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Jahrestagung des Studienkreises: Fachgruppentagung ›QuellCodes‹, 9.+10.6.2016 am DRA Potsdam

›QuellCodes‹. Räume, Quellen und Formatierung aktueller Rundfunkgeschichtsforschung

Der Studienkreis lädt zur diesjährigen Arbeits- und Jahrestagung ins Deutsche Rundfunkarchiv Potsdam-Babelsberg ein. Ziel der Tagung ist die Neu-Etablierung von aktuell fünf Fachgruppen innerhalb des Studienkreises (Details unter http://rundfunkundgeschichte.de/fachgruppen), um das wissenschaftliche und praxisorientierte Angebot zu erweitern, Projekte zu bündeln und die fachinteressierte Community zu vernetzen. Zu diesem Zweck sind auf der diesjährigen Tagung methodenkritische Bestandsaufnahmen, Diskussionen von Forschungsansätzen und Quellenlagen sowie konzeptionelle Überlegungen zur Vernetzung geplant. Die Fachgruppen beraten zeitweise in separaten Kleingruppen über ihre Ziele und Vorgehensweisen.

Der Tagungsort steht exemplarisch für Transformationsprozesse in der Quellenarbeit, die sich zwischen tradierter Archivierung und digitaler Speicher- und Netzkultur bewegen. Dem Charakter des Ortes entsprechend widmet sich diese Arbeitstagung auch einer Bestandsaufnahme und Perspektivierung der Quellenarbeit hinsichtlich aktueller Rundfunkgeschichtsforschung, und zwar sowohl innerhalb der Fachgruppen als auch in plenar angelegten Vorträgen von Christoph Classen, Helmut Kopetzky und Chris Wahl sowie in einem Kamingespräch zwischen Michael Crone, Heinz Glässgen und Frank Bösch. Im Mittelpunkt steht dabei der Wandel der Rahmenbedingungen, Zugänge und Methoden einer quellenfokussierten Forschung.

 

Die Fachgruppen

  1. Historische Rezipientenforschung (Ltg. G. Frey-Vor, H.-U. Wagner)
    Was sind Quellen, Dokumente, Daten für die historische Rezipientenforschung? Vorstellung und Diskussion von Fallbeispielen aus der eigenen Forschung.
  2. Radiofeature (Ltg. G. Föllmer, K. Knörr)
    Wie kann das Feature als große Chronik der Themen und Macharten des Radios systematisch zugänglich, erforschbar und praktisch erlernbar gemacht werden?
  3. Musik im Radio (Ltg. T. Wilke)
    Musik im Hörfunk als Gegenstand journalistischer und wissenschaftlicher Erörterungen und die Erweiterung und Systematisierung der Quellenarbeit.
  4. Speicherkulturen (Ltg. U. Breitenborn, Y. Yurtaeva)
    Forschungsstand, Konturen und dominante Tendenzen im aktuellen Diskursgeflecht zu Speichermodi, Wissenstransfer und Erinnerungskultur. Projektbezogene Konkretisierung und Positionierung der Fachgruppe.
  5. Zeitzeugen des Rundfunks (Ltg. M. Keilacker, J. Kretzschmar, S. Hennings)
    Potenziale und Anforderungen von Oral History sowie Datenbanken, Vernetzung und praktische Fragen der Gesprächsführung.

 

Programm

Donnerstag       09.06.2016

11:00-13:00       Begrüßung & Einführungsvorträge
Vortrag Christoph Classen: Medien und Überlieferung im digitalen Zeitalter
Vortrag Helmut Kopetzky: Von der Mindmap zum Hörfeature

13:00-14:30       Mittagspause

14:30-16:30       Fachgruppenarbeit in separaten Gruppen (1)

17:00-18:00       Vortrag Chris Wahl: Der Master-Studiengang Filmkulturerbe

18:30-20:00       Kamingespräch: Michael Crone, Heinz Glässgen, Frank Bösch

20:00                 Gemeinsames Abendessen

Freitag                 10.06.2016                                                              

10:00-11:30          Fachgruppenarbeit in separaten Gruppen (2)

12:00-13:00          Ergebnisse der Fachgruppen

13:00                    Tagungsende

14:00-16:00          Vorstandssitzung RuG

 

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Bitte melden Sie sich bis zum 03. Juni 2016 auf der webseite unter http://rundfunkundgeschichte.de/tagung_2016 an.

Ort der Tagung:
Deutsches Rundfunkarchiv (Standort Babelsberg)
Marlene-Dietrich-Allee 20,
14482 Potsdam-Babelsberg

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Susanne Hennings: susanne.hennings@dra.de

Tagungsprogramm Populäre Musik und Identitätspolitiken

Der Tagungs-Flyer& das Abstract-Booklet können als pdf heruntergeladen werden.

