bewerbung reichen Sie bitte ein Exposé ein, das die Grundlinien des geplanten Vortrages umreißt und zwei Seiten Text (6.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, plus Literaturangaben) umfassen soll. Geben Sie in Ihrem Exposé bitte keine Angaben zu Ihrer Person an, sondern reichen Sie ein zusätzliches Deckblatt mit Ihren Kontaktdaten und dem Titel des Vortrags als einzelne Datei ein. Senden Sie Ihr Exposé und das Deckblatt bis zum 15. Oktober 2019 an
Dr. Judith Kretzschmar, Studienkreis Rundfunk und Geschichte, jkretz@uni-leipzig.de

Veranstalter*innen

Das Medienhistorische Forum wird veranstaltet vom Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. in Kooperation mit dem Nachwuchsforum Kommunikationsgeschichte der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK sowie der AG Auditive Kultur und Sound Studies der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM). Ansprechpartner*innen für Rückfragen sind Dr. Kai Knörr (Studienkreis RuG/Universität Potsdam, knoerr@uni-potsdam.de), Dr. Erik Koenen (NAKOGE/Universität Bremen), ekoenen@uni-bremen.de) sowie Dr. Anna Schürmer (Institut für Medien- und Kulturwissenschaft, HHU Düsseldorf, Anna.Schuermer@hhu.de).

Dr. Kai Knörr (Studienkreis Rundfunk und Geschichte)
Dr. Erik Koenen und Christina Sanko (Sprecher*innen des Nachwuchsforums Kommunikationsgeschichte der DGPuK – NAKOGE)
Dr. Thomas Birkner und Dr. Christian Schwarzenegger (Sprecher der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der DGPuK)
Dr. Anna Schürmer (AG Auditive Kultur und Sound Studies der GfM)
Dr. Kiron Patka (Studienkreis Rundfunk und Geschichte / AG Auditive Kultur und Sound Studies der GfM)


Bericht zur 49. Jahrestagung

Translation – Übertragung – Transmission. Übersetzungsleistungen des Rundfunks in historischer und aktueller Perspektive

Die 49. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit dem Südwestrundfunk und ARTE in Baden-Baden | Strasbourg am 13. und 14. Juni 2019

Ein Bericht von Uwe Breitenborn 

Der Studienkreis konnte zur Jahrestagung im 50. Jahr seines Bestehens den SWR und ARTE als Kooperationspartner gewinnen, was der Veranstaltung eine hervorragende Ausgangslage bescherte. Der Südwestrundfunk und ganz besonders ARTE stehen für Programmangebote, die in einem hohen Maße Übersetzungsleistungen anbieten, um ihre Angebote für ein Publikum verstehbar und attraktiv zu machen. Welche Bedeutungen sind übertragbar, bei welchen gelingt das nicht? Wo entstehen im Vorgang der Medienvermittlung neue Kontexte? Wer spricht für wen und inwiefern können Übersetzungen zur Verstärkung von Stimmen oder zu deren Verstummen beitragen? Welche Sprachen und kommunikativen Formen dienen den Übertragungen? Mit einer Keynote und 10 Fachvorträgen versuchte die Konferenz in Baden-Baden und Straßburg, Antworten auf diese Fragen zu geben.

Nach der ordentlichen Mitgliederversammlung wurden die Teilnehmer durch den frisch gewählten Vorsitzenden des Studienkreises Kai Knörr sowie von Gerold Hug, dem Programmdirektor Kultur, Wissen, Junge Formate des SWR begrüßt. Letzterer betonte hinsichtlich des Tagungsthemas, dass auch beim SWR viel Neues geschaffen werde, um den Anforderungen heutiger Mediennutzungen gerecht zu werden. Themen stünden zunehmend stärker im Vordergrund, hingegen verlören die klassischen Ausspielwege zunehmend an Bedeutung. Die Keynote zur Tagung hielt der Übersetzer und Vorsitzende der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft Ian King aus London. Er bezeichnete sich als Brückenbauer, als ein Vermittler zwischen den Kulturen. Übersetzungen benötigen immer Kontext. Übersetzer und Übersetzerinnen haben, so King, keine Berechtigung, aus moralischen Gründen das Original zu verändern. Er erläuterte diese These an teils „abenteuerlichen“ Übersetzungen von Thomas Manns „Buddenbrooks“ ins Englische durch Helen Tracy Lowe-Porter, die ihren englischen Lesern beispielsweise beim Begriff „St. Pauli“ lediglich die Assoziation einer Kirche zugestand.Mit einem sarkastischen Seitenblick auf das Brexit-Drama zog Ian King ein lakonisches Fazit: Wenn dir eine Übersetzung sinnlos erscheine, dann sei sie falsch. Auch Tucholsky, so King, galt als scharfer Kritiker mangelhafter Übersetzungsleistungen und ihrer Folgen. Das passte also sehr gut als Auftakt.

