›Happy Birthday, Auntie!‹ – 100 Jahre BBC und der europäische Rundfunk

Jahrestagung des Studienkreises Rundfunk und Geschichte

Tagungsort: Universität Potsdam und Online, 25. + 26.11.2022

Marconi Type A Mikrofon (Quelle: BBC100)

Der ›Studienkreis Rundfunk und Geschichte‹ ruft zum 100jährigen Bestehen der British Broadcasting Corporation zu einer Tagung auf, die die Bedeutung der BBC im europäischen Kontext untersucht.

Wir suchen Beiträge, die beleuchten, welche Rolle die erste öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt der Welt, vom Publikum einst liebevoll ›Auntie‹ genannt, für die Entwicklung des Public Service-Gedankens, für medienstrukturelle Weichenstellungen sowie für Vielfalt und Offenheit elektronischer Medienangebote in Großbritannien und in anderen Ländern spielte und bis heute spielt.

Die stolze Tradition der BBC seit 1922 bedeutet auch eine gesunde Beharrlichkeit gegenüber Volten des politischen Kräftespiels. Und doch scheint die BBC heute existenziell bedroht zu sein. Im Umfeld digitaler Medienwelten wird—nicht nur in Großbritannien—das ›Rundfunk‹-Modell immer öfter als veraltet beurteilt und sieht sich mit vielfältigen medialen, infrastrukturellen und kulturpolitischen Herausforderungen konfrontiert.

In unserer Tagung blicken wir aus der Außenperspektive auf die Geschichte und Bedeutung der BBC, die nicht allein die nüchternen Fakten, sondern auch jenes szenische und anekdotische Material beinhalten soll, aus dem der ›Mythos BBC‹ entstanden ist.

Folgende Themengebiete stehen im Fokus:

  • Inwiefern prägte ›Public Service Broadcasting Made in Great Britain‹ journalistische, kulturelle und medienpolitische Standards in Europa, und inwiefern gingen Konzepte anderer Länder in das britische Modell ein?
  • Wie bezogen Rundfunkanstalten anderer Länder Stellung auf die durch die BBC begründete Tradition des ›Public Service‹?
  • Inwiefern gleichen und unterscheiden sich die wechselvollen Rollen der BBC als (medien-)politisches Vorbild und Feindbild in kulturellen und politischen Debatten von Rollenbildern der Rundfunkanstalten anderer Länder?
  • Welche Spannungsfelder gab es im Verhältnis Politik und BBC? Gibt es Unterschiede zu anderen Ländern?
  • Welche Rolle hatte die BBC in medialen Umbruchsituationen, etwa in der Auseinandersetzung mit Offshore-Sendern wie ›Radio Northsea International‹ und der folgenden Einrichtung von Pop-Wellen in ganz Europa?
  • Wie reagierte die BBC und Rundfunkeinrichtungen anderer Länder auf die Öffnung der Rundfunklandschaft für kommerziellen Rundfunk und nichtkommerzielle ›Gegenöffentlichkeiten‹?
  • Welche Strahlkraft besaß und besitzt der Auftrag, „Information, Bildung, Unterhaltung“ für alle gleichermaßen zugänglich zu machen, international?
  • Wie läuft der britische ›Charter Renewal Process‹ ab. Lässt er sich mit medienpolitischen Prozessen in Deutschland, z.B. die Novellierungen des bundesdeutschen ›Medienstaatsvertrags, oder ähnlichen Prozessen in anderen Ländern vergleichen?‹
  • Welche Rolle spielten und spielen Auslandssender wie der ›BBC World Service‹ oder die ›Deutsche Welle‹ in der Ausübung des Public Service-Gedankens, aber auch im Kontext kolonialer und postkolonialer Bestrebungen und der Vorstellung europäischer Superiorität?
  • Wie wurde die Geschichte und der Mythos BBC in deutschen Medien verarbeitet?

Wir freuen uns auf Beiträge zu diesen und weiteren Themen im skizzierten Feld.

Beiträge können in deutscher und englischer Sprache eingereicht und vorgetragen werden.

Einreichungen senden Sie bitte bis zum 30.9.2022 an
Veit Scheller <Scheller.V@zdf.de>

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