Populäre Musik und Identitätspolitiken: Radio machen, überliefern und rezipieren

Popular Music and identity politics: making, archiving, transmitting, and receiving radio

 

Organisation: Forschungsgruppe Broadcasting Swissness (Universität Zürich, Universität Basel, Hochschule Luzern)
in Kooperation mit dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte

Zeit: 18.–20. Februar 2016, Universität Zürich
Ort: Universität Zürich, Rämistr. 71, 8006 Zürich

Die Veranstaltung ist kostenlos und öffentlich.

Um Anmeldung wird gebeten:
Bitte per Mail bis Mi, 8.2.2016, an: Thomas Järmann <thomas.jaermann[at]uzh.ch>

Die Tagung wird gefördert vom Schweizerischen Nationalfonds.

Programm

Donnerstag, 18. Februar 2016 – Hörsaal F 117

ab 12 Uhr Registrierung – Tagungsbüro vor dem Hörsaal

13.30 Uhr – Begrüssung und Einleitung
Thomas Hengartner (Universität Zürich/Collegium Helveticum), Golo Föllmer (Universität Halle-Wittenberg)

14.00–15.30 Uhr – Radio-Praktiken I: Klänge und Identitätspolitiken
Moderation: Alec Badenoch (Utrecht University)

Hans-Ulrich Wagner (Hans-Bredow-Institut, Universität Hamburg)
Sounds like Hamburg. Historische «Hamburg»-Radiodokumente und kommunikative Figurationen raumbezogener Identitätsbildungen

Kathrin Dreckmann (Universität Düsseldorf)
«ohne daß er überhaupt merkt, daß er durchtränkt wird …» Die mediale Produktion der «Volksgemeinschaft» in der Rundfunkpolitik des Nationalsozialismus

Johannes Müske (Universität Zürich)
«Collecting and revitalizing» folk music: towards the relation between folklore studies [Volkskunde] and the radio (1950s–60s)

15.30–16.00 Pause

16.00–17.30 – Radio-Praktiken II: Ästhetik
Moderation: Heinrich Grebe (Universität Zürich)

Golo Föllmer (Universität Halle-Wittenberg)
Radioästhetik komparativ. Quantitative und qualitative Methoden in der Analyse von Morning Shows aus vier Sprachgruppen

Roland Jäger (MDR/Hochschule Magdeburg)
Radio: Bilder hören. Das Zusammenspiel sprachlicher und nicht-sprachlicher Zeichen im Hörfunk – auditive Transkription als Strategie der Erzeugung von Vorstellungsbildern

Robert Małecki (Universität Warschau)
Wort – Text – Klang. Strategien zur performativen Anwendung des Textuellen im auditiven Bereich

17.30–18.00 Pause

18.00 Uhr – Keynote: Erika Brady (Western Kentucky University)
Howdy, Friends and Neighbors: Radio and the Cultural Politics of US Southern Identity

Moderation: Johannes Müske (Universität Zürich)
19 Uhr – Apéro und Vernissage – Lichthof
Vernissage der Begleitausstellung zur Tagung von Studierenden der Universitäten Basel und Zürich
Moderation: Fanny Gutsche (Universität Basel), Thomas Järmann (Universität Zürich)

Freitag, 19. Februar 2016 – Hörsaal F 117

9.00 Uhr – Keynote: Morten Michelsen (University of Copenhagen)
Radio, spaces, imaginations, 1925–1960

Moderation: Golo Föllmer (Universität Halle-Wittenberg)
10.00–10.30 Pause
10.30–12.00 Uhr – Radioprogramme: Facts und Fiction
Moderation: Walter Leimgruber (Universität Basel)

Patricia Jäggi (Hochschule Luzern/Universität Basel)
Mit dem Mikrofon durch die Schweiz: Auditiv-narrative Techniken der Faktizität im internationalen Radio der Nachkriegszeit

Andreas Zeising (Universität Siegen)
Dürer 1928. Radiokunstgeschichte zwischen Bildungsreligion und Identitätspolitik

Felix Wirth (Université de Fribourg)
Die Zukunft auf Sendung: Science-Fiction-Hörspiele am Radio Beromünster (1934–1984)

12.00–14.00 Mittagspause

14.00–15.30 Uhr – Musik und Identität I: Populäre Musik im internationalen Radio
Moderation: Marc-Antoine Camp (Hochschule Luzern)

Alec Badenoch (Utrecht University)
Re-sounding Dutchness: Light Music and Radio Nederland Wereldomroep

Karoline Oehme-Jüngling (Universität Basel)
Lightly Swiss: Unterhaltungsmusik und transnationale Kulturvermittlung bei Schweizer Radio International