Das erste Panel trug den Titel „Das Rumoren der Archive“und wurde von Alexander Badenoch (Utrecht) moderiert. Dafür konnten unter anderem zwei Teilnehmer gewonnen werden, die bereits am Medienhistorischen Forum des Studienkreises teilgenommen hatten. Stephan Summers (Mainz)und Valentin Bardet (Paris) widmeten sich zwei rundfunkhistorischen Themen.Ersterer beleuchtete das Bild der US-Besatzer im Nachkriegsdeutschland im Radio. Als Basis diente ihm unter anderem eine Analyse des Agendasettings in Rundfunkzeitschriften nach 1945 („Radiospiegel“). Um die USA als Kulturnation zu präsentieren, wurden zum Beispiel Analogien zwischen Abraham Lincoln und Richard Wagner hergestellt und massiv am Image der USA als befreundeter Kulturnation gearbeitet. Allerdings wurde die Idee, die (E-)Musikprogramme beispielsweise mit Jazz zu internationalisieren, von der deutschen Musikkritik zum Teil bizarr interpretiert. Ein ähnliches Thema bediente Valentin Bardet, der sich der Musik als politischer Sprache zuwendete und über Musiktransfer und französische Musikpolitik im besetzten Deutschland (1945-1955) referierte. Das Konzept „Sortie de guerre“ ist hierbei ein Ansatz, das Ende eines Krieges als Prozess zu verstehen, in dem die gesamte Gesellschaft involviert wird. Dies schafft Möglichkeiten für kulturelle Übersetzungsleistungen aber auch für Neuanfänge. Mit Rabea Limbachs (SWR) Beitrag wurde ein praxisorientierter Brückenschlag zwischen Programmgeschichte und digitaler Gegenwart vollzogen.Sie stellte in einer Art Werkstattbericht das SWR-Projekt „Audiovisuelles Kulturerbe: Online-Zugang zu den Archiven“ vor, bei dem ab Oktober 2019 bis zu 8.000 sogenannte Fernsehessenzen aus den fünfziger und sechziger Jahren über den SWR-Channel in der ARD-Mediathek zu sehen sein werden. Verantwortlich dafür ist die Hauptabteilung Information Dokumentation und Archive (IDA). Erwartungsgemäß ist das natürlich hochkomplex und hat zudem Pilotcharakter. Die Präsentation stieß auf ein reges Interesse. Rabea Limbach schilderte zahlreiche Übersetzungsleistungen, die das IDA-Team erbringen muss. Das beginnt bei den juristischen Rahmenbedingen und der simplen Frage, wer bei diesen historischen audiovisuellen Dokumenten noch Rechte geltend machen kann. Technische und kommunikative Fragen sind ebenso im Fokus des Teams. Stichwortartig seien genannt: Bestandsauswahl, Kuratierung von Metadaten, Digitalisierung von Formaten für die Streaming-Server, Übersetzung des normierten Vokabulars der Datenbanken für eine Streamingnutzung. Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte hält dieses vielversprechende Pilotprojekt für unterstützenswert und formulierte zum Tagungsende auch eine Stellungnahme (Audio-visuelles Kulturgut ins Internet!). Das Öffnen der Archive ist zunehmend ein wichtiger Aspekt zur Legitimierung der öffentlich-rechtlichen Medien.

Das zweite Panel fokussierte Übersetzungskulturen im „Künstlerischen Wort“ und wurde von Golo Föllmer (Berlin) moderiert. Los ging’s mit Hans-Ulrich Wagner vom Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung|Hans-Bredow-Institut, der anhand der Features „Der 29. Januar“ (NWDR 1947) und „The 29th of January“ (BBC 1948) Translationsprozesse in einem internationalen Vergleich beleuchtete. Wagner will damit einen Beitrag zu den so genannten Entangled Media Histories leisten. Mit Verweis auf die Genome-Datenbank der BBC konstatierte er, dass die BBC-Fassung die deutschen Tendenzen zur „Selbstviktimisierung“ in der Ernst-Schnabel-Vorlage ausbremste und dieser eine eigene Haltung entgegensetzte. In einer außerordentlich unterhaltsamen Art und Weise stellte der SWR-Redakteur Michael Lissekdas „Nischenprodukt“ Radioessay (SWR 2) vor. Radio sei ein „poetischer Apparat“, so Lissek. Aber zugleich gäbe es im Hörspiel- und Featurebereich starke Bezüge von Radio und Hörsaal. Die „Dissemination des Akademischen im Radioessay“ erfordere in der Regel eine Übersetzung von Schwerverständlichkeit in Leichtverständlichkeit unter der Bedingung der für das Radio geltenden Regel des erst- bzw. einmaligen Hörens. Oft gehe es im akademischen Raum mehr um Distinktion als um Kommunikation, stellte Lissek fest. Die tradierte akademische Kommunikation geschehe in Texten, deren Performance kaum hinterfragt würde. Was wiederum hat das Radio als rein akustisches Medium mit Schreiben und Lesen zu tun? Im Radio werden Texte zu akustischen Ereignissen, was Michael Lissek so zusammenfasste: „Ich sende kein Wort. Ich sende Klang.“ Wenn der sogenannte driveway moment eintrete, dann funktioniere für ihn das Medium. Ähnlich unterhaltsam trat der SWR-Redakteur Walter Filz mit seiner kritischen Analyse der Paradoxien des Voiceovers als gängiger Praxis im Umgang mit fremdsprachigen O-Tönen im Hörfunk auf. Niemand habe sich, im Gegensatz zur Synchronisation beim Film, hier bisher gründlich mit historischen Entwicklungen beschäftigt. Wann hat die Praxis des Voiceover angefangen? Welche kulturellen Hegemonialstrategien verbergen sich dahinter? In einem akustisch anekdotischen Panorama präsentierte Walter Filz Perlen der Voiceover-Geschichte, die von einer 1947er „Wochenschau“ („Einweihung des Senders in Koblenz“), über Orson Welles, „Wie geht’s Kuba?“, „Israel Zangwill – Ein Ghettoträumer“ von Ruth Fruchtmann, dem „Bosnienblues“, Dylan Thomas, Comedians in Afrika bis hin zu Missionsstationen in Ecuador reichten. Letztlich gehe er als Radiomacher immer von der „Einheit des Hörraums“ aus. In Sachen Voiceover gäbe es dazu aber keine guten, sondern nur „nicht ganz so schlechte“ Antworten. Wenn man was nicht machen könne, kann man’s wenigstens thematisieren, so sein Fazit, das als Appell an eine reflektiertere Praxis und Forschung zu verstehen war.