Rüdiger Ritter (FU Berlin)
Das Radio: Ein Musikinstrument, das mit amerikanischem Jazz europäische Identität stiftete

15.30–16.00 Uhr Pause

16.00–17.30 Uhr – Musik und Identität II: (Trans-)Nationale Klänge
Moderation: Maximilian Jablonowski (Universität Zürich)

Thomas Järmann (Universität Zürich)
Blasmusik als Vermittlerin von Heimatgefühlen: Eine Fallstudie zu «Swissness» am Radio

Martina Novosel (Universität Zagreb)
Tamburica und nationale Identität: Populäre Musik im kroatischen Rundfunk

Thomas Felfer (University of Sussex)
Anachronistic practice, or active protection of culture [Kulturpflege]? Church bells in the Austrian Radio

18.00–19.00 Uhr – Abendvortrag: Christine Burckhardt-Seebass (Universität Basel)
Identitätsspiele

Moderation: Thomas Hengartner (UZH/Collegium Helveticum)

19.30 Uhr – Lebewohlfabrik: Apéro riche &

 

20.30 Uhr – Konzert mit Hans Hassler

Moderation und Einleitung: Daniel Häusler (SRF Musikwelle/Hochschule Luzern)

Die Lebewohlfabrik befindet sich im Seefeld, Fröhlichstrasse 23, 8008 Zürich; es wird eine gemeinsame Anfahrt mit dem Tram von der Tagung angeboten.

 

Samstag, 20. Februar 2016 – Hörsaal F 117

9.45–10.15 Uhr – Kaffee und Gipfeli

10.15–11.45 Uhr – Beyond Radio: Rezeption und (soziale) Medien
Moderation: Patricia Jäggi (HSLU/Universität Basel)

Thomas Wilke (Universität Tübingen)
Zur Strategie und Intermedialität von Netzidentitäten: Radioauftritte in Sozialen Medien

Fanny Gutsche (Universität Basel)
«A Symbol of Friendship»? Utopien, Assoziationen und Identitätsprojektionen in Hörerpraktiken um das Schweizerische Auslandsradio

Johannes Rühl (Hochschule Luzern)
«Geschmacklose Verkitschung und charakterlose Ausbeutung»: Konflikte um die Volksmusik in der Nachkriegszeit

11.45–12.00 Kurze Pause

12.00–13.00 Uhr – Keynote: Markus Tauschek (Universität Freiburg)
«Populäre» Musik als Kulturerbe?

Moderation: Karoline Oehme-Jüngling (Universität Basel)

Abschlussdiskussion: Thomas Hengartner (UZH/Collegium Helveticum)
13.00–14.00 Uhr – Ausklang bei Sekt & Brezeln

Medienhistorisches Kolloquium

Lutherstadt Wittenberg, 13./14. November 2015

Viele Nachwuchswissenschaftler widmen sich wieder der Rundfunkgeschichte. – Ein erfreuliches Ergebnis des diesjährigen medienhistorischen Kolloquiums für Nachwuchswissenschaftler, das in bewährter Weise vom Studienkreis Rundfunk und Geschichte zusammen mit dem Nachwuchsforum Kommunikationsgeschichte der DGPuK (NAKOGE) ausgerichtet und von der Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA) unterstützt wurde.

Hier präsentierten sich beispielsweise einige junge Wissenschaftler, die sich nicht mit Internet und Multimedia, sondern mit der nationalen und internationalen Hörfunkgeschichte auseinandersetzen. Philipp Mittnik (PH Wien) befasst sich mit der Hörfunkprogrammgestaltung in Österreich (Radio Wien und Reichssender) in den Jahren 1937 und 1938 und will die These widerlegen, dass ausschließlich Unterhaltungsmusik in das Radioprogramm genommen wurde.

In einem für viele exotischen Bereich bewegt sich Kristina Offterdinger (Freiburg) offenbar problemlos. Ihr Thema: „Radio Majak“ – Identitätsstiftung und soziale Differenzierung durch Radio in der sowjetischen nachstalinistischen Gesellschaft, 1964 bis 1991″. Sie konnte anschaulich vorführen, dass dieses Programm mit Sendungen wie „Naiti tschelowek“ den Kontakt zum Hörer suchte. Pia Deutsch (Warwick) untersucht dagegen Deutschlands nationales Radio 1988-1995 unter dem Obertitel „Die (Neu)Verhandlung deutscher Identität“ (siehe Dissertationsprojekte in Ausgabe 1-2/2016).

Andere widmen sich Film und Fernsehen. So Andre Dechert (Augsburg), der in einem Postdoc-Projekt „Die Amerikanisierung des ARD-Gemeinschaftsprogramms“ erforscht. Der Werbefilm im Österreichischen Fernsehen ist Dissertationsgegenstand von Mario Keller (Wien) unter dem Aspekt „Nationalisierender Emotionen“. Aline Maldener (Saarbrücken) wählte als ihr umfangreiches Dissertationsthema: „Transnationalität populärer Jugendkultur. Jugendmedien in der Bundesrepublik Deutschland, in Großbritannien und Frankreich, 1964 – 1981“ und stellte erste Analyseergebnisse vor.

Ein ganz anderes Thema greift Mike Meißner (Fribourg) auf. Er kam von Leipzig in die Schweiz und fragte sich wohl, warum es dort keine Publikationen über Public Relations im eigenen Land gibt. Thema: „Die Erkenntnis ist ernüchternd. Public Relations in der Schweiz. Eine Forschungsskizze“.

Bei den letzten beiden Projekte steht das Leben und Wirken einzelner Personen im Mittelpunkt: Dr. Julia Scholz (Leipzig) skizzierte ein Postdoc-Forschungsprojekt zur „Paul Kohner Agency“, die Ende der 1930er Jahre in den USA eine Anlaufstelle für jüdische Emigranten im Filmgeschäft wurde. Dennis Basaldella (Hamburg) präsentierte sein Promotionsvorhaben zu Horst Klein, der als freier Filmemacher in der DDR tätig war. Klein führte über Jahrzehnte hinweg ein minutiöses Tagebuch über sein Leben und Schaffen – diese Quellen sind alle erhalten und es gilt, sie wissenschaftlich auszuwerten.

In der Abschlussdiskussion dankten die Teilnehmer/innen den Ausrichtern des Forums, das sie als große Chance sahen, sich „über die Fachgrenzen hinweg“ austauschen und vernetzen zu können. Die Möglichkeit, offen auch über mögliche Probleme der eigenen Arbeit zu sprechen, wurde besonders hervorgehoben. Sie wünschten sich, dass das Forum auch in den nächsten Jahren weiter besteht und ihnen, vielleicht mit einem Postdoc-Projekt, wieder eine Plattform bieten könnte.

Autorin: Margarete Keilacker / Mitarbeit: Tom Leonhardt

Call The Radio Conference 2016: Transnational Radio Encounters

Noch bis 15.11. läuft der Call for Papers zur internationalen Tagung ›The Radio Conference 2016: Transnational Radio Encounters‹, den sicher Viele schon auf anderen Wegen erhalten haben. Hier der Call im Original.

Die Studienkreis-Mitglieder Alec Badenoch und Golo Föllmer sind Mit-Organisatoren dieser Tagung, die 2016 zum achten Mal Radioforscher aus aller Welt zusammenführen wird. Das kulturwissenschaftlich ausgerichtete Forum fand bislang im selben Jahr wie das europäische Pendant, die ebenfalls alle zwei Jahre stattfindende Tagung der ECRREA Radio Research Section, statt.

Wir würden uns freuen, wenn viele radiohistorische Themen in Utrecht vertreten wären und fordern alle Interessierten auf, Beiträge einzureichen. Bislang ist die deutsche Beteiligung in diesen internationalen Foren noch etwas zögerlich. Es wäre schön, wenn Studienkreis-Mitglieder dazu beitragen könnten, dies zu ändern!

Call Tagung ›Populäre Musik und Identitätspolitiken: Radio machen, überliefern und rezipieren‹

Call for Papers

Populäre Musik und Identitätspolitiken: Radio machen, überliefern und rezipieren

Termin und Tagungsort: 18.–20. Februar 2016, Universität Zürich

Deadline für Abstracts: 31.10.2015

Veranstalter: Projekt Broadcasting Swissness: Universität Basel, Universität Zürich, Hochschule Luzern
in Kooperation mit dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V.

Keynote speakers: Erika Brady (Western Kentucky University); Morten Michelsen (Universität Kopenhagen, DK); Markus Tauschek (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel).

 

Das Radio wird in den letzten Jahren in den Kultur- und Geisteswissenschaften geradezu wiederentdeckt. Interdisziplinäre Studien, inspiriert von unterschiedlichen Ansätzen kulturwissenschaftlicher Klang- und Sinnesforschung, untersuchen Kultur- und Identitätspolitiken am Radio, ebenso wie die Geschichte einzelner Stationen, ihrer Programme oder Rundfunkarchive als kulturelles Erbe. Nicht zuletzt geht es um die Bedeutung des Radios in der und für die Alltagswelt, etwa um die Rezeption von Sendungen sowie den Weg des Radios in die Online-Welt.