Zu den guten Traditionen der Jahrestagungen zählen die, inzwischen mit einem leichten Augenzwinkern, so genannten „Kamingespräche“. Das diesjährige fand vor dem Hintergrund des 50-jährigen Bestehens des Studienkreises Rundfunk und Geschichte als „Kaminrunde“ unter akustisch perfekten Bedingungen und in einem gemütlichen Ambiente im “Friedrich-Bischoff-Hörspielstudio“ des SWR statt. Moderiert von Christian Schurig und Kai Knörr hatten auf dem Podium Wolfgang Hempel, Christoph Classen, Gerlinde Frey-Vor und Rüdiger Steinmetz Platz genommen. Zunächst drehte sich der Talk um die „Geburt“ des Studienkreises. Hier war insbesondere Gründungsmitglied Wolfgang Hempel gefragt, der unter anderem das damalige Verhältnis des neuen Vereins zu den öffentlich-rechtlichen Anstalten reflektierte. Die Motivation der damaligen Protagonisten lag vor allem im Bewusstmachen der Bedeutung von Rundfunkgeschichte (vulgo: Unternehmensgeschichte der Sender) als kulturelles Erbe der Gesellschaft, das es zu bewahren, kuratieren und erforschen gilt. Gleichzeitig war der Studienkreis auch ein Forum für junge Wissenschaftler, die allgemeiner die Geschichte der elektronischen Medien als eigene Forschungsdisziplin etablieren wollten. Bemerkenswert war ein zweiter, breit diskutierter Punkt: die Forderung nach einer kritischen Neubewertung der Umbrüche von 1989/90 in der DDR und der Nachwendezeit. Rüdiger Steinmetz konstatierte eine problematische Ignoranz gegenüber dem audiovisuellen Erbe der DDR, was Gerlinde Frey-Vor bestätigte. Christoph Classensah die Zukunft des Studienkreises darin, Digitalisierungsprozesse, die Geschichte der digitalen Medien, die Zugänglichkeit des audiovisuellen Erbes in den Archiven und gut funktionierende Darstellungsformate für Bildung und Wissenschaft stärker in den Blick zu nehmen. Zudem sollte das Profil der Zeitschrift „Rundfunk und Geschichte“ geschärft werden.

Der zweite Konferenztag (14. Juni) stand ganz im Zeichen des Fernsehens. Ein Panel zu „Fernseh-Übersetzungen“ startete unter Moderation von Judith Kretzschmar (Leipzig). Gerlinde Frey-Vor vom MDR zeigte am Beispiel der britischen Langzeitfernsehserie „Coronation Street“ (seit 1960), wie ein Format in eine andere Fernsehkultur übersetzt wurde und wird. Hans W. Geißendörfers „Lindenstraße“ (seit 1985) sei von dieser Serie inspiriert gewesen und gelte als deutsche Adaption des britischen Formates. Monika Weiß (Heidelberg) fokussierte so genannte „Living-History-Formate“ und ihre Bedeutung bei der Vermittlung von kulturhistorischen Themen. Als Beispiele wurden „The 1900 House“ (Channel 4, 1999), „Frontier House“ (PBS 2002) und „Schwarzwaldhaus 1902“ (SWR 2002) eingebracht. Translationsleistungen sind hier hinsichtlich Alltagsgeschichte, Regionalität und nationaler Verortung des Fernsehens zu finden.

Den Abschluss der Tagung bildete eine Tagungsexkursion nach Strasbourgzu ARTE. Nach einer sehr ansprechenden Führung durch die Nachrichtenredaktion und Fernsehstudiosstellte Nicolas Beckers, Abteilungsleiter des Sprachendienstes bei ARTE, die linguistische Arbeit im Sender vor. Seine Abteilung sorgt nicht nur dafür, dass das Programm zweisprachig funktioniert, sondern dass ARTE auch die Bildung einer europäischen Öffentlichkeit voranbringt. Voraussetzung hierfür sind Formate, die online gleichzeitig in Sprachen wie Englisch, Spanisch, Polnisch und Italienisch verfügbar sind. ARTE versteht dies explizit als eine Weiterentwicklung seines Programms für ganz Europa. Neue NMT-Technologien (NMT: Neural Machine Translation) können die Arbeit beschleunigen, aber für Nicolas Beckers besteht kein Zweifel, dass der menschliche Faktor für gelungene Übersetzungen unersetzlich bleibt. Abschließend präsentierteder Programmverantwortliche und Leitende Redakteur der Hauptabteilung Wissen|Connaissance Peter Gottschalk zwei Produktionen aus seiner Redaktion, die die aufwendigen Translationsprozesse der ARTE-Formate gut veranschaulichten. Es handelte sich dabei um„Der Krieg, die Träume, unsere Sprachen“ (2018) und „Das kurze, mutige Leben des Herschel Grünspan“ (2008). Beide erweitern den Horizont einer neuen, transnationalen Geschichtsschreibung, indem sie aus einem Mosaik individueller Perspektiven zu einem gesamteuropäischen Panorama kommen.

Was bleibt von dieser Tagung? Ein nachdenkliches und vitales Miteinander im Studienkreis Rundfunk und Geschichte. Das Bewusstsein und der Wunsch, die Bedeutung der Rundfunkhistorie für Gesellschaftsanalysen wachzuhalten. In Baden-Baden ist dies gelungen. Nicht nur dem frisch gewählten Vorstand war wieder einmal die Freude über diesen Erfolg anzumerken. Angekündigt wurde übrigens auch, dass die 50. Jahrestagung 2020 beim Grimme-Institut in Marl stattfinden soll. Ebenfalls ein medienhistorisch bedeutender und daher vielversprechender Ort.

Neuer Vorstand des Studienkreises gewählt
Die ordentliche Mitgliederversammlung wählte am 13. Juni 2019 den neuen Vorstand des Studienkreises. Insgesamt waren 23 stimmberechtigte Mitglieder auf der Tagung anwesend. Als neuer Vorsitzender fungiert Dr. Kai Knörr (Potsdam). Der Studienkreis dankte Prof. Dr. Alexander Badenoch (Utrecht) herzlich für seine zweijährige Tätigkeit als Vorsitzender, in der der Verein trotz teilweise schwieriger Bedingungen gut Kurs hielt und stabilisiert werden konnte. Als neue Stellvertreter wurden Dr. Judith Kretzschmar(Leipzig) und Dr. Kiron Patka (Tübingen) gewählt. Schatzmeister bleibt Dr. Veit Scheller (ZDF Mainz), als Schriftführer wurde Dr. Uwe Breitenborn(Berlin) wiedergewählt. Dem neu gewählten Vorstand gehören weiterhin PD Dr. Golo Föllmer (Berlin), Christian Schurig (Stuttgart), PD Dr. Gerlinde Frey-Vor (MDR Leipzig) und Dr. Christoph Classen (ZZF Potsdam) sowie als Vertreterin des DRA Susanne Hennings an. Kassenprüfer sind erneut Prof. Dr. Michael Crone (Frankfurt) und Dr. Heiner Schmitt (Ingelheim). Als kooptierte Mitglieder des Vorstandes wurden noch auf der Sitzung Dr. Hans Ulrich Wagner (Hamburg) und Prof. Dr. Alexander Badenoch benannt.