Die Konferenz knüpft an diese aktuellen Forschungen an und fragt nach der klanglichen Dimension von Kultur- und Identitätspolitiken am/mittels Radio und ihren Akteuren, (diskursiven) Praktiken sowie institutionellen und gesellschaftlichen Kontexten. Dabei sollen die verschiedenen kulturwissenschaftlichen Forschungsstränge zum Thema Radio, Identitätspolitiken und populäre (Volks-) Musik zusammengebracht werden. Forschende sind eingeladen, Vorschläge einzusenden, die sich mit dem Thema Radio kulturwissenschaftlich-ethnografisch, in Fallstudien oder theoretisch, künstlerisch und/oder museumswissenschaftlich, gegenwartsbezogen und/oder in historischer Perspektive auseinandersetzen. Ausdrücklich sind nicht nur Forschende in Kultur- und Sozialanthropologie, sondern auch aus Nachbardisziplinen aufgerufen, Themenvorschläge einzusenden. In gewissem Umfang wird es möglich sein, klingende Beiträge zu präsentieren.

Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch.

Interessierte werden gebeten, Themenvorschläge mit Vortragstitel, Abstract (max. 300 Wörter), Kurz-CV sowie technische Anforderungen per E-Mail zu senden an: Johannes Müske, johannes.mueske@uzh.ch & Karoline Oehme-Jüngling, karoline.oehme@unibas.ch

Eine Rückmeldung erfolgt bis 30.11.2015. Es steht ein gewisses Budget für Fahrtkosten für Referierende aus dem Ausland zur Verfügung, kann jedoch nicht garantiert werden.

www.broadcasting-swissness.ch
www.rundfunkundgeschichte.de

Kontakt

Dr. Johannes Müske
Universität Zürich
Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft
– Populäre Kulturen –
Affolternstr. 56
CH–8050 Zürich
Tel.: 0041 (0) 44 634 4087
www.broadcasting-swissness.ch

 

– English version –

Call for Papers

Popular music and identity politics: making, archiving, transmitting, and receiving radio

Organizers: SNSF project “Broadcasting Swissness”: University of Basel, University of Zurich, Lucerne University of Applied Sciences and Arts
in cooperation with Studienkreis Rundfunk und Geschichte e.V.

Date & Venue: Feb. 18–20, 2016, University of Zürich

Deadline for proposals: Oct 31, 2015

Keynote speakers: Erika Brady (Western Kentucky University); Morten Michelsen (University of Copenhagen, DK); N.N.

 

Research concerning the radio is experiencing a revival in the last years within the humanities. Interdisciplinary studies that are inspired by various approaches such as sound studies or anthropology of the senses address cultural identity politics through the radio, e.g. the history of broadcasting stations, the programs, or broadcasting archives as audiovisual heritage. Not least, they address the meaning of radio for and within the everyday life world by investigating the reception of radio programs or the shift towards online media.

The conference draws on the current research and asks for the acoustic dimension of cultural politics resp. identity politics on and through radio, and for the actors, practices, discourses as well as institutional and societal contexts. It is aimed at bringing together the different research strands within the humanities concerning identity politics, popular/folk music and radio as a research topic. Researchers are invited to send proposals that deal with radio ethnographically, in case studies or theoretically, in a historical perspective or focusing on the present days, in an artistic or museological view. Distinctly, not only researchers from folklore/social and cultural anthropology or related fields are called to send abstracts, but also researchers from neighboring disciplines. To a certain degree it will be possible to present acoustic contributions.

Conference languages are German, English, and French.

Interested colleagues are asked to send proposals with theme/title, abstract of max. 300 words, short CV and technical requirements per e-mail to: Johannes Müske, johannes.mueske@uzh.ch & Karoline Oehme-Jüngling, karoline.oehme@unibas.ch

Decisions will be pronounced by Nov. 30, 2015. In some cases travel expenses can be reimbursed.

www.broadcasting-swissness.ch
www.rundfunkundgeschichte.de

Contact

Dr. Johannes Müske
Universität Zürich
Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft
– Populäre Kulturen –
Affolternstr. 56
CH–8050 Zürich
Tel.: 0041 (0) 44 634 4087
www.broadcasting-swissness.ch

Medienhistorisches Forum Wittenberg 2015

Auch dieses Jahr findet das Medienhistorische Forum in Kooperation mit der FG Kommunikationsgeschichte der DGPuK in der Lutherstadt Wittenberg statt.

NachwuchswissenschaftlerInnen sind eingeladen Ihre Arbeiten und Projekte am 13. und 14. November 2015 zu präsentieren und zu diskutieren. Ermöglicht wird das Kolloquium wieder durch die Unterstützung der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt.