Audiovisuelles Kulturgut ins Internet! – Stellungnahme des Studienkreises Rundfunk und Geschichte auf der Jahrestagung 2019

Baden-Baden (18. Juni 2019). Öffentlich-rechtliche und privat-kommerzielle Fernsehprogramme der Vergangenheit sind audiovisuelles Kulturgut. Dieses historische Erbe ist daher zu sichern, zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das betonte der Studienkreis Rundfunk und Geschichte auf seiner Tagung am Freitag in Baden-Baden. Die Studienkreis-Mitglieder unterstützen ausdrücklich die Bemühungen, durch Digitalisierungs-, Erschließungs- und Bereitstellungsprojekte dieses audiovisuelle Kulturgut als Public Service zur Verfügung zu stellen. Positive Beispiele aus dem europäischen Ausland sind für den Studienkreis Anreiz, dieses Problem für Deutschland mit Nachdruck zu thematisieren.

Als vorbildhaft sieht der Studienkreis u. a. das SWR-Projekt „Audiovisuelles Kulturerbe: Online-Zugang zu den Archiven“ an, durch das ab Oktober 2019 Fernseharchivbestände in der ARD-Mediathek zu finden sind. Ein weiteres positives Beispiel stellt das Projekt zur digitalen Sicherung und Erschließung des Lokal-TV-Erbes der Wendezeit in Sachsen dar, das wichtige Videoquellen aus dem deutsch-deutschen Vereinigungsprozess zugänglich machen soll.

Der allgemeine Zugang zum audiovisuellen Erbe ist ein zentraler Bestandteil der demokratischen Mediengesellschaft, da es soziale und politische Prozesse im Alltag und in der Nahwelt der Menschen abbildet. Der Studienkreis appelliert an alle Entscheidungsträger, Zugänge über Mediatheken zu ermöglichen. Dies erfordert entsprechende Ressourcen und technische Infrastruktur sowie eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen für einen leichteren Zugang zum audio-visuellen Kulturgut im Internet.

Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte ist eine interdisziplinäre Vereinigung, die Wissenschaftler, Forscher, Archivare und Praktiker in der Fokussierung auf die historisch-medialen Prozesse und ihre Veränderungen zusammenführt. Er existiert seit 1969 und begint jetzt den 50. Jahrestag seiner Gründung.

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Past public service and commercial television programmes are audiovisual heritage. This heritage must therefore be secured, preserved, and made publicly accessible. The Studienkreis Rundfunk und Geschichte [German Broadcasting History Society] highlighted this point at their conference this last Friday in Baden-Baden. The society’s members gave specific support to projects that digitize, curate, and make public these audiovisual cultural assets to make them available as a public service. Positive examples from other nations in Europe provided the impulse to emphasize these problems in Germany.

The Studienkreis recognizes exemplary projects such as the SWR’s „Audiovisuelles Kulturerbe: Online-Zugang zu den Archiven“ [Audiovisual Cultural Heritage: Online access to the Archives] which will make television archive material available online via the ARD-Mediathek starting in October 2019. A further good example is the project for the digital preservation and enrichment of local television heritage from Saxony during the post-1989 transition, which will make available important video sources from the inner-German reunification process.

General access to audiovisual heritage is a central part of a democratic mediated society, as it represents social and political processes in everyday life. The Studienkreis appeals to all deciding entities to create access via online media players. This requires the resources and technical infrastructure, as well as adjustments to legal frameworks to create easier online access to audiovisual cultural assets.

The Der Studienkreis Rundfunk und Geschichte is an interdisciplinary association that brings together academics, researchers, archivists and practitioners with a focus on the historical media processes The association has existed since 1969 and is currently celebrating the 50th anniversary of its founding.

Für Rückfragen:
Dr. Veit Scheller (Studienkreis RuG, Mitglied des Vorstands)

Tel.: 06131/70-14706
E-Mail: scheller.v@zdf.de

Translation–Übertragung–Transmission. Jahrestagung 2019

Programm

Bild: SWR

49. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte e.V. in Kooperation mit SWR und ARTE | Funkhaus Baden-Baden, 13./14. Juni 2019

Tagungsort: Südwestrundfunk, Hans-Bredow-Str., 76530 Baden-Baden, Heinrich-Strobel-Haus, Sitzungssaal 2. Etage

Anmeldung/Tagungsgebühr: über unser Online-Formular

Mittwoch, 12. Juni 2019

Anreisemöglichkeit Hotel Tannenhof direkt gegenüber Tagungsort. Verfügbarkeit von Zimmern und Parkplätzen bitte direkt mit dem Hotel klären! Zimmer im Hotel Tannenhof sind bis 15. Mai 2019 individuell buchbar unter Angabe des Kennworts „Rundfunk und Geschichte“ zu je 85 Euro (inkl. Frühstück) bzw. 77 Euro ohne Frühstück EZ.