Einreichungen sind bis zum 7. September möglich.

Bitte beachten Sie die ausführlichen Informationen im Call for Papers: Ankündigungcfp2015

Bericht Jahrestagung 2015 in Wien

Geschichte(n), Repräsentationen, Fiktionen – Medienarchive als Gedächtnis- und Erinnerungsorte

Jahrestagung 2015 in Wien

Fotoimpressionen | Tagungsprogramm

Die 45. Jahrestagung des Studienkreises fand dieses Jahr in Kooperation mit der Zeitschrift „Medienimpulse“ am 7. und 8. Mai in Österreich statt. Thema und Platzierung der Tagung im frühlingshaften Wien (Ort: Depot) waren offensichtlich so attraktiv, dass das Organisationsteam des Studienkreises um Sascha Trültzsch-Wijnen aus einer hohen Anzahl an Einreichungen auf Grundlage eines anonymen Review-Prozesses ein illustres Programm zusammenstellen konnte. Erwartungsgemäß war dann auch die Tagung bestens besucht. Thematisch begab sich die Konferenz in das weit verzweigte und diskursiv stark nachgefragte Feld der Medienarchive. Welche inhaltlich-technologischen Lösungen finden Archive für die Herausforderungen der digitalen Welt? Welchen Stellenwert haben neue, netzbasierte Speicherkulturen? Wer sind die Gatekeeper in den Archiven, und sind deren Kriterien noch zeitgemäß und funktional? Wie kann die Zugänglichkeit zu Archivmaterialien für Wissenschaftler und andere Nutzergruppen erleichtert werden?

Zum Tagungsauftakt befragte Leif Kramp in seiner Keynote kritisch die aktuellen medienpolitischen Rahmenbedingungen vor allem der öffentlich-rechtlichen Rundfunkarchive in Deutschland. Trotz einiger ermutigender Zeichen, wie beispielsweise die neueren Regelungen (Selbstverpflichtung) über den Zugang für Wissenschaftler zum Archivgut von ARD und ZDF, existieren noch zu viele Barrieren beim regulären Zugang zu AV-Materialien. Rundfunkarchive sollten, so Kramp, nicht nur Arbeitsarchive, sondern auch lebendige Orte für gesellschaftliche Diskurse sein, denn gerade die Bildschirmmedien bilden einen Kern unserer heutigen Weltwahrnehmung. Warum verweigern sich also die Anstalten einer größeren Öffnung ihrer Archive? Neben hinlänglich bekannten Argumenten (Medienprivileg, Kapazitäten, Begehrlichkeiten) läge dies wohl auch daran, dass Wissenschaftler eher eine schwache Lobby in den Medienhäusern besäßen.

Edgar Lerschs Beitrag bildete dahingehend eine gute Gelegenheit, die Position der Archivare besser zu verstehen, indem er Grundzüge der Medienarchivistik (z.B. Provinienzprinzipien, Kontextsicherung uvm.) erläuterte und dafür plädierte, die archivbezogenen Begrifflichkeiten genauer abzuwägen. Drei konkrete Beispiele aus der Praxis waren Gegenstand des zweiten Panels. Susanne Hennings vom DRA setzte sich anhand des Wandels von Bewertungskriterien für die Archivwürdigkeit von Tondokumenten dezidiert mit den Begriffen Speicher- und Funktionsgedächtnis auseinander; zwei Begriffe übrigens, die häufig auf dieser Tagung umherschwirrten. Vielleicht ist dies auch ein Indiz dafür, dass angesichts der Materialschwemme im Netz die Rolle von Archiven teilweise neu zu bewerten ist. Das Archivarische bleibe von hoher Bedeutung, so Hennings, denn die Archivare steuern wesentliche Bewertungskriterien bei, die für die Erinnerungskultur unentbehrlich sind. Einen etwas anderen, nämlich performativ, prozesshaft und akteurszentriert angelegten Zugang zeigte Dagmar Brunow. Sie stellte ein Projekt vor, in dem es um die Erschließung und Sicherung von Beständen alternativer Videokollektive geht. Konkret gemeint sind das Hamburger Medienpädagogik Zentrum (ab 1973), die thede (ab 1980) und bildwechsel (ab 1979). Hier war dann mehr von künstlerischen Strategien, selbstreflexiven Digitalisierungsprozessen und Schwarmsichtung die Rede. Um Aktivität ging es auch Gabriele Fröschl von der Österreichischen Mediathek. Als Kernkompetenz ihrer Einrichtung nannte sie explizit die benutzerorientierte Archivierung von AV-Materialien mit Österreichbezug. Die Mediathek setzt auf netzbasierte Zugänglichkeit und stellte bereits ca. 25.000 Stunden Material online. Mit dem Begriff „Entsammlungsstrategie“ (durch Nicht-Digitalisierung) warf sie einen diskursiven Brocken in den Ring, der mehrfach aufgegriffen wurde. Im Kern geht es dabei einerseits um sinnvolle Digitalisierungsstrategien angesichts einer Obsoleszenz von Trägermaterialien und Abspielgeräten. Andererseits stellt sich aber auch die Frage, wie stetig wachsende Bestände zu differenzieren sind. Nicht-Digitalisierung als bewusste Strategie bedeutet letztlich, Bestände aus archivarischen Nutzungskreisläufen herauszunehmen ohne sie zu kassieren.

Mit dem Ortswechsel der Tagung in den Sendesaal 3 des ORF im Radiofunkhaus wurde Rundfunkhistorie auch sinnlich erlebbar. Um Sinnlichkeit, De- und Re-Kontextualisierungen sollte es dann auch in dem von Uwe Breitenborn moderierten Panel gehen. Mit Christoph Stuehn saß der Direktor von Memoriav auf dem Podium und stellte das Netzwerk für die Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes der Schweiz und sein Online-Informationsportal memobase vor. Ebenfalls ein außerordentlich engagierter Protagonist ist Wolf Harranth, der geschäftsführende Kurator des Dokumentationsarchivs Funk, der das Publikum mit imposanten Zahlen, neuen Dokumentenfunden und einem biografischen Detail zum Sendesaal überraschte. Rüdiger Steinmetz (SLM-Projekt) und Johannes Müske (Broadcasting Swissness) zeigten mit ihren Projekten, wie angewandte Forschungsarbeit mit Archivmaterial funktioniert. Insbesondere das SLM-Pilotprojekt zur Sicherung des audio-visuellen Erbes der lokalen Fernsehveranstalter in Sachsen rief eine angeregte Diskussion hervor.

Das charmante Kamingespräch zwischen Michael Crone und dem Leiter des multimedialen ORF-Archivs Herbert Hayduck nahm einiges von diesen Diskussionspunkten auf und überraschte mit interessanten Details der ORF-Archivarbeit. Nicht nur deutsche Teilnehmer dürften interessiert zur Kenntnis genommen haben, dass im ORF-Archiv eigene redaktionelle Strukturen etabliert wurden, die Archivaren journalistische Herangehensweisen an interessante Themen und Materialien gewähren. Hayduck sprach hier von „neuen Freiheitsgraden“ in der Archivarbeit. Auch die unkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, die einen privilegierten Quellenzugang für das Institut beinhaltet, erstaunte. Archive sind eben auch redaktionelle Orte, so kann das Fazit dieses Gespräches lauten, das zu Füßen eines überdimensionalen Bildschirms mit visuell knackendem Kaminfeuer einen wahrhaft entspannten Eindruck machte. Die produktive und offene Herangehensweise des ORF-Archivs sorgte jedenfalls für einigen Gesprächsstoff beim gemeinsamen Abendessen.

Der zweite Tagungstag stand eher im Zeichen angewandter Forschung und medienhistorischer Miniaturen. So stellte Charlotte A. Lerg in dem von Thomas Ballhausen moderierten Panel Kontextualisierungen in US-Filmen durch die Verwendung historischen Bildmaterials vor, die von „All the president’s men“ bis „Forrest Gump“ reichten. Screen on screen oder ganze Quelleninszenierungen wie bei „Flags of our Fathers“ sind dabei nur einige der angesprochenen Strategien. Mit dem HÖR ZU-Fortsetzungsroman „Suchkind 312“ thematisierte Yvonne Robel anhand eines Beispiels, wie ein populärer Stoff durch diverse mediale Umsetzungen auch neue Bewertungen und inhaltliche Aspekte erfuhr. In diesem Fall reichte der Produktionsbogen von 1954 bis 2007. Sandra Nuy widmete sich anhand des Trotta-Films „Die bleierne Zeit“ dramaturgischen Strategien, wie politische Praxen erzählbar gemacht werden.