Donnerstag, 13. Juni 2019

10:30 Öffnung des Tagungscounters im Heinrich-Strobel-Haus, Aushändigung der Zugangskarten

11:00 – 12:30 Mitgliederversammlung des Studienkreises: Berichte, Aussprache, Neuwahlen des Vorstands und seiner kooptierten Mitglieder

12:30 – 13:30 Mittagspause

13:30 – 14:15 Begrüßung durch den RuG-Vorstand, Grußworte von Gerold Hug, Programmdirektor Kultur, Wissen, Junge Formate des SWR
Keynote: Dr. Ian King (London), Übersetzer und Vorsitzender der Kurt Tucholsky-Gesellschaft, Berlin

14:15 – 15:45 Panel 1: Das „Rumoren der Archive“
Stephan Summers (Mainz): Verhandlungssache Rundfunk – Das Bild von US-Besatzern im Radio
Valentin Bardet (Paris): Musik als politische Sprache. Musiktransfers und französische Musikpolitik im besetzten Deutschland (1945-1955)
Dr. Rabea Limbach (SWR): Aus der Archivdatenbank ins Netz – Zur „Übertragung“ von Essenzen und Metadaten aus dem SWR-Fernseharchiv in die ARD Mediathek
Moderation: Prof. Dr. Alexander Badenoch (Utrecht)

15:45 – 16:15 Kaffeepause

16:15 – 17:45 Panel 2: Übersetzungskulturen im „Künstlerischen Wort“
Dr. Hans-Ulrich Wagner (Hamburg): Entanglements in der deutsch-britischen Mediengeschichte der Nachkriegsjahre. Die Features „Der 29. Januar“ (NWDR 1947) und „The 29th of January“ (BBC 1948) als Beispiele für Übersetzung und Übertragung/Translation und Transmission
Dr. Michael Lissek (SWR): Radio und Hörsaal. Die Dissemination des Akademischen im Radioessay
Dr. Walter Filz (SWR): Immer druff. Paradoxien des Voiceover
Moderation: PD Dr. Golo Föllmer (Halle/Berlin)

18:15 – 19:45 Kaminrunde zu 50 Jahren Studienkreis Rundfunk und Geschichte, Ort: Großes SWR2-Hörspielstudio, Günter-Eich-Haus (ab 18 Uhr geöffnet)
Moderation: Christian Schurig (Stuttgart), Kai Knörr (Potsdam)

20:00 Gemeinsames Abendessen im Restaurant Molkenkur (Selbstzahler, fußläufig vom SWR zu erreichen)

Freitag, 14. Juni 2019

09:00 – 10:00 Sitzungen der RuG-Fachgruppen (öffentlich) und Sitzung der Redaktion „Rundfunk und Geschichte“

10:00 – 11:30 Panel 3: Fernseh-Übersetzungen
Dr. Gerlinde Frey-Vor (MDR): Die Übernahme des Formats der angelsächsischen Langzeitfernsehserie in die deutsche TV Produktion der späten 1980er Jahre. Wie wurden die Codes von einer Fernsehkultur in die andere übersetzt?
Dr. Monika Weiß (Heidelberg): Fernsehformate als Faktoren kultureller Translation – Zur Übertragbarkeit nationaler Kulturmythen in historischen Doku-Soaps am Beispiel Großbritanniens, der USA und Deutschlands
Manuel Tanner/Caroline Meyer (rbb/ARTE): Echtzeit-Doku „24h Europa“, Making-of eines europäischen Fernsehereignisses (angefragt)
Moderation: Dr. Judith Kretzschmar (Leipzig)

11:30 – 12:30 Mittagspause

12:30 Bustransfer nach Strasbourg (ca. 1h), Abfahrt: Hotel Tannenhof

13:45 Empfang bei ARTE G.E.I.E., 4 Quai du Chanoine Winterer, 67080 Strasbourg, Frankreich
Führung durch die Studios
und Präsentation zur Struktur von ARTE

Vortrag Nicolas Beckers, Abteilungsleiter Sprachendienst bei ARTE: Die linguistische Arbeit bei ARTE und die neuen Herausforderungen in der digitalen Welt
Vortrag Prof. Peter Gottschalk, Programmverantwortlicher und Leitender Redakteur in der HA Wissen/Connaissance: Der Krieg, die Träume, unsere Sprachen

16:00 Rücktransfer nach Baden-Baden

17:15 Verabschiedung und Tagungsende

Tagungsprogramm als PDF-Datei

Anmeldung zur Jahrestagung 2019 in Baden-Baden ab sofort möglich

Translation – Übertragung – Transmission. Über-setzungsleistungen des Rundfunks in historischer und aktueller Perspektive

49. Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte e.V. in Kooperation mit dem SWR und Arte

Am 13./14. Juni 2019 beschäftigt sich der Studienkreis Rundfunk und Geschichte auf seiner diesjährigen Tagung im Funkhaus Baden-Baden mit der Thematik medialer Übersetzungsleistungen. Wir wollen erkunden, wie der Rundfunk zur grenzüberschreitenden Kommunikation beigetragen hat und beiträgt. Den öffentlich-rechtlichen Sendern kommt in Zeiten starker „europakritischer“ Stimmen auch vermehrt die Aufgabe zu, eine die Nationalismen hinterfragende, europäische Geschichtserzählung zu entwickeln. Dabei soll es nicht allein um sprachliche Übersetzungsprobleme, sondern in einem weiteren Sinne um die Frage gehen, wie die Vermittlung kultureller, wissenschaftlicher und historischer Inhalte innerhalb einer europäischen Öffentlichkeit gelingen kann.

Neben dem SWR als gastgebender Rundfunkanstalt konnte der Sender ARTE als Kooperationspartner gewonnen werden, dessen Deutschlandzentrale in Baden-Baden ansässig ist. Auch in diesem Jahr erwarten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessante Einblicke in die Arbeit von Redaktionen, Archiven und in die Wissenschaft. Am 14. Juni wird es eine Exkursion mit dem Bus zur französischen Zentrale von ARTE in Strasbourg geben. Mitglieder des Studienkreises möchten bitte beachten, dass am 13. Juni um 11 Uhr die Jahreshauptversammlung mit Vorstands- und Beiratsneuwahlen stattfindet!

Die Anmeldung ist ab sofort via Anmeldeformular möglich. Dort erhalten Sie auch weiterführende Informationen zur Unterkunft. Für MitarbeiterInnen von SWR und ARTE ist die Teilnahme kostenlos.

Während der Jahrestagung begeht der Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. zugleich sein 50jähriges Bestehen. Dies tun wir am richtigen Ort, denn in Baden-Baden fanden bedeutende Schlüsselhandlungen zur Gründung des Studienkreises statt. Auch waren in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgebliche Akteure beim Südwestfunk bzw. dem späteren SWR tätig. Zu einem spannenden Gespräch über verschiedene Phasen in der Historie des Studienkreises laden wir Sie am Ende des ersten Konferenztages zur „Kaminrunde“ in das große SWR2-Hörspielstudio im „Günter-Eich-Haus“ ein.

Hier geht es zum Programm


Jahrestagung 2019: Translation – Übertragung – Transmission. Call for Papers

Übersetzungsleistungen des Rundfunks in historischer und aktueller Perspektive

Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte in Kooperation mit SWR und ARTE | Baden-Baden, 13.-15. Juni 2019

Seit seiner Gründung vor knapp 100 Jahren ist mit dem Rundfunk die Hoffnung einer universellen Verständigung verbunden. Die Stimmen im Äther sollten Vorstellungen und Informationen über sprachliche, geographische und soziale Grenzen hinweg übertragen und die Entwicklung einer neuen Weltgesellschaft befördern. Auch wenn sich diese Erwartungen nur bedingt erfüllten, waren und sind bis heute daran zahlreiche Fragen geknüpft: Welche Bedeutungen können übertragen werden und welche neuen Bedeutungen werden erzeugt?

Welche sprachlichen, akustischen oder visuellen Inhalte des Rundfunks sprechen für sich, welche müssen angepasst, verlagert oder umgearbeitet werden? Wer spricht für wen, wer wird bevormundet und inwiefern können Übersetzungen zur Verstärkung von Stimmen oder zu deren Verstummen beitragen? Welche Sprachen und kommunikativen Formen dienen den Übertragungen? Letztlich erfordert jeder Medienwandel neue Übersetzungsleistungen über sprachliche, kulturelle, soziale, technische und Wissensgrenzen hinweg. Die Betrachtung von ‚Übersetzungen’ ermöglicht analytische Zugänge zu Kernbereichen der uns umgebenden Medien. Im 50. Jahr seines Bestehens möchte sich der Studienkreis für Rundfunk und Geschichte diesem Themenfeld zuwenden.

Um das Thema ‚Übersetzungen’ in den Medien angemessen aufzugreifen, genügt es nicht, nur nach der transkulturellen Dimension zu fragen. Vielmehr ist damit stets auch die Frage nach den impliziten Machtverhältnissen verbunden. In den Praxisfeldern von Übersetzungen, in den ‚translation zones’ (Emily Apter) werden kulturelle und politische Differenzen verhandelt und reproduziert. Hier sei auch auf die Actor-Network-Theory des französischen Soziologen Bruno Latour verwiesen, der die Betrachtung sozialer Interaktion um die Dimension nicht- menschlicher Akteure erweitert – was zugleich ein Schlaglicht auf die durch Technik und Medien erzeugten Machtverhältnisse wirft. Mit Blick auf die genannten Probleme von medialen Übersetzungen ist zudem die digitale Transformation der Rundfunkanstalten bzw. ‚sendenden‘ Massenmedien und die damit einhergehende Transformation der Öffentlichkeit und Gesellschaft in den Fokus zu rücken.

Die Beiträge sollten eine historische Dimension haben und können zu folgenden Aspekten eingereicht werden:

  • Standardisierte Praktiken zur Übersetzung ‚fremder‘ Inhalte (Simultanübersetzung, Untertitelung usw.) und die damit verbundenen Machtverhältnisse (z.B. in Interviews, Nachrichtenbeiträgen, Gerichtsverfahren)
  • Medienvermittelte Übersetzungsleistungen, code-switching und transkulturelle Aspekte
  • Sprachliche Übersetzungen, Adaptionen und internationaler Programmaustausch
  • Probleme des internationalen Formattransfers, Probleme der ‚Unübersetzbarkeit’.
  • Crossmediale (Format-)Übersetzung
  • transnationaler vs. nationaler Rundfunk
  • ‚Übersetzung‘ von Archivmaterial: Metadaten, Thesaurus und andere archivarische Transfers.

Deadline für die Einreichung: 14.4.2019

Einreichungen zu den genannten Fragestellungen richten Sie bitte an Dr. Veit Scheller, den Schatzmeister des Studienkreises Rundfunk und Geschichte: Scheller.V@zdf.de.

Eingereichte Abstracts sollten maximal 3.000 Zeichen umfassen (exklusive etwaiges Literatur- oder Quellenverzeichnis). Dem Abstract selbst ist ein Deckblatt mit den Daten zur Autorin bzw. zum Autor mitsamt Titel des Vortrages voranzustellen (bitte als zwei separate Dateien einsenden). Im Abstract selbst sollen die Autorinnen und Autoren nicht erkenntlich sein, um ein unabhängiges Review-Verfahren zu ermöglichen.

Die Veranstalter entscheiden ü̈ ber die Annahme in einem Review-Verfahren. Rückmeldungen sind bis zum 30.4.2019 zu erwarten. Die Vorträge können auf Deutsch und Englisch gehalten werden; Konferenzsprache ist Deutsch.

Call for Papers

Translation – Übertragung – Transmission.

Annual Conference of the Studienkreis Rundfunk und Geschichte

in cooperation with SWR and ARTE | Baden-Baden, June 13-15th, 2019

From its earliest origins, broadcast media have raised hopes of universal understanding. Voices, ideas and information would cross linguistic, geographical, and social barriers and allow new world communities to develop. These hopes instantly raised many questions: Which meanings or actions are carried over into a new realm and what new meanings are generated? What linguistic, acoustic or visual content is deemed to speak for itself, and what needs to be adapted, re-framed or reworked into a new language? Who is speaking for whom and how do these practices extend and/or silence the voices they act on? Which languages or communication forms supports acts of translations/transmissions? Throughout every transformation of broadcast media, their role in carrying messages and programmes across borders of linguistic, cultural, social and knowledge realms has persistently raised new issues of translation. The study of translation opens up analytical pathways into some of the core issues surrounding media.