In dem von Sascha Trültzsch-Wijnen moderierten Panel zu hybriden TV-Formaten problematisierte Reinhold Viehoff unter anderem einen Rationalitätsschwund der medialen Kommunikation in der Moderne 2.0. Tom Wilke analysierte Fiktionalisierungsstrategien anhand der US-Serie „Rom“ und zeigte, wie Medien ein spekulatives Potenzial entwickeln, in dem sie historische Ereignisse bezeugen und erzeugen. Das spannende, aber leider aus den Sendeprozeduren verschwundene ARTE-Format „Histoire parallèle | Die Woche vor 50 Jahren“ (1989–2002) stellte Jean Christoph Meyer aus Strasbourg vor, der sich in seinen Darlegungen auf den Macher des Formates Marc Ferro konzentrierte. Golo Föllmer schließlich leitete das Panel zu Radio, Sound und neuen Perspektiven im Internet. Christiane Quandt offerierte hier einen hochspezialisierten, literaturwissenschaftlichen Einblick in argentinische Radio-Sounds als fiktionale und dokumentarische Orte in dem Roman „Cómo me hice monja“. Yulia Yurtaeva wartete mit einer lebhaft diskutierten Analyse auf. Sie stellte private Archive als sogenannte Transfer-Quellen vor. Private Internetplattformen sind für viele eine niedrigschwellige Möglichkeit, nach bestimmten Materialien zu suchen. Zumeist betrieben von höchst engagierten Leuten, ermöglichen Sie einen schnellen Zugriff auf Informationen. Aber wie gesichert sind diese im Vergleich zu den etablierten Archiven? Wie sind diese zu bewerten? Kann man diese Quellen wissenschaftlich nutzen? Was können neue Kriterien in der Bewertung dieser Quellen sein? Yulia Yurtaeva hält diese „wilden“ netzbasierten Datenbanken für analysewürdig und plädiert für einen kritischen aber offenen Blick auf diese Plattformen. Die anschließende, teils sehr emotionale Diskussion drehte sich um die Frage, welche Quellen wissenschaftlichen Arbeitens zulässig sind und offenbarte in ihrer Kontroverse auch deutliche Unterschiede in Archiv- und Wissenschaftskulturen.

Das letzte Tagungspanel widmete sich historischen Quellen zur Erforschung von Schule und Alltag, moderiert von Alessandro Barberi. May Jehle bot hier einen Einblick in das Medienarchiv historischer Unterrichtsaufzeichnungen, das ermöglicht, diese Aufnahmen zu sichten und zu vergleichen. May Jehle verdeutlichte das exemplarisch anhand der Vermittlung von Kenntnissen über die russische Revolution und offerierte zwei durchaus obskur wirkende Filmausschnitte, die Unterrichtseinheiten eines Bonner Gymnasiums sowie einer Ost-Berliner POS-Klasse zu diesem Thema gegenüberstellten. Auch hier wurde wieder offensichtlich, wie digitalisiertes und archivarisch aufbereitets AV-Material in wissenschaftlich-analytische Kreisläufe eingespeist werden kann. Lars Müller referierte anschließend über Schulbuchforschung. Clemens Schwender bildete den Abschluss der Tagung. Das Feldpost-Archiv, das in Zusammenarbeit mit dem Technikmuseum Berlin arbeitet, analysiert einen Teil der unfassbar großen Anzahl von Feldpostbriefen aus dem Zweiten Weltkrieg mit dem Ziel, zum Beispiel mentalitätsgeschichtliche Prozesse sowie Erkenntnisse zu Aspekten der Mediennutzung im Zweiten Weltkrieges herauszuarbeiten. Zirka 40 Mrd. solcher Briefe sollen nach Schwenders Angaben in jener Zeit verschickt worden sein.

Was bleibt? Das diskussionsfreudige und angeregte Miteinander dieser Wiener Tagung offenbarte einen außerordentlich lebendigen Studienkreis Rundfunk und Geschichte. Nicht nur dem frisch wiedergewählten Vorstand war die Freude über diesen Erfolg anzumerken. Die Thematik der Medienarchive in ihren vielfältigen Zusammenhängen bot gute Impulse für kommende Tagungen. Vielleicht wird dann auch der eine oder andere Wiener Teilnehmer als neu gewonnenes Studienkreismitglied wieder dabei sein.

Uwe Breitenborn (Magdeburg/Berlin)

Vorstand des Studienkreises wiedergewählt

Die ordentliche Mitgliederversammlung wählte am 7.5.2015 den neuen  Vorstand des Studienkreises. Als Vorsitzender fungiert erneut  PD Dr. Golo Föllmer, als Stellvertreter wurden Dr. Alec Badenoch und  Christian Schurig bestätigt. Schatzmeister bleibt Dr. Veit Scheller,  Schriftführer Dr. Sascha Trültzsch. Dr. Hans-Ulrich Wagner, PD Dr.  Gerlinde Frey-Vor sowie Dr. Uwe Breitenborn wurden wieder als Beisitzer gewählt. Mit Susanne Hennings vom DRA kam ein neues Mitglied in den Vorstand, anstelle von Andreas Dan, der aus dem Gremium ausscheidet. Als Kassenprüfer wurden erneut Prof. Dr. Michael Crone und Dr. Heiner Schmitt eingesetzt.

Uwe Breitenborn