To take up the question of translation in media raises not only questions of understanding but also questions of power. These ‘translation zones’ (Emily Apter) are places where differences of culture and power are negotiated and reproduced. Actor-Network Theory has further broadened the notion to include a wider range of human and non-human interactions, where any actor or force contrives to intervene on behalf of another, and as such opens up new inquiries into how power works through media in a number of ways.

Attention to these issues is rendered all the more urgent by both the continuing technological transformation of broadcast media into digital platforms that host a broad range of content, as well as the intensifying multicultural transformations of global society.

The Studienkreis Rundfunk und Geschichte would like to address these questions in the 50th year of its existence and has identified the following topics for the conference, for which contributions can be submitted:

  • Standardized practices for translating ‘foreign’ content (simultaneous translation, subtitles, etc.) and their power relations in interviews, news reporting, court trials, etc.
  • Mediated performances of translation, code-switching, and multi-culturalism
  • Translations, adaptations and circulations of original works (features, drama etc.)
  • The circulation and use of formats and other ‘pre-translation’ content
  • Mistranslation as media power: as resistant or satirical practice
  • Questions of untranslatable and/or untranslated content
  • Cross-media adaptations/translations (radio to TV, radio to podcast, etc)
  • Technologies of translation and transcription in the digital realm: google translate, voice/speech recognition, visualization
  • Translations of archive material for circulation and aggregation: metadata, thesaurus and other archival transfers.
  • Transnational storytelling on radio and public television.

Submissions to the above questions should be addressed to Dr. Veit Scheller, the treasurer of the Studienkreis Rundfunk und Geschichte: Scheller.V@zdf.de.

Submitted abstracts should not exceed 3,000 characters (excluding any literature or bibliography). The abstract itself should be preceded by a separate cover sheet with the author’s details, including the title of the talk (please send as two separate files). The abstract file itself should be anonymous in order to enable an independent review process.

Deadline for submission: 14.4.2019

The organizers decide on the acceptance in a review process. Feedback is expected by 30.4.2019. The lectures can be held in German and English; Conference language is German.


Margarete Keilacker gestorben

Wir haben die traurige Pflicht, Sie über den Tod unserer Kollegin und Chefredakteurin Dr. Margarete Keilacker zu informieren. Wie ihr Sohn Frank Keilacker mitteilt, starb Margarete nach kurzer schwerer Krankheit am 3. Februar 2019 im Alter von 71 Jahren. Sie war Mitglied im Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V. seit 2009. Als Mitarbeiterin im Medienarchiv des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Universität Leipzig zeichnete sie von 1999 bis 2008 für die Redaktion des Fachdienstes „Fernseh-Informationen“ verantwortlich. Mit Eintritt in den Ruhestand übernahm sie ab Heft 1-2/2012 die Redaktionsleitung der Zeitschrift „Rundfunk und Geschichte“. Der Studienkreis verliert mit Margarete nicht nur die Expertise der erfahrenen Journalistin und Vorstandskollegin, sondern auch eine charismatische Persönlichkeit, die es schaffte, die verschiedenen „Generationen“ unserer Mitglieder immer wieder zu verbinden und ins Gespräch zu bringen. Sie wird uns sehr fehlen. Ihre Beisetzung findet am 21. März um 10:30 Uhr im Friedwald Planitzwald nahe der Stadt Wurzen statt. Aufgrund der Natur des Begräbnisortes ist maximal das Mitbringen einer Blume gestattet. Eine ausführliche Würdigung ihrer Tätigkeit erfolgt im kommenden Heft der Zeitschrift „Rundfunk und Geschichte“.

Neues Buch ›Radio und Identitätspolitiken‹

Als Resultat der Tagung des Forschungsprojekts «Broadcasting Swissness», die 2016 in Kooperation mit dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte an der Universität Zürich stattfand, ist nun ein Sammelband erschienen: ›Radio und Identitätspolitiken. Kulturwissenschaftliche Perspektiven‹, hg. von Johannes Müske, Golo Föllmer, Thomas Hengartner und Walter Leimgruber.

Nähere Infos beim Verlag.

Wittenberg 2018 – Bericht vom Medienhistorischen Forum

Am 9. Und 10. November 2018 haben sich erneut NachwuchswissenschaftlerInnen in der Lutherstadt Wittenberg getroffen, um dort mit VertreterInnen des Studienkreises Rundfunk und Geschichte und der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft über ihre Forschungsprojekte zu diskutieren. In seinem Expertenvortrag schlug Prof. Dietz Schwiesau, Wortchef Hörfunk und Trimedialer Nachrichtenchef beim MDR Sachsen-Anhalt, angesichts des historischen Datums einen Bogen von den „wilden“ Anfängen seines Senders im Jahr 1992 bis in die Gegenwart komplett digitaler Redaktionsumgebungen. Dabei ließ er hier und da ein Quäntchen Ironie durchblitzen, denn nur so schien sich der hart wirkende Kontrast zwischen den technischen und architektonischen Bedingungen eines öffentlich-rechtlichen Landesfunkhauses in den frühen 1990er Jahren mit denjenigen des 2014 eröffneten Hightech-Halbrunds des MDR in Magdeburg überbrücken, das sich gegenüber dem ersten Standort wie eine wahrgewordene Science-Fiction-Utopie ausnimmt. Kaum weniger radikal hat sich der journalistische Alltag in den letzten Jahrzehnten gewandelt – wobei die Zukunft im Jahr 2019 ähnlich offen zu sein scheint wie im Jahr 1992. Mit Schwiesau ist ein erfahrener Journalist für die digitale Transformation beim MDR-Sachsen Anhalt zuständig, der sich – wie er erzählt – bei den inzwischen auch auf Social-Media-Kanäle ausgeweiteten Aufgaben gleichermaßen auf die Kompetenz seiner RedaktionskollegInnen stützt wie auf junge IT-Talente, für die der Rundfunk allerdings nicht selten vor allem ein Karrieresprungbrett darstellt.

Die Projektvorträge eröffnete Simon Sax von der Universität Bremen mit seinem Dissertationsvorhaben über den Journalisten Walter Gyssling (1903–1980). Sax interessieren dabei nicht nur die Bezüge eines deutsch-jüdischen Journalistenlebens zur Pressegeschichte der Weimarer Republik, sondern auch grundsätzlich der methodische Umgang mit Biografien und ihr struktureller Stellenwert in der heutigen Kommunikationswissenschaft.

Ebenfalls am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen arbeitet Arne L. Gellrich über die Frühgeschichte internationaler Entwicklungspolitik. Die Dissertation entsteht im Rahmen eines DFG-Projekts zur Transnationalen Kommunikationsgeschichte des Völkerbunds in der Zwischenkriegszeit (1920–1938). Der Völkerbund sollte nach der traumatischen Erfahrung des Ersten Weltkriegs als ständige Einrichtung das Funktionieren internationaler Diplomatie, mithin die zwischenstaatliche Kommunikation gewährleisten. Mit Fokus auf das Mandatssystem zur Verwaltung der ehemaligen deutschen Kolonien untersucht Gellrich den Völkerbund als eine transnationale Kommunikationsschnittstelle, deren komplexe Informationsflüsse und Akteurskonstellationen in einer Kombination aus „Biografie und Bürografieerschlossen werden sollen.

Den Kreis der Bremer KollegInnen schloss Christina Sanko, die als ausgebildete Journalistin mit Auslandserfahrung über mediale Praktiken kollektiver Erinnerung in Vietnam forscht. Ihre Studien eröffnen ein Spannungsfeld, in dem die kolonialen Kriege, unter denen das Land jahrzehntelang zu leiden hatte, bis heute ihre Schatten werfen. Anhand von Befragungen zeigt Christina Sanko, dass sich zwischen historischen Gegensätzen und sehr unterschiedlichen Generationenerfahrungen bis heute kaum so etwas wie eine Nationalidentität mit entsprechender Medienkultur und Erinnerungspraxis in Vietnam entwickelt hat.

Wie soll man nach dem Ende des Krieges aus der ideologischen Umklammerung „aussteigen“, die ihn begleitet oder gar provoziert hat? Dieser Frage widmet sich auch Valentin Bardet (ENS Paris-Saclay) mit Blick auf die französische Entnazifizierungspolitik nach 1945. Bardet interessieren die Zusammenhänge zwischen der Kulturpolitik in der französischen Besatzungszone und der Arbeit des Südwestfunk-Orchesters von 1945–1955. Was wurde gesendet, was nicht, welche Kontinuitäten in der Orchesterbesetzung ergaben sich beim „Neuanfang“ in Baden-Baden? Inwieweit sich der Prozess des „sortir de guerre“ – also die in der neueren französischen Geschichtsforschung vertretene Perspektive eines nicht punktuellen, sondern transformativen Kriegsendes – an der ‚Musikpolitik‘ des frühen SWF ablesen lässt, bleibt eine Frage, auf deren Bearbeitung man gespannt sein darf.

Mit Medientechnikgeschichte beschäftigen sich Tobias Held und Christoph Borbach in ihren Arbeiten. Tobias Held beforscht an der Bauhaus-Universität Weimar die Geschichte der Videotelefonie. In seinem Vortrag zeigt er, wie sich die Videotelefonie seit den 1970er und 1980er Jahren von einem exklusiven Unternehmertraum in ein massenhaftes Individualmedium verwandelt hat, dessen Technologie und Ästhetik längst auf massenmediale Formate zurückwirkt. Als studierter Designer schaut Held mit einem besonderen Blick auf die Bildtelefonie, deren früheste (Tele-) Visionen (wie die Karikaturen Albert Robidas) in eins fallen mit den Anfängen der Fernsehentwicklung. Einen Seitenarm der Radiogeschichte bearbeitet Christoph Borbach am DFG-Graduiertenkolleg Locating Media an der Universität Siegen unter dem Titel Zeitkanäle/Kanalzeiten – Eine Mediengeschichte des Δt. Gleichzeitig mit der Utopie des frühen Rundfunks als Kommunikationsform, in der Raum und Zeit eliminiert und der Völkerverständigung damit nichts mehr im Wege zu stehen schien, wurden mit Hilfe der Radiotechnik verfeinerte Messverfahren entwickelt, aus der Technologien wie Echolot, Radar und Sonar hervorgingen, die zunächst weniger völkerverständigenden Zwecken dienten. Mit Christoph Borbachs Fokus einer Mediengeschichte der Verzögerung wird klar, dass sich aus dem ‚Kanal‘, der Laufzeit eines elektromagnetischen Signals auf einer bestimmten Frequenz eine eigene Kultur des Messens, Ortens und Speicherns entwickelt hat, deren Ausleuchtung sich sowohl technikhistorisch als auch medientheoretisch zu lohnen scheint.

Zum Schluss präsentierte Kathrin Meißner vom Berliner Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Erkner bei Berlin ihr Projekt über das Verhältnis von Medien, Stadtplanung und städtischer Öffentlichkeit im 20. Jahrhundert. Konkret geht es um die visuellen Strategien etwa mit Dias, Karten, Luftbildern oder Modellen, mit deren Hilfe stadtplanerische Eingriffe im 20. Jahrhundert kommuniziert wurden. Welche Wechselbeziehungen bestanden mit Anwohnern und der Öffentlichkeit? Kathrin Meißner will belastbare Daten zur Geschichte der Planungskommunikation erhalten, mit denen die aktuellen und zukünftigen Stadtplaner ihre Modelle der Bürgerbeteiligung verbessern können.

 

Kai Knörr